Log.os: Ein Blick auf die Betaversion des “Betriebssystems für Bücher”

Liegt die Zukunft des Buches zumindest zum Teil im Smartphone (wie Oolipo annimmt) – oder doch eher im Browser (wovon Sobooks ausgeht)? Oder braucht das Ökosystem Buch gleich einen ganz neuen Unterbau? Das ist die Idee hinter Log.os, das seit der Frankfurter Buchmesse eine frühe Betaversion freigeschaltet hat. Ich durfte einen Blick darauf werfen.

Zu sehen ist derzeit allerdings nur ein Teil des Systems. Bei einem Betriebssystem, und das will Log.os ja sein, würde man ihn Desktop nennen: Das Fenster zur Welt, über das der Nutzer (der Leser) auf die Intelligenz im Inneren zugreift. Zumindest bei diesem Teil hat Log.os das Rad nicht neu erfunden. Oder positiv formuliert: Die Log.os-Oberfläche erfüllt die Erwartungen des Lesers und holt ihn dort ab, wohin er sich günstigstenfalls schon auf den Weg gemacht hat, nämlich beim digitalen Lesen von Büchern im Browser.

Das sieht hier nicht großartig anders aus als bei Sobooks: Ich blättere nach links und rechts durch die Kapitel und lese, indem ich nach unten scrolle. Der Blättermodus zum Lesen, den ich bevorzuge, soll demnächst folgen. Derzeit kann ich die Typografie noch nicht beeinflussen. Durch Klick auf Wörter oder Sätze kann ich kommentieren. Meine Kommentare erscheinen dann sowohl im Buch (was derzeit nicht funktioniert) als auch in meiner Timeline. Andere Nutzer können mir über diese Timeline antworten (oder auch im Buch).

Meine Bücher liegen in der Bücherei. Später soll ich sie dort auch kaufen können. Ich kann Favoriten zusammenstellen und Sammlungen. An dieser Stelle könnte es später dann interessant werden: Wenn ich diese Sammlungen auch weitergeben kann und dann über ein Affiliate-Programm am Verkauf beteiligt werde (wie ich es in Log.os-Plänen gelesen habe). Insgesamt ist von der Vision des Projekts noch nicht zu viel zu sehen. Das ändert sich voraussichtlich zur Leipziger Buchmesse im März, wenn auch die Apps bereit sein sollen. Bis dahin kann man den Programmierern nur viel Erfolg wünschen.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Kommentare

  1. Ich glaube, Raketenabschussrampe trifft es als Bild schon sehr gut 😉

    Insbesondere, da es deutlich macht, dass wir noch ganz am Anfang stehen – nicht umsonst sind wir mit einer geschlossenen Beta gestartet, um zunächst die Grundfunktionalitäten zu testen: d.h. anmelden, anderen Nutzern folgen und kommentieren. Und natürlich sollte die Synchronisation der Kommentarspalte im Buch mit der Timeline der Nutzer funktionieren.

    In den kommenden Monaten folgen die Katalog-Integration, eine Bezahlfunktion sowie die Möglichkeit, neben normalen Nutzerprofilen so genannte »Hubs« anzulegen, die dann von mehreren Nutzern verwaltet und bespielt werden können.

    Im Kern wird log.os von den Funktionalitäten her eine Mischung aus sozialem Netzwerk, Reader-Technologie und Shop / Marktplatz sein.

    Von da aus werden wir uns dann Stück für Stück weiter voranrobben, bis wir eines schönen Tages dann hoffentlich unsere Vision eines »Betriebs(wirtschaftlichen) Systems für Bücher« wahr werden lassen können.

    Denn selbstverständlich werden wir all das, was wir und vorgenommen und auf die Fahnen geschrieben haben, nicht von heute auf morgen schaffen. Insofern ist uns wichtig, zwischen Start und Ziel zu unterscheiden. Noch stehen wir ganz am Anfang. Und selbst Amazon hat 20 Jahre gebraucht bis sie dort waren, wo sie heute sind 😉

  2. Die haben doch schon im letzten Jahr so Riesen-Tam-Tam gemacht, das ihr Projekt das beste sei seid geschnitten Brot erfunden wurde. Ich habe bei einem 10-Minütigen Vortrag nicht verstanden, worum es geht: Leseportal, Social-Media-Aufguss No. 100, E-Book-Cloud, Raketenabschussrampe?
    Aber auf jeden Fall war der Vortragende sehr engagiert und hatte was Missionarisches an sich. Daher befiel mich das Gefühl, dass ich einfach nur zu doof war, das zu verstehen und ich es eigentlich sofort gut finden würde, wenn …
    Tja, wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wäre. Ich lehne mich mal gaaaaaaaz weit aus dem Fenster und behaupte, nein, lege mich fest: Das interessiert keine Sau im Dorf.

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