Die Zukunft des eBooks? Das ePub3-Format tut sich schwer

Das ePub3-Format für eBooks ist seit über zwei Jahren offizieller Standard des IDPF. Man sollte also meinen, dass die Hard- und Software-Hersteller seitdem genügend Zeit hatten, ihre Produkte anzupassen. Dass Amazon da nicht den Vorreiter spielt, überrascht nicht – aber wie sieht es bei den anderen Unternehmen aus?

Leider überraschend mies, wie eine hübsche Übersicht der ePub3-Testsuite zeigt. Selbst der Spitzenreiter Readium (basierend auf dem Chrome-Browser) unterstützt demnach nur 4 von 5 der erforderlichen Features sowie 62 Prozent der optionalen ePub3-Fähigkeiten. Bei den Smartphone-Apps liegt Kobos iOS-Reader mit knapp 70 Prozent noch etwas vor dem aktuellen Google Play Books mit 66 Prozent.

Die standardkonformsten eReader kommen ebenfalls von Kobo – sie setzen immerhin 61,5 Prozent der erforderlichen Features um. Das gilt für alle aktuellen Modelle von Kobo Glo bis Kobo Aura HDAmazons Kindle Fire HDX erreicht immerhin 46 Prozent – und damit noch deutlich mehr als Sonys aktuellster eReader PRS-T3.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Comments

  • Apple hat die Tage iBooks Author in der Version 2.3 veröffentlicht. Das Update hat ein Template fĂĽr die Erstellung von ePub 3 BĂĽchern hinzugefĂĽgt. Wenn man so eine Vorlage nutzt, dann funktioniert fast alles auch im iBooks-Format, nur die Schriftart lässt sich nicht anpassen und man kann dann nicht in den Nachtmodus wechseln. Das ist nun wieder anderthalb Jahre später, aber doch ein erfreulicher Schritt, oder nicht?

  • Ehrlich gesagt interessiert das nicht so wirklich, denn volle EPUB3-UnterstĂĽtzung spielt fĂĽr die Akzeptanz von EPUB eine untergeordnete Rolle. EPUB3 standardisiert im Unterschied zu EPUB2 eine Reihe von multimedialen und interaktiven Features, welche allerdings rein vom technischen Stand der E-Reader-Hardware (egal welchen Herstellers) noch gar nicht und nur schwer umgesetzt werden kann. Man denke nur an Video oder Ton oder JavaScript auf E-Ink-Geräten. EPUB3 bietet aber auch angenehme einfachere Features und korrigiert ein paar Sachen aus EPUB2, wovon man auch weitab der 100%-UnterstĂĽtzung profitieren kann. AuĂźerdem funktioniert EPUB2 weiterhin unverändert sehr gut und hat den ĂĽberragenden Vorteil eines offenen Standards auf seiner Seite, sodass man bei Bedarf auch alle Altbestände in EPUB2 mal fix nach EPUB3 konvertieren könnte (wobei da aber wie gesagt nicht so arg viel Unterschied ist, wenn man mal von Multimedia/Interaktivität absieht, wofĂĽr ja auch erstmal eine konkrete Anwendungsmöglichkeit gefunden werden mĂĽsste).

    • Schön wärs, ich bekomme die Probleme immer live mit, wenn unterschiedliche Features auf dem ein oder anderen Gerät mehr oder weniger gut funktionieren, obwohl es ja eigentlich einen Standard gibt. E-Ink-Reader sind nicht mehr der Weisheit letzter Schluss und gerade im Sachbuch-Bereich wäre eine ordentliche ePub3-Umsetzung sehr wichtig.

      • Na, das sind ja aber jetzt zwei paar Schuhe. Der Standard hat die Aufgabe, sicherzustellen, dass formal die Nutzung der Features in den Dokumenten immer gleich aussieht, sodass ein EPUB3-kompatibler E-Reader der Gegenwart und Zukunft weiĂź, was er mit derartigen Dateien anzufangen hat. Wenn nun ein Reader den EPUB3-Standard nicht zu ~100% unterstĂĽtzt, dann doch hoffentlich nicht deshalb, weil die Nutzung von Features entgegen der EPUB3-Spezifikation stattfindet, sondern hoffentlich allein deshalb, weil die technische Entwicklung noch nicht weit genug fortgeschritten ist und dann zukĂĽnftig nachziehen kann, wenn im Dokument auf EPUB3-Kompatibilität geachtet wurde. Wenn man jetzt also EPUB3-Features nutzt, die von kaum einem Reader unterstĂĽtzt werden, dann zielt man doch wissentlich die zukĂĽnftige Nutzung an und darf sich nicht wundern, wenn’s gegenwärtig noch nicht geht.

        Und dann muss man sich auch vor Augen halten: Video und E-Ink sind bisher von der Hardware her unvereinbar, weshalb multimediale Dokumente weder in EPUB3 noch in anderen E-Book-Formaten auf E-Ink-Geräten bequem darstellbar sein werden. Wenn EPUB3 die Möglichkeit von Video trotzdem vorsieht, dann deshalb, weil EPUB3-Dateien auch auf anderen Geräten wie auf dem Bildschirm, Smartphone und Tablet gelesen werden, und in diesen Umgebungen ist volle EPUB3-Unterstützung vergleichsweise leicht machbar (weil EPUB nicht arg viel mehr ist als zusammengepackte Webseiten zum Offline-Lesen – Software zum Anzeigen derselben, „Browser“ genannt, wird seit Jahrzehnten entwickelt und ist grundsätzlich fähig, alle Anforderungen von EPUB3 mit relativ geringem Aufwand zu erfüllen).

        Insofern tut sich EPUB3 überhaupt nicht schwer: es ist allgemein akzeptiert, von den Geräte-Herstellern und Dokumenten-Erzeugern, einzig die Implementierung des Standards verläuft schleppend. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln sich die Anbieter offener Plattformen mühsam voranarbeiten müssen, während der proprietären, absichtlich inkompatiblen und protektionistischen Konkurrenz trotz extremster Benachteiligung des Kunden das Geld nur so hinterhergeschmissen wird. Aber keine Sorge, mit EPUB als offenem Standard ist alles in bester Ordnung, das wird jeder auch noch in 100 Jahren lesen können, wenn es die proprietäre Konkurrenz längst nicht mehr gibt.

        • NatĂĽrlich tut er sich schwer – woran liegt es wohl, dass die “technische Entwicklung” hängt? Der Standard wurde vor zwei Jahren verabschiedet, das ist in der IT eine EWIGKEIT. Jeder Branchenbeteiligte wäre in der Zwischenzeit in der Lage gewesen, ihn zu 100% umzusetzen. Tatsächlich ist man irgendwo bei der Hälfte. Es sind doch nicht irgendwelche armen, kleinen Anbieter, um die es hier geht, sondern groĂźe Unternehmen wie Google. Wieviele Versionen von Android gab es in den letzten zwei Jahren? Es geht hier nicht um Können, es geht um Wollen.

          • Ich bitte aber auch zu bedenken, dass gerade diese groĂźen Firmen, die Anzeigegeräte fĂĽr EPUB3 herstellen, auch in ganz anderen Geschäftsbereichen tätig sind, sodass die Entwicklung besagter Anzeigegeräte nicht unbedingt die höchste Priorität erhält wie bei Amazon, wo das Kerngeschäft der Vertrieb von BĂĽchern ist. Da Google explizit genannt wurde, sei darauf hingewiesen, dass Google gleichzeitig damit beschäftigt ist, HTML5 fĂĽr den Chrome-Browser zu implementieren (wo der Standard ganz genauso ĂĽber das technisch vorhandene herausgreift und kein 100% HTML5-fähiger Browser vorliegt) und gerade irgendwelche Suchmaschinen-, Onlinedienst- und Android-Projekte auch vielleicht ein wenig energischer vorangetrieben werden als Readium fĂĽr Chrome, um damit ein paar EPUB3-Dateien ĂĽber Google Play verkaufen zu können. HTML5 und EPUB3 sind ĂĽbrigens eng miteinander verknĂĽpft, sodass man im gleichen Atemzug auch die Zukunft des Web fĂĽr verloren geben könnte, weil seit 2008 keine vollständige Implementierung des Standards vorliegt, welcher im Gegensatz zu EPUB3 auch noch nichtmal abschlieĂźend spezifiziert ist. Wie soll nun eine EPUB3-Implementierung all die multimedialen und interaktiven Fähigkeiten, noch dazu in einem E-Reader-Gerät, besitzen, die bisher noch nicht einmal im Web so richtig anzutreffen sind?

            Natürlich könnte es auch schneller gehen, dafür ist aber die Nachfrage nicht allzu groß, wenn man im Vergleich den Shop des proprietären Konkurrenzformates berücksichtigt. Außerdem können proprietäre Konkurrenzformate technisch auch nicht weiter sein, was auf die Beschränkungen von E-Ink-Hardware zurückzuführen ist. Von daher geht es überhaupt nicht um die technische Umsetzung der Formate, sondern darum, wer den größeren Shop hat.

          • Und derjenige, der den größten Shop hat, definiert dann auch ganz automatisch durch sein Angebot, was das populärste E-Book-Format ist, ganz unabhängig von der technischen Entwicklung der Formate. Wenn der größte E-Book-Shop absichtlich nur ein einziges Format bereitstellt und dieses nicht EPUB3 ist, dann kann ja EPUB3 auch nur wenig populär erscheinen, und sei es auch noch so vollständig in existierenden Geräten implementiert.

      • Man kann ĂĽbrigens auch Vergleiche mit dem HTML-Standard des W3C ziehen, welcher freilich auch nicht ĂĽber nur 2 Jahre tipptopp spezifiziert und in allen Browsern sauber umgesetzt wurde (wobei hier auch die Abweichung vom Standard hinzukommt). Von daher ist die Leistung des IDPFs und der Implementierer sogar als vorbildlich anzusehen. Ziel war nämlich fĂĽr EPUB3 ausdrĂĽcklich, der technischen Entwicklung vorauszugreifen, um sich nicht hinterher mit lauter inkompatiblen Lösungen herumschlagen zu mĂĽssen. Siehe dazu auch Introducing ePUB3 von Bill McCoy und EPUB3: Not Your Father’s EPUB von Bill Kasdorf (beides Englisch).

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