Die Ergebnisse der großen Selfpublishing-Studie 2015: Was Selfpublisher sich von ihren Kollegen wünschen

(Bild: 6kor3dos / depositphotos.com)

489 der 906 Teilnehmer beantworteten auch unsere offene Schlussfrage: “Wie sollte sich das Self-Publishing in den nächsten Jahren unbedingt entwickeln – und was sollte verhindert werden?” Die Antworten sind spannend und anregend. Sowohl ihre Vielfalt als auch die Wiederholung bestimmter Motive lassen interessante Schlussfolgerungen zu. Im folgenden einige Auszüge, die ich gekürzt und thematisch sortiert habe. Im ersten Teil sind vor allem Aussagen versammelt, die sich mit dem Selbstbild der Selfpublisher beschäftigen.

  • Selfpublisher sollten sich formieren, zusammenschließen und unterstützen, statt Erfolge zu meiden und sich gegenseitig mit Neid zu begegnen. Über Erfolge und Misserfolge sollte offener gesprochen werden. Selfpublisher sollten sich weniger als Autoren bezeichnen, die nebenbei ihre Bücher selbst vermarkten, sondern als Selbstständige. Demzufolge müssten sie verstärkter ihre Hausaufgaben machen. Zielgruppen- und Marktanalysen erstellen, vielleicht würde sich dann auch etwas an der Werbungspolitik der Selfpublisher ändern. (Massenpostings bei Facebook, Kontaktaufnahme zu Bloggern, Genreeinstellungen bei Amazon, um ein paar Beispiele zu nennen)
  • Mitunter treten Self-Publisher sehr penetrant und unprofessionell auf, wenn es um das Bewerben ihrer Bücher geht. Ich würde mir mehr Würde und Vernunft bei manchen Kollegen wünschen. Unser Ruf ist eh reichlich durchwachsen.
  • Ich finde es gut, dass es jetzt einen Selfpublisher-Verband gibt, ich denke, ich werde dort eintreten. So ein Verband ist gut, um das Ansehen der Selfpublisher zu verbessern.
  • Ich stehe ganz am Anfang. Nach 4 Verlagstiteln werde im nächsten Monat mein erstes ebook veröffentlichen. Für mich ist es ein Experiment, meine Haushaltskasse aufzubessern. Dann wenn es gut gemacht ist, verdient man damit mehr als im Verlag. So zumindest sagen Kollegen. Insofern kann ich dazu noch nichts sagen. Allerdings glaube ich, dass die erkennbare Professionalisierung zum Erfolg der ebooks beitragen wird.
  • Ich würde mir wünschen, dass mehr ‘normale’ Leute davon wüssten. Ich hasse es, dass immer alle, die sich nicht mit SP auskennen (noch nie davon gehört haben) annehmen, dass ich keinen Verlag gefunden habe, weil ich zu schlecht bin. Dabei war ich lediglich zu ungeduldig und wollte nicht ewig warten müssen.
  • Schlimm finde ich das Konkurrenzdenken der SPler untereinander. Manchmal habe ich das Gefühl in einem Haifischbecken gelandet zu sein. Mit Neid und Missgunst komme ich nicht klar, zumal ich der Überzeugung bin, dass es für alle genug gibt. Ich würde mir wünschen, dass wir Indies besser zusammenhalten.
  • Das Preisdumping im SP-Markt sollte gestoppt werden.
  • Selfpublisher sollten noch professioneller werden, das Image des Indie-Autors sollte sich dadurch verbessern.
  • Es sollte endlich eine Kontrolle geben, damit nicht JEDER ALLES veröffentlichen kann. Viele Bücher, die auf dem virtuellen Markt herumschwirren, schädigen das Image der Selfpublisher erheblich, egal, ob durch fehlendes Korrektorat, peinliche Cover oder 5-Seiten-Stories, die für 4,99 angeboten werden. Es wäre wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen – nicht nur für uns Selfpublisher selbst, sondern auch für die Leser
  • Self Publishing: Natürlich gefällt es mir nicht, dass der Ruf immer mehr verkommt, durch Autoren, die keinen Satz schreiben können ohne Fehler und dennoch an der Spitze der Charts stehen. Aber das ist wohl nicht zu ändern. Sollte FSK 18 kommen wird es das Selfpublishing in Zukunft sehr schwer haben. Aber auch die Verlage, man denke nur an die kurzen Liebesromane einiger Verlage, die es auch als ebook gibt, und die detaillierte Sexzszenen enthalten.
  • Ich wünsche mir bessere Hilfen, um ein selbst veröffentlichtes e-Book absolut professionell erscheinen zu lassen – und eine bessere Qualitätskontrolle, z B ein Qualitätssiegel, das man erwerben kann (als Autor oder Verlag), mit dem bescheinigt wird: (1) Lektorat (2) Besprechung durch ausgewiesene Rezensenten mit Verlinkung zur Besprechung
  • Ich vermisse im Self-Publishing gehobene Literatur; auch im Unterhaltungssektor vermisse ich Überraschungen und Ungewöhnliches; ich vermisse Bücher, die mich umhauen, weil sie neue Perspektiven, neue Ideen, eine neue Art zu schreiben präsentieren (und das am besten in einwandfreier Rechtschreibung). Vielleicht werden solche Bücher im Self-Publishing veröffentlicht, aber sie finden aufgrund der gegenwärtigen Strukturen und Mechanismen weder Aufmerksamkeit noch Anerkennnung. Erfolgreich ist, was es schon tausendmal gab, und gelobt wird leicht Verdauliches. Das führt dazu, dass mich die Amazon-Bestseller-Listen meist wenig begeistern. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber ich fürchte, dass Amazon insbesondere durch das Unlimited-Programm und die All-Star-Boni, die die massenweise Verbreitung von kurzen, schnell geschriebenen 99-Cent-Büchern fördern, dazu beiträgt, dass Romane auf dem vielbeschimpften Groschenroman-Niveau die Überhand gewinnen. Das finde ich sehr schade. Am Anfang der ganzen Amazon-Selfpublisher-Geschichte fand man ungewöhnlichere Bücher in den Charts. Ich denke, man könnte daran etwas ändern, wenn man die Rubriken mehr modifizieren würde und – was ganz wichtig ist – unbedingt überprüft, ob Bücher in die jeweilige Rubrik gehören. Es nervt mich wahnsinnig, wenn Erotik-Romane unter Ratgebern, Liebesromane unter Biographien und Weihnachtsschnulzen unter Religion zu finden sind. Kurz gesagt: Ich wünsche mir mehr sichtbare Qualität bzw. mehr Sichtbarkeit für Bücher, die sich auf welche Weise auch immer vom Mainstream abheben.
  • SPler sollten als vollwertige Autoren angesehen werden und als Freiberufler mit ernsthaften Absichten. Traumhaft wäre, wenn Self-Publishing gleichberechtigt neben Verlagsveröffentlichungen stehen würde. Aber ich bin sicher, dass die Dynamik im Self Publishing ohnehin zunimmt.
  • Weniger Autoren, die mit ihren Werken und Verhalten die Self Publisher in Verruf bringen.
  • Mehr faires Miteinander unter den Autoren.
  • Ich würde mit wünschen, dass dem Wildwuchs Einhalt geboten wird, wüsste aber nicht, wie sich das realisieren ließe.
  • Gleichberechtigung für alle und dass wir gleichsam an einem Strang ziehen, nämlich den, unsere Leser glücklich zu machen.
  • Dieser ganze Missgunst und Neid sollte endlich verschwinden. Jeder sollte sich mal vor Augen führen, dass er nicht seinem Gegenüber, sondern letztendlich sich selbst schadet, wenn er jemanden schlecht macht.
  • Das SP sollte sich unbedingt weiterhin professionalisieren. Neue, freie Formen der Zusammenarbeit zwischen Verlagen und SP könnten entstehen. Der Buchhandel sollte an das SP-Angebot angeschlossen werden. Autoren untereinander sollten nicht länger zwischen “Verlagsautor” und SP unterscheiden – der Leser nimmt den Unterschied sowieso nicht wahr.
  • Das Self-Publishing ist auf einem guten Weg. Die Autoren professionalisieren sich immer mehr. Dienstleister für Cover und Texte kommen dazu, es gibt sehr gute Infos über die SP-Bibel, so dass man eigentlich ohne Bruchlandung starten kann. Weiter so.
  • Viele SPler sollten unbedingt professioneller arbeiten, um den immer noch etwas angeschlagenen Ruf des Bereichs zu verbessern.
  • Der Wunsch des letzten Jahres ist ja bereits mit der Gründung des Selfpublisher-Verbandes erfüllt worden 😉 Möge er in puncto Interessenvertretung für Indies und Hybridautoren gleichermaßen erfolgreich werden, sich noch mehr im Licht der Öffentlichkeit positionieren und regen Zulauf erfahren! Indies sind oft Einzelkämpfer aus Überzeugung. Das müssen sie sein, denn ohne diese Grundeinstellung können sie (ohne Verlagshintergrund) nicht überleben. Ein Schulterschluss unter gleichgerichteten Interessen kann auf die Dauer jedoch jedem Einzelnen hilfreich sein!
  • Wünsche an die Indie-Kollegen? Macht Euch nicht fertig, indem Ihr alles versucht, selbst zu erledigen. Für jeden Schritt im Zusammenhang mit Buchveröffentlichungen gibt es professionelle Hilfe.
  • Die Gründung des SP Verbandes ist toll – und wenn ich es mir finanziell leisten kann, werde ich auch Mitglied. Fortbildungen sind ebenfalls toll, allerdings oft über meinem Budget, daher muss ich leider darauf verzichten, ebenso, wie aufwendige Reisen zu Buchmessen.
  • Weniger Konkurrenzdenken, mehr Gemeinschaft!
  • Gute Qualität und ein vernünftiges Miteinander sollten sich wieder mehr durchsetzen.
  • Das SP sollte sich noch mehr zu einem Miteinander entwickeln. Das hauen und stechen untereinander und die Missgunst – die falschen schlechten Rezensionen, schaden uns allen. Auch die Mentalität, ich lade erstmal hoch und korrigiere dann sollte durch die Haltung, dann warte ich eben noch einige Tage, liefer aber möglichs fehlerfrei ab, ersetzt werden. Fehlerhafte Bücher schaden anderen SP’lern enorm.
  • Das Preisdumping sollte aufhören. Die Verlags-ebooks sind eindeutig zu teuer, aber die SP-ebooks oft zu billig. Was nichts kostet, ist nichts wert und das kann ich dann auch gleich klauen.
  • Überhaupt die Piraterie – ein großes Thema, bei dem alle Verantwortlichen wegzuschauen scheinen bzw. hilflos sind. Ich möchte keine russischen Verhältnisse kriegen (dort werden angeblich so gut wie keine ebooks mehr verkauft, alles nur noch illegal) – das ist meine größte Sorge.
  • Das sich die Szehne nicht selbst so tot ernst nimmt und sofort jedem kleinen Autor der es mit einem E-Book versucht nieder macht. “Du must und ohne das geht es gar nicht” solche Sätze schrecken ab. Ich denke viele können nur durch versuch und Irtum lernen. Wenn ein Text vor Fehlern nur so trotzt (Bin selber Legastheniker) und man schlechte Reviews bekommt, sollte ein Lernefekt eintretten.
  • Ich persönlich würde mir mehr Zusammenhalt der Selfpublisher wünschen, beziehungsweise dass Selfpublisher und Verlags- oder Hybridautoren ins Gespräch kommen und offener auch im Umgang mit Verlagen und dem Buchhandel agiert wird. Zudem fände ich es schön, wenn Indie-Autoren es auch endlich richtig in den Buchhandel schaffen würden.
  • Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde das Selfpublishing seine Möglichkeiten des Experimentierens nutzen. Selfpublisher sind ja viel flexibler als Verlage, was z.B. enhanced ebooks betrifft. Toll wären Selfpublisher, die sich zusammenschließen und ausprobieren, was im ebook-Bereich möglich ist. Selfpublishing als Kunstform. Das scheitert aber daran, dass dafür wohl kaum ein Markt existiert.
  • Mehr Image und Akzeptanz bzw. ein besseres Miteinander zwischen Self-Publishern und Verlagen. Mehr Toleranz unter allen Autoren.
  • Grundsätzlich wünschte ich mir es würden weniger Menschen schreiben 😉 Damit die Mitbewerber-Schar kleiner wäre …
  • Mehr Beachtung, weniger Vorverurteilung, Unterscheidung Stümper vs. engagierte Indies.
  • Selfpublisher sollten sich ein dickeres Fell zulegen und lernen, mit Kritik besser umzugehen, um weiterhin bestehen zu können. Kürzlich bin ich erst wieder über eine rege Diskussion von Bloggern gestoßen, die über fehlende Professionalität geklagt und verkündet haben, Büchern von Selfpublishern aus diesem Grund zukünftig zu meiden. Dabei stellen sie eines der wichtigsten Werbetools dar …
  • Auch ist es meines Erachtens nach wichtig, mehr Verständnis und Professionalität untereinander walten zu lassen. Negative Neidrezensionen sowie die zunehmenden Unterstellungen, jede schlechte Bewertung stamme von einem neidischen Kollegen sind absolut fehl am Platze. Noch schlimmer ist es, diese und andere Streitigkeiten öffentlich auszutragen.
  • Professionalisierung der Autoren, Kooperation statt Konkurrenzdenken, weniger Schrott-Veröffentlichungen, bessere Lobby gegenüber Handel und Politik
  • Selfpublisher sollten motiviert werden, ihren Anspruch an ihre eigenen Veröffentlichungen zu heben und bessere Qualität zu liefern. 99Cent Aktionen sollten abnehmen, die machen den Markt kaputt und es wird gerade da viel Schrott angeboten
  • Ein bisschen mehr Selbstreflektion der Publisher, damit die Qualität der Bücher besser wird und man nicht von Vornherein als Autor 2. Klasse abgestempelt wird (wie z.Bsp. von LovelyBooks).
  • Selfpublisher sollten sich nicht so wichtig nehmen. Der Großteil der Leser weiß gar nicht, dass es so etwas gibt und macht auch keine Unterschiede zwischen Büchern, die bei einem Verlag erschienen sind oder nicht. Die wundern sich oft nur über den Preis. Solange man sich selbst nicht mit dem Thema beschäftigt, weiß man nix davon.
  • Der Ruf der Selfpublisher wird immer schlechter, da sich so viele Menschen getrieben fühlen, etwas zu schreiben … ist ja nichts dagegen zu sagen, doch das eigene Werk für das non-plus-ultra zu halten und sofort auf die lesende Menschheit loszulassen ist oft grenzwertig.
  • Ich würde mir wünschen, dass nicht alles allgemein veröffentlicht würde und den Buchmarkt überschwemmt. Bücher ohne jedes Lektorat oder Korrektorat. Bücher, bei denen man merkt, dass der Autor keine Ahnung von Preisgestaltung hat. Und Bücher, die gar nicht in ihr angegebenens Genre passen und dann auch noch vor offensichtlichen Fehlern strotzen… Und deswegen würde ich mir wünschen, dass SP-Anbieter lieber etwas mehr an Gebühr nehmen, dafür aber ein Mindestmaß an Vorauswahl bzw. Qualitätskontrolle übernehmen. Damit viele unausgereifte Projekt die vielen guten Bücher nicht unterdrücken.
  • Self Publisher sollten sich mehr Wissen über Technik, Drucksatz und wirtschaftliche Zusammenhänge aneignen.
  • Meiner Ansicht nach ist das Self-Publishing weniger das Problem als die Leute die es nähren. Persönlich würde es mich freuen wenn die Autoren mehr Zeit mit sich selbst verbringen und inne halten würden. Das Problem in meinen Augen ist, dass es da draußen tausende von vierzehnjährigen Mädchen gibt die ihre Geschichten an einen Verlag schicken um Geld und Ruhm abzustauben. An sich finde ich daran nichts schlimmes, aber man sollte mal darüber nachdenken was man als Autor da selber hat. Ich spreche von diesem Etwas das uns alle antreibt und prägt. Was ist es? Wie verhält es sich? Wieso ist es da? Was treibt es an? Solche elementaren Sachen werden einfach nicht hinterfragt. Stattdessen wird einfach ohne zu diesem System gefolgt. Ich sehe es doch selbst. Wenn ich jemanden privat sage, was ich mache, wird automatisch vorausgesetzt dass ich an einen Verlag schreiben will, um dadurch reich und berühmt zu werden. Und dass tut nun mal die Masse meiner verehrten Kollegen. Es wird nicht abgewogen und stattdessen stapeln sie sich und klettern übereinander um in der Sonne ihrer eigenen Herrlichkeit zu wandeln.
  • Was ich mir wünschen würde, wäre weniger Ehrgeiz und mehr Zeit und Energie in eine eigene Philosophie des Schreibens zu investieren. Sich einfach mal mit den essentiellen Fragen beschäftigen. Wieso erzählen sich die Menschen Geschichten? Was macht den Reiz an dem geschriebenen Wort aus? Und natürlich gehören auch dazu noch viele andere grundlegende Fragen bezüglich des Lebens an sich, da es in einer Geschichte immer darum geht das Leben zu imitieren um es zu verstehen. Bestes Beispiel dafür ist der Kampf Gut gegen Böse, um zu zeigen was moralisch vertretbar und gut ist und was nicht. Das wären dann unsere Moralvorstellungen, aber das ist natürlich nur ein winziger Splitter des Gesamtbildes. Was treibt uns Menschen an? Wie sind wir wirklich? Warum verstecken wir uns hinter Masken bzw. tun so als wenn wir besser wären als wir eigentlich sind? Und die Zeit wird sich einfach nicht genommen um sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Es wird alles getan um möglichst schnell weit nach oben zu kommen.
  • Beispielsweise bekomme ich auf BookRix ständig Werbung auf mein Profil gepostet und frage natürlich wieso ausgerechnet ich dieses Buch lesen soll, was ja wiederum eine Frage ist die sich jeder potenzielle Leser stellt. Und die meisten reagieren auf diese Frage vollkommen überfordert und suchen mitunter Ausflüchte. Man schien sich noch nicht einmal zu fragen wie Werbung überhaupt funktioniert und hat sich stattdessen gedacht, dass man so viele Leser bekommt, weil alle anderen machen das auch so. Es wird noch nicht einmal versucht so etwas wie eine echte Leserschaft aufzubauen. Stattdessen werden diese meist wie Briefmarken gesammelt. Frei nach dem Motto je mehr Leser mich toll finden, desto toller bin ich selbst. Es gibt dadurch keine emotionale Bindung zwischen diesen beiden Parteien und meist heißt es nur Quantität statt Qualität. Mich beschleicht auch der Eindruck, dass viele vergessen, dass hinter den ganzen Bildschirmen, Usernamen und Buchseiten Menschen sind. Und was wir als Künstler mit denen machen ist einfach so wunderbar, dass man es mit Gold nicht aufzuwiegen vermag.
  • All das was ich hier aufgeführt habe ist wirklich schlimm für mich in seiner jetzigen extremen Form, weil ich einfach etwas begriffen haben, was den meisten anderen Kollegen zu entgehen scheint. Wir erschaffen Welten aus dem Nichts. Unseren Geistern entspringen Menschen wie sie genauso gut draußen auf der Straße laufen könnten. Unsere Worte bewegen die Herzen der Leser. Ich habe mit meinen Werken bereits Menschen zum Weinen gebracht als auch zum Lachen. Ich gab ihnen Hoffnung und Glückseligkeit nachdem ich ihnen eben jene am Vortag noch nahm. Und ich gehe sogar noch einen gewaltigen Schritt weiter. Es sind nämlich unsere Illusionen die das Gefüge der Realität so wie wir sie kennen zusammenhalten. Das mag sich natürlich auf den ersten Blick größenwahnsinnig anhören, aber früher waren auch jene als toll zu bezeichnen die Frauen das Lesen beibringen wollten. Aber worauf ich hinaus will ist, dass ich all dies erlebt sowie gesehen habe und ich mich wirklich frage ob ich ein Recht dazu habe etwas so wundervolles und schönes wirklich zu prostituieren und ein Preisschild dran zuhängen. Meiner Meinung nach kann man das nicht und deshalb will ich dass meine Geschichten für alle zugänglich sind unabhängig vom Geldbeutel. Mein Ehrgeiz ist bereits dann zufrieden wenn ich nur das Herz eines einzigen Lesers mit meinen Worten erobert habe. Es geht mir dabei nicht um Ruhm, sondern darum ihn die kostbare Zeit diese brutalen Lebens etwas versüßt zu haben.
  • Dies soll jedenfalls ausschweifend meine Meinung repräsentieren. Kurzum: Manchmal ist weniger mehr. Zumindest wenn es bei den Autoren im Self-Publishing geht.
  • Ich wünsche mir, dass SPler eine besser Lobby haben und sich organisieren, statt gegeneinander zu arbeiten.
  • Tja… ich denke, dass das Selfpublishing ein Hype ist, der vergehen wird. Es kommt einfach zu viel auf den Markt und die Spreu wird sich vom Weizen trennen. Gute Autoren werden nach wie vor zu Verlagen wechseln und das ist auch gut so.
  • An allererster Stelle wünsche ich mir eine Form der Qualitätskontrolle, damit das Self-Publishing endlich aus der Schmuddelecke herauskommt. Seitdem ich mit intensiv mit dem Thema beschäftige, bin ich über viele tolle Bücher und Geschichten gestolpert, die ich unter anderen Umständen nie gelesen hätte. Ich sehe aber jeden Tag genauso viel Schrott, der den schlechten Ruf (“Jeder Idiot kann ein Buch veröffentlichen, dazu muss man nicht einmal die deutsche Rechtschreibung beherrschen”) wieder bestätigt.
  • Es sollte auch mehr Wert auf ein Korrektorat gelegt werden. Die meisten der Bücher, die ich von anderen Selfpublishern gelesen habe, beinhalteten so viele grammatikalische, rechtschreibliche sowie typografische Fehler, dass ich manchmal die Lust am Lesen fast verloren hätte. Ich würde mein Buch so nicht veröffentlichen wollen.
  • Wichtig fände ich eine Art “Moralkodex” für Selfpublisher in Hinsicht Fakerezis, getauschte Rezis, Bedrängen von Bloggern / Rezensenten
  • Die Selfpublisher untereinander sollen sich weiterhin so fantastisch unterstützen, denn nur durch den Austausch untereinander trauen sich sehr viele Autoren ihre Werke auch zu veröffentlichen.
  • Wir SPler brauchen dringend mehr Selbstbewusstsein. Dass so viele von uns ihre Bücher für wenig, wirklich sehr wenig Geld, hat dazu geführt, dass die Leser zwei obskure Einstellungen entwickelt haben, die sich eigentlich widersprechen. 1: Geiz ist Geil und 2: Kostenlos = Wertlos. Auf der einen Seite wollen sie für unsere Bücher nichts bezahlen, gleichzeitig schätzen sie sie nicht wert. Das ist schade und… ich hab ehrlich keine Ahnung, wie man diese Meinung wieder aus den Köpfen rausbekommt.
  • Aber gerade bei jüngeren ist die Nutzung von Piratenseiten inzwischen nicht mal mehr ein Kavaliersdelikt, sondern so selbstverständlich, dass inzwischen Autoren Beschwerdemails bekommen, wenn Leser ihre Bücher auf Piratenseiten nicht finden. Aber das hat vielleicht nichts mit uns zu tun, sondern mit dem eklatanten Mangel an Erziehung. Trotzdem hat es Auswirkungen auf uns. Drastische, denn sie nehmen uns SPlern und allen Autoren und gerade ihren LieblingsAutoren damit die Möglichkeit, uns ganz aufs Schreibn zu konzentrieren. Das ist schade. Demotivierend schade…
  • Die Akzeptanz des Selfpublishings sollte in den nächsten Jahren steigen – bei den Verlagen und aber auch bei den Lesern/Käufern. Im Selfpublishing können Nischen bedient werden, die in der Verlagswelt selbst sonst zu aufwändig oder teuer umzusetzen wären. Verhindert werden sollte m.E. diese “Zweiklassen-Belletristik”, die aktuell noch vorherrscht. Verkäufe über den stationären Buchhandel wäre natürlich schön, aber allein über die Verlagswelt ist es schon schwierig, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen – wie soll der Buchhändler die Spreu vom Weizen trennen können? Beim Verlag kann man sich wenigstens sicher sein, dass auf Qualität geachtet wurde, beim Selfpublishing kann jeder Hinz und Kunz auf Upload drücken. Hier könnte man nur eine Art Lesecommunity etablieren, die Empfehlungen und Vorlieben mitgibt … Ansonsten ist das Thema schwierig vorhersehbar – aber genau deshalb unglaublich spannend!
  • Ich fände es begrüßungswert, wenn sich die Qualität der Selfpublishing-Bücher weiter verbessern würde und es eine unabhängige “Prüfungsinstanz” geben würde, die vielleicht ein Qualitätslabel verleiht. Ich wiederhole gerne meine Aussage vom letzten Jahr: Quindie zählt da für mich nicht, da durch die Autoren (die uU in Konkurrenz zueinander stehen) nicht wirklich unabhängig sind.
  • Es ist dringend nötig, dass die Veröffentlichungen vorab stärker nach Qualität gefiltert werden und mehr Schund aussortiert wird.
  • Es sollte den Autoren mehr Freiheit bei der Gestaltung gelassen werden. Ich kann es nachvollziehen, dass E-Reader gewisse Normen brauchen um Texte richtig darzustellen – aber Absätze zu ignorieren und daraus einen wirren Blocktext zu machen “weil die Leser es ja noch trennen können wie sie es wollen” ist eine Beschneidung der Möglichkeiten des Autors. Ich mache Absätze nicht zum Spaß, sondern weil sie an dieser Stelle in mein Werk gehören!
  • Unbedingt: dass der Markt wächst und die Reader sich mehr verbreiten; dass es endlich Reader gibt, die ALLE Formate verarbeiten/ anzeigen können
  • Es sollte auf jeden Fall eine Auslese durch neutrale Experten stattfinden. Mindestens 95% der selfpublishing-Bücher sind Schrott. Bücher sollten nicht zum Billigtarif verschleudert werden.
  • Ich wünsche mir, dass die Autoren sich für ihre Arbeit angemessen entlohnen lassen und darauf verzichten, Bücher kostenlos und dauerhaft verbilligt anzubieten. Nur so kann sich das Schreiben für alle lohnen, und es würden auch weniger Bücher von Schnäppchenjägern gekauft, die nur kaufen, weil es billig oder kostenlos ist. Viele regen sich dann noch auf, wenn ihnen das Buch nicht gefallen hat. Dafür gibt es dann schlechte Rezensionen. So etwas könnte eventuell vermieden werden, wenn man nicht gezwungen wäre, auf der Welle der “Billiganbieter” mitzuschwimmen.
  • Verhindert werden sollte eine gewisse Kontrolle, die jetzt von vielen Seiten gefordert wird. Ja, es wird viel Müll im SP Bereich veröffentlicht, aber auch kleine Perlen, die bei keinem Verlag untergekommen sind, weil diese viel zu starr sind, um mal über den Tellerrand zu sehen. Wird SP kontrolliert, von wem auch immer, fallen diese Perlen wohlmöglich weg.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Kommentare

  1. Thomas Diehl teils teils. Sicher ist Spannung ein Stück weit Geschmacksache. Aber wenn eine Geschichte komplett ohne erkennbare Konflikte losgeht (nicht einmal innere Konflikte), dabei mäandert wie ein Fluss und sprachlich ungenau formuliert ist, kann man getrost das Siegel verweigern, selbst wenn Rechtschreibung und Grammatik perfekt wären (was sie bei solchen Geschichten meistens eh nicht sind). Qindie beurteilt ja nicht, wie spannend ein Buch ist, sondern nur, ob die Zutaten für Spannung vorhanden sind (interessante Figuren in einer Situation, die zu Konflikten führt aus denen sich Veränderungen ergeben). Das Hauptaugenmerk liegt aber auf klarer Sprache und korrekter Rechtschreibung und Grammatik.

  2. Es wäre auch schön, wenn dieses Label sich nur auf technische Belange (Korrektorat, technische Mängelfreiheit…) konzentrieren würde und nicht Geschmacksurteile (Spannungsaufbau u.ä. sind bei aller Professionalisierung doch individueller Geschmack, auch wenn einige Professionen wie Lektoren uns anderes glauben machen wollen und damit den Massengeschmack für Einheitsbrei fördern, weil der halt einfacher zu lektorieren und zu verkaufen ist) einflössen.

  3. Übrigens gibt es bereits ein Qualitätslabel für Indie-Bücher bei dem eben genau die Dinge Lektorat, Professionalität und Spannungsaufbau abgeklopft werden. Es wäre nur schön, wenn alle AutorInnen, die das Siegel bekommen haben, aktiv an der Verbreitung und Bekanntmachung mitarbeiten würden.

  4. Sehr wichtige und interessante Zusammenfassung. Ich freue mich sehr, dass sich so viele wünschen, dass wir näher zusammenrücken und uns nicht den Erfolg neiden. Auch erlebe ich häufig ein tolles Miteinander unter Autoren, was einfach fantastisch ist. Klar haben wir noch viel Luft nach oben, aber es macht jeden Tag Spaß, an die Arbeit zu gehen, besser zu werden und die Entwicklung mitzugestalten!

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