In eigener Sache: ein neuer Sponsor für die Selfpublisherbibel – Gunnar Siewert von Bookrix im Interview

Die Selfpublisherbibel finanziert sich seit über einem Jahr zumindest zum Teil nach dem Sponsoring-Modell: Unternehmen mit Interesse am Thema Selfpublishing zahlen einen festen monatlichen Betrag und werden dafür nach einem klar an die Leser kommunizierten Modell als Sponsoren genannt. Alles soll maximal transparent bleiben, wie Sie es von der Selfpublisherbibel gewohnt sind.

Ganz neu unterstützt uns ab dem ersten September nun der eBook-Distributor Bookrix. Zum Start des Sponsoring hat Bookrix-Chef Gunnar Siewert im Interview einige Fragen beantwortet.

Was ist derzeit das größte Problem, vor dem das Self-Publishing steht?

Hier könnte man jetzt die üblichen Verdächtigen nennen. Es werden zu viele Bücher veröffentlicht, die Qualität stimmt oft nicht, dem Self-Publishing hängt noch immer der Ruf der Amateurhaftigkeit nach. Aber ich denke, das trifft es nicht.
Es geht beim Self-Publishing immer um den einzelnen Autor und da sind die großen Probleme immer die gleichen:

  1. Wie schreibe ich ein gutes Buch?
  2. Was muss ich durch Coverdesign, Korrektorat und Lektorat an Vorarbeit leisten, damit das Gesamtbild meines Werkes stimmt?
  3. Wie kriege ich mein Buch sichtbar, welche Mittel stehen mir zur Verfügung und wie nutze ich dafür das Internet?

Was ist der schlimmste Fehler, den ein Autor begehen kann – und wie vermeidet man ihn?

Ganz einfach! Der größte Fehler ist gedankenlos draufloszuschreiben, das Cover selbst zu machen, den Klappentext schnell beim Hochladen des Buches zusammenzubasteln und das Korrektorat vom besten Freund oder der besten Freundin erledigen zu lassen, aber das hast Du bereits sehr schön in deinem Artikel zusammengefasst.

Vermeiden kann man diese Fehler relativ einfach, indem man sich für diese Bereiche professionelle Hilfe holt. Die kann was kosten, aber wenn man die Ambitionen hat, ein hochwertiges Produkt und tolles Leseerlebnis zu veröffentlichen, dann ist das unumgänglich. Self-Publishing beinhaltet nun mal mehr, als nur einen netten Text zu schreiben, aber viele Autoren haben das ja bereits erkannt.

Wie wichtig wird das gedruckte Buch in Zukunft für Self-Publisher sein?

Als Ergänzung zum eBook ist das Anbieten eines Printbuches schon wichtig, da es bis zu einem gewissen Grad Professionalisierung vermittelt und eine Verbindung zum klassischen Verlagswesen bildet. Allerdings wird aus meiner Sicht der Buchmarkt aufgrund seiner Strukturen und Kapazitäten, die eher ab- als aufgebaut werden, eine Domäne der großen Verlage und Vermarkter bleiben.

Wie siehst du das Thema eBook-Flatrate? Ein Muss für Autoren?

Die Frage ist nicht, ob es ein Muss für Autoren ist, sondern was der Leser in Zukunft erwartet.

Auf den Autor bezogen steht ganz klar die Frage im Vordergrund: Wie kann er solche Modelle nutzen, um seine Bekanntheit zu steigern? Ich denke, die Entscheidung ist sehr situativ und sollte auf keinen Fall resolut nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“ getroffen werden.

Welche Rolle spielt ein Distributor wie BookRix in der Selfpublishing-Landschaft – und wie wird sich das ändern?

Wir sehen BookRix nicht mehr nur als reinen Distributor. In meiner Definition sind wir ein eBook-Vermarkter mit Kompetenzen, von denen die Autoren profitieren und so die Vermarktung ihrer eBooks optimieren können. Wir nehmen damit immer mehr die Rolle des Beraters, Vermittlers und Vermarkters ein. Ich denke, diese Entwicklung wird sich auch weiterziehen und Distributoren, die lediglich eBooks ausliefern und ihre Autoren nicht weiter unterstützen, werden dabei vermutlich auf der Strecke bleiben.

Was macht BookRix in der Selfpublishing-Landschaft besonders?

Genau das! Wir verstehen uns schon sehr lange mehr als Partner für unsere Self-Publisher denn als Distributor und legen unseren Fokus stark auf eine optimale Betreuung unserer Autoren und auf das Online-Marketing. Das zeigen auch immer wieder die verschiedenen Umfrageergebnisse und das ist auch ein klares Alleinstellungsmerkmal von uns. Produkt- und Sales-Management, Online-Marketing sowie Metadaten- und Visibility-Management sind unsere Kernkompetenzen. In diesen Bereichen konnten wir uns durch über 11.000 Veröffentlichungen in den letzten vier Jahren enormes Wissen aneignen, das jetzt unseren Autoren zugutekommt.

Speziell was das Online-Knowhow angeht, haben es die Autoren aus meiner Sicht ohne Hilfe schwer, wenn sie noch nicht eine gewisse Menge an eBooks veröffentlicht haben. Dann fehlen ihnen die Vergleichsmöglichkeiten und auch der tiefere Einblick in die Spielregeln des Onlinemarkes. Wir setzen uns tagtäglich damit auseinander, kennen die Strukturen und Mechanismen.

Was bedeutet es für eure Nutzer, dass da ein Verlag im Hintergrund steht?

Der kontinuierliche Austausch und die enge Zusammenarbeit mit einem klassischen Verlag sind für uns enorm wichtig. Wir profitieren dabei von dem Wissen der Profis von Bastei Lübbe, was das Verlagswesen angeht. Kombiniert man das mit unserer Erfahrung im Online-Marketing, hat man einfach das Beste aus beiden Welten.

Das bedeutet konkret für unsere Nutzer, dass sich unsere Arbeit und unser Service stetig verbessern und wir unsere Autoren in immer mehr Bereichen professionell unterstützen können.

Zudem haben unsere Self-Publisher durch gemeinsame Projekte von Bastei und BookRix auch immer wieder die Chance, den Verlag auf sich aufmerksam zu machen.

Beispielsweise haben wir diesen Sommer gemeinsam mit Bastei Entertainment den Thriller–Wettbewerb „Hochspannung garantiert“ veranstaltet, bei dem über 50 vielversprechende Beiträge eingereicht wurden. Der Gewinner des Wettbewerbs erhält neben einem Verlagsvertrag, der selbstverständlich ein professionelles Coverdesign und Lektorat beinhaltet, die Aussicht darauf, langfristig mit dem Verlag zusammenzuarbeiten.

Kannst du ein paar Zahlen und Fakten zu BookRix nennen – wie viele User und Veröffentlichungen und welche Erfolge habt ihr hervorgebracht?

BookRix hat momentan 650.000 registrierte Nutzer und ca. 11.000 Titel im Verkauf. Seit Mai waren durchgehend mehr als 50 unserer Titel in den Amazon Top 2000 platziert und bei Apple waren wir mit bis zu fünf Titeln in den Top 20 vertreten. Ein herausragender Erfolg war die wochenlange Nummer eins in den Thalia-Charts, „Millionär zu verschenken“ von Dana Summer!

Zeitweise haben wir dort übrigens 5 Titel in den Top 25, das hat bisher kein anderer Self-Publishing-Anbieter geschafft.

Als wir 2012 angefangen haben Bücher zu verkaufen, hatten wir im ersten Jahr ca. 30.000 Verkäufe. Unsere aktuelle Hochrechnung in 2015 liegt bei ca. 1,9 Millionen. Ich denke, diese Zahlen sprechen für sich, und wir tun alles, um unsere Autoren nach vorne zu bringen, denn ihr Erfolg ist unser Erfolg.

Was versprecht ihr euch davon, die Selfpublisherbibel zu unterstützen?

Ich denke, es ist wichtig, dass es in Form der Selfpublisherbibel und des Self-Publishing-Verbandes, in dem wir auch Mitglied sind, ein aufrichtiges, offenes und ehrliches Medium in Deutschland gibt, welches die Autoren unabhängig von wirtschaftlichen Interessen informiert. Dieser Aspekt ist jede Unterstützung wert.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Comments

  • Der Artikel ist zwar schon mehr als ein Jahr alt, aber ein “Alleinstellungsmerkmal” wird das Angebot von Bookrix sicher auch vor einem Jahr schon nicht gewesen sein. Ich könnte wahrscheinlich etwa ein Dutzend Anbieter auflisten, die in etwa das gleiche Leistungsspektrum abdecken.

    Etwas lustig ist es, wenn Herr Siewert in seiner letzten Antwort davon spricht, die Self-Publisher-Bibel sei ein Medium, das unabhängig von wirtschaftlichen Interessen informiert. Und das in einem Artikel, in dem es darum geht, dass der Interviewte den Interviewer sponsort… Das ist paradox bis absurd. Aber, wie gesagt, auch lustig.

    Viele Grüße,
    Anton Goldberg
    http://www.indieautor.com

    • Die Logik erschließt sich mir nicht. Dann gibt es in Deutschland also keinen unabhängigen, werbefinanzierten Journalismus?

      • Entschuldigung, Sie werfen da etwas durcheinander. Und zwar die Unabhängigkeit des Journalismus und die Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen. Zunächst einmal zielte mein Kommentar lediglich darauf ab, dass die Self-Publisher-Bibel sicher nicht frei ist von wirtschaftlichen Interessen. Wozu sonst Sponsoren, Werbung, Bücherverkauf? Dass dieses (durchaus legitime) wirtschaftliche Interesse dann evtl. Einfluss nehmen könnte auf Form und Qualität bzw. Objektivität (Unabhängigkeit) der Berichterstattung, haben Sie jetzt ins Spiel gebracht. Aber Sie haben natürlich recht: das liegt durchaus nahe. Insbesondere wenn Sponsor und Gesponsorter sich öffentlich unterhalten, wird man wohl kaum besonders kritischen Journalismus erwarten dürfen.

        • Wo ist das Problen, wenn zwei Personen, deren Namen und Funktion (!) der mündige Leser kennt (zumal sie ausdrücklich genannt werden), sich “unterhalten”? Darf kein Journalist mit einer Firma sprechen, die in seinem Medium wirbt?

  • Na, ich hoffe, dass durch die Zusammenarbeit mit Bastei der Distributor “Bookrix” von seinem Image als Hort schreibender Hausfrauen und ach so talentierter Schülerinnen endlich wegkommt, die sich gegenseitig Kommis und Herzchen zuschustern, statt sich durch Kritik zu verbessern, und nicht ahnen, was sie da in ihren Texten so alles verzapfen (von einigen Ausnahmen abgesehen). Wenn ich schon las “verlegt bei Bookrix”, steuerte ich meist das nächste E-Book an.

  • Sorry, wenn ich schmunzeln muss bei der Eingangsfrage:
    Was ist derzeit das größte Problem beim Unsichtbarsein lernen?
    1. Lernen, unsichtbar zu werden.
    2. Kostümentwurf.
    3. PR-Agent finden.
    Also, ehrlich. Hier wird über das Schreiben geredet, als ginge es ums Dachdecken (Nichts gegen Dachdecker. Jeder der ein Haus hat, weiß wie wichtig zuverlässige Handwerker sind).
    Schreiben ist zwar nicht immer und nicht unbedingt eine Kunst, aber es ist ein Handwerk, in dem die besten niemals auslernen.
    Nur weil ich mal im Töpferkurs an der VHS etwas produziert habe, das man mit viel Fantasie als Aschenbecher erkennen kann, kann ich damit noch kein Geschäft eröffnen.
    Und leider gilt das für den größten Teil der Self-Publisher-Branche. Auch Amazon wird irgendwann die Reißleine ziehen. Spätesten dann, wenn die Do-It-Yourself-Schreiben-Kategorien nicht mehr zahlende Lesekunden anlocken sondern abschrecken.
    Die Qualität in den Unter 2,99-kategorien hat in den letzten Monaten wirklich merklich nachgelassen. Privat habe ich das Stöbern dort längst aufgegeben.

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