DRM, Verbraucherschutz, Umsatzsteuer: Was die EU in Sachen E-Books plant

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Gestern hat die EU-Kommission in Brüssel ihre Agenda für die “digitalen Märkte in Europa” bis 2020 vorgestellt. Daraus ergeben sich auch für Autoren interessante Gesichtspunkte. Diese betreffen vor allem E-Books – aber auch der Online-Handel mit physischen Gütern soll neu reguliert werden. Ein EU-weit “einheitlicher digitaler Markt” ist das große Ziel. Wer regelmäßig E-Books bei verschiedenen Plattformen kauft und verkauft, weiß, dass wir davon noch ein ganzes Stück entfernt sind. Hier die für Autoren wichtigsten Punkte aus dem Programm (PDF):

  • Der Verbraucherschutz beim Online-Kauf digitaler Produkte soll vereinheitlicht werden. Hier nennt die EU explizit das Rückgaberecht bei E-Books, das bisher in den wenigsten EU-Ländern geregelt ist. In Deutschland sind die Regelungen bereits sehr kundenfreundlich – da könnte es durch eine Harmonisierung allenfalls zu Verschlechterungen (für den Kunden) kommen.
  • Das Urheberrecht braucht laut EU eine Anpassung an die digitale Welt. Der Käufer soll legal gekaufte digitale Produkte (also auch E-Books) europaweit nutzen können.  Dazu muss das DRM angepasst werden – oder die Umgehung des Kopierschutzes zu legalen Zwecken wird legalisiert (dies ist nach deutschem Recht derzeit verboten, unabhängig vom Zweck).
  • Unberechtigte Länderschranken im Onlinehandel sollen fallen. Wer zum Beispiel heute aus Deutschland bei Amazon.fr einkaufen will, wird stets zu Amazon.de umgeleitet.
  • Wer seine Bücher selbst via Website vertreibt, soll in Zukunft bei innereuropäischen Lieferungen von Steuererleichterungen und niedrigeren Frachtkosten profitieren.
  • Die Rolle großer, internationaler Anbieter (genannt werden Suchdienste und Appstores, aber die Beschreibung trifft auch auf eBook-Stores zu) soll genauer untersucht werden. Ziel ist hier eine höhere Transparenz der Suchergebnisse und der Preispolitik. Das könnte darauf hinauslaufen, dass die Anbieter ihre Ranking-Mechanismen offener nennen müssen.
  • E-Books und Bücher oder Online-Zeitungen und gedruckte Zeitungen werden derzeit unterschiedlich besteuert. Diese unverständliche Regelung soll sich ändern: Auf ein Produkt soll unabhängig von seiner Form derselbe Umsatzsteuersatz Anwendung finden.
  • Die Bekämpfung illegaler Inhalte (inklusive E-Book-Raubkopien) soll europaweit vereinfacht werden.

Die Veränderungen wird es allerdings nicht von heute auf morgen geben: Anfang nächsten Jahres will die EU-Kommission dazu Gesetzesvorschläge vorlegen, die dann 2017 in Kraft treten könnten.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.