KFX – das neue Dateiformat bei Amazon. Was Autoren darüber wissen sollten

Kindle-KFX

Seit der Einführung des Kindle Paperwhite 3 sehen eBooks auf dem Amazon-eReader besser aus als je zuvor: mit hervorragendem Schriftbild und sehr guter Silbentrennung macht das Lesen gerade Viellesern mehr Spaß. Inzwischen sind diese neuen Fähigkeiten über das Firmware-Update 5.6.5 auch auf älteren Modellen verfügbar. Also alles prima?

Nicht ganz. Nutzer des eBook-Converters Calibre haben es zuerst festgestellt: Dateien, die bereits das neue Schriftbild enthalten, werden von Calibre nicht mehr korrekt angezeigt. Das liegt daran, dass Amazon hier ein neues Dateiformat verwendet. Nach Mobi (ganz alt) und AZW3 ist nun KFX an der Reihe.

Das Format enthält, wie entsprechende Analysen bei Mobileread zeigen, Bereiche, die den Software-Bastlern Sorgen machen: Auch in nicht kopiergeschützten eBooks sind manche Abschnitte der Datei bei KFX nun kodiert. Der Code ist anscheinend nicht sehr stark – aber was die Kompatibilität zu ePub betrifft, geht der Schritt in die falsche Richtung. Während also bei ePub-eBooks gerade der letzte große deutsche Verlag seinen Verzicht auf DRM beziehungsweise Kopierschutz erklärt hat, schlägt Amazon einen anderen Weg ein.

Was heißt das für Sie als Autorin oder Autor? Es könnte sein, dass in Zukunft vermehrt Leseranfragen auftauchen, in denen sich Ihr Kunde beschwert, dass er oder sie Ihr Buch nicht wie gewünscht öffnen konnte. Es ist ja völlig legal, ein gekauftes, DRM-freies Kindle-eBook in ein ePub umzuwandeln und auf dem Tolino zu lesen. Nur funktioniert das derzeit nicht korrekt. Als Tipp geben Sie Ihrem Leser oder Ihrer Leserin am besten, das eBook entweder per USB herunterzuladen oder mit der Kindle-App. In beiden Fällen liefert Amazon noch die alte Version aus.

Einen Nachteil haben Sie auch, wenn Sie selbst erstellte Kindle-Dateien an Ihre Leser mailen: Bis dato ist es als Autor nicht möglich, KFX-Dateien mit dem verbesserten Schriftbild zu erstellen. Das dürfte übrigens auch externe Shops betreffen, die Kindle-eBooks verkaufen (etwa Beam Online).

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

3 Kommentare

  1. Lieber Herr Matting,
    dass die Konvertierung eines DRM-freien E-Books vom einen in das andere Format (egal, von wo nach wo) legal ist, darauf kommt man noch von selbst.

    Aber bislang gibt es keine verbindliche Aussage darüber, wie es bei der Umwandlung von E-Books mit weichem DRM aussieht. Konkret: Kauft man demnächst ein ePub mit weichem DRM bei Thalia, Kobo oder beim Buchhändler vor Ort, darf man es dann in azw3 oder mobi umwandeln, um es auf einem Kindle lesen zu können?

    Wenn ja, wäre das sensationell, und Amazon müsste sich dringend Gedanken machen.

    Könnnen Sie das bei den Verlagen nicht mal erfragen?

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