Das Kellerzimmer – warum auch 99-Cent-Titel lohnend sein können

Die mittlerweile in drei Teilen vorliegende Serie “Das Kellerzimmer” hat Plätze in den Amazon-Top-1000 mittlerweile fest gebucht. Wir haben uns gefragt: Was hat sich die Autorin, die hinter dem Namen Lesley Marie Milton steckt, dabei gedacht? Kann man mit 99-Cent-Titeln tatsächlich ein vernünftiges Honorar verdienen?

Das sagt Lesley Marie Milton dazu:

“Die einzelnen Folgen meiner ersten Psychothriller-Serie sollten nicht zu umfangreich, aber auch nicht zu kurz sein. Ich dachte dabei an einen klassischen Groschenroman: liest sich gut weg, ist spannend, günstig und ordentlich.

Jeder Teil meiner Kellerzimmer-Reihe umfasst knapp 100 Seiten; ich setzte einen Preis von 99 Cent an. Einige Autorenkollegen denken, man mache damit den Markt kaputt. Ganz falsch ist es sicherlich nicht, dass die Leser immer sparsamer werden. Ich bin allerdings auch nicht besser. Früher habe ich für einen druckfrischen Irving 50 Mark ausgegeben – auf solch kostspielige Ideen käme ich heute nicht mehr.

Für mich hängt der Preis eines eBooks ganz klar von der Länge ab. Bei einem Lesevergnügen von drei bis vier Stunden mag ich nicht 3,99 Euro verlangen. Der günstige Preis erscheint mir also durchaus passend.

Als Autor kann ich nicht nur Herzensbücher schreiben, sondern verdiene mit Brotbüchern mein Geld. Mit 99-Cent-Titeln könne man aber nicht vernünftig verdienen, lautet ein weiterer Einwand. Das stimmt meiner Meinung nach nicht. In den Amazon Top 10 verdient man mit einem 99-Cent-eBook um die 1000 Euro wöchentlich. Vielleicht bin ich zu bescheiden, aber ich finde nicht, dass das wenig Geld ist.

Für das Kellerzimmer habe ich bis auf eine anfängliche Gratisaktion null Werbung gemacht. Nur eine Handvoll Freunde wussten überhaupt von dem Vorhaben. Ob das funktionieren würde? Sonst werbe ich wie alle anderen auch auf Facebook, Twitter und eigenem Blog.

Es war ein Versuch und der ist geglückt. Ich habe keine Ahnung, ob es wieder klappen könnte, aber Tatsache ist, dass sich alle drei Teile in den Amazon Top 100 befinden, was mich natürlich wahnsinnig freut. Ich finde es klasse, dass man als Selfpublisher immer wieder Neues ausprobieren kann, sowohl thematisch als auch preislich.”

Nun interessiert mich Ihre Meinung dazu: Machen 99-Cent-eBooks den Markt kaputt? Hat Lesley Marie Milton einfach Glück gehabt?

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

11 Kommentare

  1. Im übrigen ist das Buch von Milton nicht nur ordentlich lektoriert, sondern von der poetischen Grundidee sogar ganz interessant. Sie hätte bloß einen anderen Stil als die typische Thriller-Prosa gebraucht. Hier hat sie sich zu sehr an die literarischen Vorlagen gehalten. Als Unterhaltung hat mich das Buch zwar nicht begeistert, aber auch nicht abgeschreckt.

  2. Sie hat für drei Teile von jeweils hundert Seiten 2.97 erzielt, also für enen kompletten 300-seitigen Roman. Was meines Erachtens auch nicht gerade überwältigend ist, aber im Bereich des derzeit üblichen liegt. Der Dreh liegt am Aufteilen: ein Drittel meines Buches für unter einen Euro. Das zieht wohl.

  3. Ich habe in den vergangenen Wochen eins gelernt: Über den Preis wird nur in der Top 20 verkauft, d.h. man kann, wenn man auf #16 ist mit einer Preisreduktion weiter nach oben oder sogar auf Platz 1 kommen. Aber nur für kurze Zeit. Sobald man aus den Top 20 raus ist, bringen 99 Cent-Aktionen N I C H T S!!!!
    Experimente, wie die von Kollegin Milton, sind interessant und nachvollziehbar. Natürlich kann man für einen “Groschenroman” nicht den gleichen Preis nehmen wie für ein ordentlich lektoriertes Buch, an dem man vielleicht ein Jahr geschrieben hat.
    Ich warne nicht vor Groschenromanen, sondern vor der Inflationen der Preisaktionen, die rausgeschmissenes Geld sind.

  4. Da bleibt noch die Frage: Wieviel für wieviel? Was kann/sollte man für 50k Zeichen verlangen, was für 100k – und so weiter. Letztendlich muss sich jeder Selfpublisher seine Richtlinien anhand seiner Marktumgebung selbst zusammenbasteln, was für viele einfach irgendwann mühsam und schwierig wird.

  5. Die Stärke von eBooks ist gleichzeitig ihre Schwäche: Man sieht ihnen den Umfang nicht an.
    Machen Romanhefte oder Taschenhefte den Hardcover-Markt kaputt? Natürlich nicht. Es sind unterschiedliche Publikationsformen mit unterschiedlicher Ausrichtung. Und man sieht es ihnen auf den ersten Blick an. Der Preis orientiert sich an der Aufmachung.
    Niemand zahlt für einen Heftroman 25 Euro, niemand erwartet eine Erstausgabe im Hardcover für 2,50.
    Dieses Unterscheidungskriterium fällt (bislang) bei eBooks flach. Es ist alles eBook. Von 99 Cent bis oben offen, von 50.000 Zeichen bis 1.000.000 Zeichen.

    Das vorab als Grundverständnis.
    Die Frage ist leider etwas undifferenziert gestellt. Meine Gegenfrage ist: von welchen 99-Cent-eBooks sprechen wir?
    Von solchen wie von Lesley Marie Milton? Dann orientiert sich der Preis am Umfang. Solange das den Lesern vor dem Kauf deutlich vermittelt wird, ist sowohl Preis wie Umfang legitim. Geld verdienen kann man damit aber tatsächlich nur, wenn man es dauerhaft in die Top 100 schafft. Wer für 99 Cent schreibt, muss Masse erzielen. Und dazu sollte man sich auf wenige, gängige Genres konzentrieren.

    Machen umfangreiche 99-Cent-Titel den Markt kaputt? Also quasi "Hardcover" zum Heftromanpreis? Die Erwartungshaltung der Kunden verändert sich dadurch natürlich. Man rechnet inzwischen damit oder wartet darauf, dass ein eBook irgendwann kostenlos (Select) oder für 99 Cent zu haben sein wird.
    Zudem dieser Weg bislang fast ausschließlich von Self Publishern bestritten wird. Diese schreiben in den seltensten Fällen "Must have"-Titel. Impulskäufer aufgrund des Namens sind derzeit wohl eher die Ausnahme. Also kann man als Kunde auch warten. Irgendwann wird der gewünschte Band schon günstiger zu haben sein.

    Es macht den Markt nicht zwingend kaputt. aber es verändert ihn.

  6. ich denke, die Wahrnehmung vieler Leser verändert sich dadurch. Ich lese dies ja auch immer wieder auf FB: kostet das eBook 99cent und wird dazu noch gut beworben, steigt es im Ranking. Wird der Preis auf 2,99 angehoben – was für einen Roman mMn immer noch zu wenig ist – stagniert der Titel oder fällt sogar im Ranking.
    Meine persönliche Meinung: viele Self Publisher verkaufen ihre Bücher und sich selbst unter Wert.
    Und ob Lesley Marie Milton Glück gehabt hat? Natürlich. Zur richtigen Zeit, mit dem richtigen Buch präsent zu sein, ist zu 99% Glücksache.

  7. Nun, ich habe ebenfalls einen 100-seitigen Ratgeber zu 99 Cent. Aber das ist lediglich der Startpreis. Die wenigsten Autoren können damit rechnen in die Top 10 zu kommen. In jedem meiner Bücher stecken a) einige Monate/Jahre Arbeit und b) Vorabkosten von einigen hundert Euro für Lektorat/Korrektorat + Cover. Da meine Bücher sich meist im oberen Mittelfeld ihrer Kategorie bewegen, brauche ich bei 99 Cent lange, um diese Kosten mit einem 35%igen Anteil wieder einzuspielen. D.h. 99 Cent sind für mich nur für XXL Leseproben in Ordnung. Dauerhaft – nein.

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