Distributoren-News: ePubli ändert Versteuerung der Honorare rückwirkend

Die Auszahlungen der ePubli-Kunden werden im nächsten Monat wohl etwa doppelt so hoch ausfallen wie erwartet: Das Unternehmen addiert zu den Zahlungen nämlich seit Mai 2015 anscheinend zu wenig erhobene Umsatzsteuer. Die Begründung: Mit der Umstellung auf 70 Prozent Netto-Honorar (statt zuvor 60 Prozent vom Brutto) müssten die Zahlungen als Kommissionserlöse angesehen werden. Obwohl ePubli weiterhin vom “Autorenhonorar” spricht, berechnet man nun nachträglich 19 statt 7 Prozent und rechnet den entsprechenden Gesamtbetrag einfach zum aktuellen Honorar hinzu.

Der Schritt kommt zum einen überraschend – zum anderen wirkt er etwas unbegründet. Denn dann müsste jedes Verlagshonorar (das ebenfalls in Prozent vom Nettopreis berechnet wird und von den verkauften Stückzahlen abhängt) ja ebenfalls als Kommissionserlös statt als Autorenhonorar betrachtet werden.

Pro Monat addiert ePubli vom ausgezahlten Honorar weitere 12 Prozent. Bei acht Monaten (Mai bis Dezember) und einem gleichbleibenden Verdient macht das 96 Prozent eines Monatsverdienstes. Allerdings sollten Sie nicht schon Ihr neues Häuschen planen: Das Geld geht, wenn Sie nicht gerade Kleinunternehmer sind, nämlich komplett ans Finanzamt.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

One Comment

  • Wir hätten es auch gerne bei der einheitlichen Besteuerung der Auszahlungen an Autoren gelassen. Aber die IFRS-Guidelines sehen im E-Book-Nettoerlös-Modell vor allem den festen Erlösanteil für das Self-Publishing-Portal und ordnen die Erlöse als Kommissionserlöse ein. Diese müssen bei E-Books zum vollen USt-Satz versteuert werden.
    Betroffen von der rückwirkenden Änderung sind nur epubli-Autoren, die in Deutschland Umsatzsteuer abführen, und bei denen nur die E-Book-Erlöse (für die Print-Erlöse bleibt’s bei 7%). Und wie schon erwähnt, freut sich nur der Finanzminister: Denn die Autoren, die Umsatzsteuer abführen, müssen die von uns zusätzlich ausbezahlten Beträge ja gleich wieder ans Finanzamt abführen.

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