Ideal für Vielleser: Neue Technik Spritz will das Schnelllesen erleichtern

Ein 1000-Seiten-Wälzer in zehn Stunden? Das verspricht die Schnelllese-Technik Spritz des gleichnamigen US-Startups. Auf der Website können Neugierige die Technik ausprobieren und mal eben ihre Lesegeschwindigkeit von durchschnittlichen 200 auf 400 Wörter pro Minute erhöhen. Spritz beruht darauf, dass das Auge sich auf einen einzigen Punkt fokussieren darf, an dem die Wörter dann vorbeiflitzen. Je weniger Augenbewegungen nötig sind, desto schneller kann der Mensch einen Text erfassen. Übliche Schnelllesetechniken zielen deshalb darauf, durch Training den Erfassungsbereich zu erweitern, indem auch im Augenwinkel stehende Wörter mit einbezogen werden.

Wie schnell ein Mensch liest, hängt allerdings von vielen Faktoren ab – die Trägheit der Augenbewegung ist nur einer davon. Ebenso wichtig sind ein gutes Kurzzeitgedächtnis, ein großer Wortschatz (beides kann man trainieren) und ganz nebenbei auch Interesse am Text. Spritz verringert zugleich die Ermüdung beim Lesen, die im Wesentlichen von den nötigen Augenbewegungen verursacht wird.

Spritz würde sich gut für den Einsatz auf kleinen Displays (etwa auf Smartwatches) eignen, wäre aber sicher auch für eBook-Apps auf Smartphones eine gute Idee. Auf klassischen eReadern hingegen ist die Technik wegen der langsamen Bildschirm-Updates nicht einsetzbar. Spritz ließe sich auch in Betriebssysteme integrieren; bisher hat das Unternehmen jedoch noch keine Technologiepartner vorgestellt.

Die Spritz-Technik blendet jedes Wort an einer festen Stelle ein.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

  1. Unser Augenbewegungen sind in der Tat momentan der limitierende Faktor bei der Lesegeschwindigkeit. Dazu kommt, dass wir nur mit 15 Grad unseres Sehfeldes (der Fovea) tatsächlich lesen können. Denn nur dort wo wir den Text fixieren ist er scharf. Links davon werden noch etwas 4 Zeichen und rechts davon etwa 8 Zeichen wirklich wahrgenommen, der Rest des Textes ist verschwommen.

    Die Forschung zeigt, dass ein guter Leser seine Geschwindigkeit unglaublich steigern kann, wenn keine Augenbewegungen mehr von nöten sind. Auf etwa 1.100 Wörter pro Sekunde, 1.600 Wörter bei den besten Lesern!

    So, wird sich (bei unserem Beschleunigungswahn) die Technik mit Sicherheit dahin bewegen und Spritz wird nur eines der ersten Startups in dieser Richtung sein.

    Wer sich nun genauer für die Hintergründe und physiologischen Abläufe in unserem Gehirn beim Lesen interessiert, dem sei das Buch “Lesen” ans Herz gelegt. http://amzn.to/1dKl3dh Es enthält eine extrem spannende Zusammenfassung der Leseforschung der letzten 30 Jahre. Uneingeschränkt empfehlenswert.

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