Neues eBook-Preismodell: OpenBooks.com erlaubt flexible Bezahlung

openbook

Ein interessantes Veröffentlichungsmodell bietet die Website Openbooks.com, die seit kurzem im Betastadium zugänglich ist. Beginnen wir mit der Lesersicht: Mir gefällt ein eBook? Dann lade ich es einfach herunter. Ein Klick auf “Download” reicht, ich muss mich nicht einmal anmelden.

Das eBook landet gezippt auf meiner Festplatte; im Archiv verbergen sich ePub-, Mobi- und PDF-Version des Titels, natürlich alle ohne Kopierschutz (DRM). Diese Datei darf ich auch an all meine Bekannten und Freunde weitergeben. Ich öffne das eBook auf meinem Reader oder in meiner Lese-App. Ein Text erklärt mir das Prinzip: Ich kann gleich loslesen – oder auch erst einmal bezahlen. Ich lese lieber; am Ende des Buches gibt es einen weiteren Bezahl-Link.

Jetzt, da ich den Wert des Buches für mich richtig einschätzen kann, klicke ich auf “Pay now”. Die Buch-Website zeigt mir, welchen Preis der Autor vorschlägt. Ich kann aber auch jeden anderen Betrag eingeben. Darunter finde ich dann stets ausgerechnet, welcher Teil des Betrags an Autor und Plattform sowie an Paypal gehen. Ich bezahle etwas mehr als vorgeschlagen; dieses Trinkgeld hat sich der Autor verdient.

Als Autor sieht die Nutzung ebenso einfach aus: ePub oder Word-Dokument hochladen, Beschreibung eingeben, Kategorien auswählen, Preisvorschlag machen, fertig. Bezahlt werde ich per Paypal. Ich erhalte 70 Prozent der Nettoeinnahmen (also nach Abzug der Paypal-Gebühr).

Ein interessantes Modell also. Leider passt es nicht zur deutschen Preisbindung. Das Preisbindungsgesetz erfordert einen festen Preis. Wer allerdings auf den US- oder britischen Markt schielt, kann das Modell ja mal testen.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

12 Kommentare

  1. Ich werde dieses Preismodell mal meinem Bäcker um die Ecke vorschlagen. Vielleicht ist das ja was für ihn.
    Auf jeden Fall würden wir hier alle immer satt werden.
    Der Bäcker und seine Familie auch? *grübel*

  2. Thanks for all the concerns, great comments and excellent write-up!

    I'm CTO at OpenBooks.com and excuse me writing in English, I have not been actively using German for 7 years – but I still can read you guys pretty well. I'd like to clarify and comment on two things mentioned in the comments:

    First of all, when you think of the model, even if it's easy to do this comparison – try to avoid physical goods. This model, in this form is obviously not a choice for physical goods where there are involved real materials, labour, manufacture, logistics and so on. Focus on digital goods, goods that involve less people to create, manufacture and distribute (in case of books, sometimes this means only one).

    Second of all, as already mentioned, let's not underestimate the people. In my opinion a lot of the problems with this model is based on fear and current paradigms – "sharing is stealing", "copying is cheating", "people are thiefs". From the readers/users there are thoughts like "this is crap", "i won't pay because i don't want to feel let down", "i dont have the money to buy low quality stuff" etc. And we say: okay, focus on the quality and let users decide – in the long-term, good quality and open approach will prevail – there are already a lot of people interested in this and similar ideas, and their numbers grow.

    1. Hi Tomasz, thanks for your thoughts. The main problem for german authors might not be trust or distrust in your model but the basic fact that we cannot use it at all because of fixed price laws. It would help if you could include the possibility to restrict sales rights to certain countries (as Amazon or iTunes do it) so we can simply exclude Germany. There still are quite a few authors that cater for foreign markets too.

  3. Thomas Knip, did you download "tons of material" from OpenBooks.com or you only "would do so"? You are welcome to use our service (access to beta version: http://b.openbooks.com) right away and test the experience. I wonder about your actual decisions and actions. The fact that you download the content does not cost anyone too much. It doesn't do any harm. If having it at your own hard drive instead of at our servers is suitable for you – go for it. If it increases the probability payment for the author – even better. People are free to make their choices. They do what is right whether you claim it legal or not. Why not legalize what people really want to do since it doesn't harm anyone? OpenBooks.com transaction model is profitable for the authors, no matter haw many ebooks you download at once. The profit comes from satisfied readers who WANT to pay and CAN do it with ease. You only need enough of them to reward the author's effort. Payment for each single downloaded copy is not really a must since it does not generate any significant variable cost – unlike with hard copy books distribution which still remains an inspiration/benchmark for the whole current publishing system making it totally outdated.

    http://translate.google.com/translate?u=https://www.selfpublisherbibel.de&langpair=de|en

  4. Thomas Knip, did you download "tons of material" from OpenBooks.com or you only "would do so"? You are welcome to use our service (access to beta version: http://b.openbooks.com) right away and test the experience. I wonder about your actual decisions and actions. The fact that you download the content does not cost anyone too much. It doesn't do any harm. If having it at your own hard drive instead of at our servers is suitable for you – go for it. If it increases the probability payment for the author – even better. People are free to make their choices. They do what is right whether you claim it legal or not. Why not legalize what people really want to do since it doesn't harm anyone? OpenBooks.com transaction model is profitable for the authors, no matter haw many ebooks you download at once. The profit comes from satisfied readers who WANT to pay and CAN do it with ease. You only need enough of them to reward the author's effort. Payment for each single downloaded copy is not really a must since it does not generate any significant variable cost – unlike with hard copy books distribution which still remains an inspiration/benchmark for the whole current publishing system making it totally outdated.

    http://translate.google.com/translate?u=https://www.selfpublisherbibel.de&langpair=de|en

  5. Wegen der Buchpreisbindung habe ich beim Bundestag eine Petition eingereicht, dass das BuchPrG dahingehend geändert wird, dass es nur für Bücher MIT ISBN gilt.
    Das halte ich für einen fairen Kompromiss, ich kann mich also entweder für eine Vermarktung in den Buchläden entscheiden, oder für einen Vertrieb via Netz oder direkt (Im Buchhandel habe ich ohnehin nie viele Bücher abgesetzt, das meiste an eBooks kam über Amazon). Kann ja trotzdem noch Amazon und Co. beliefern, solange ich keine ISBN habe, wäre ich dann nicht an das BuchPrG gebunden.

  6. Sehe ich nicht so, Hans. Ich denke mal, dass es viel mehr anständige Menschen gibt, als man aufgrund der schlechten Nachrichten allerorts vermuten würde. Ich denke mal, dass bei diesem Modell für einige Autoren im Durchschnitt durchaus mehr rausspringen wird, als beim herkömmlichen Modell.

    Danke, Matthias, für den interessanten Artikel. Schade, dass mein Thriller bislang nicht ins Englische übersetzt worden ist. Ich würde es glatt probieren wollen. Hängt sicher auch mit dem Menschenbild zusammen, das man hat.

    LG
    Uwe Alexi

    1. Hallo Uwe,

      >>Schade, dass mein Thriller bislang nicht ins Englische übersetzt worden ist. Ich würde es glatt probieren wollen. Hängt sicher auch mit dem Menschenbild zusammen, das man hat.<<

      ich kann und will hier keine Selbstwerbung machen, aber deine an Matthias gerichtete Bemerkung lässt mich die kurz antworten. Worum geht es denn in deinem Thriller? Willst du gezielt auf den U.S. Markt damit? Ich weiß ja nicht ob der Inhalt auf den U.S. Markt zugeschnitten ist, aber vielleicht kann ich dir ja helfen.

      Gehe doch mal zu meiner Webseite und lese dort über mich und meine U.S. Vergangenheit nach. Falls du willst, sende mir einfach mal eine Email. Die Adresse findest du unter 'Contact'.

      – Hans

  7. Ganz im Ernst? Da würde ich mir tonnenweise Material herunterladen und vielleicht irgendwann mal lesen. Und dann wohl auch bezahlen. Irgendwann mal. Man sollte als Autor also nicht die Luft anhalten und auf sein Geld warten … – zudem 70 % nach Abzug Gebühren so pralle nicht ist. Die erhält man bei jedem Wald-und-Wiesen-Distributor.

  8. Das Prinzip klingt zwar einfach und umkompliziert, Matthias, aber … die Komplikation die ich das sehe liegt in der Bezahlung. Ich spreche nicht von der Zahlungsweise sondern von der Bezahlung als solche.

    Das grundsätzliche Prinzip ist hier also, erst die Ware [frei] benutzen und dann kaufen. Ich kann mich schon in einem Laden sehen, ein paar Jeans auswählen und der Verkäuferin sagen dass ich die Jeans erst mal mit nach Hause nehme, eine Weile trage und dann wiederkomme um zu bezahlen falls mir die Hosen gefallen. 🙂

    Spass beiseite, wen ich dass richtig sehe, dann braucht der Leser überhaupt nicht zu bezahlen. Das Buch hat er doch schon gelesen. Weshalb also noch bezahlen? In unserer –leider nicht perfekten Welt– kann der Autor dann seine Bücher auch gleich verschenken.

    Hans

Kommentare sind geschlossen.