Self Publishing in Deutschland: Wie Autorinnen und Autoren die Zukunft sehen

In Punkt 49 der Self-Publishing-Umfrage haben wir nach der persönlichen Einschätzung des Teilnehmers / der Teilnehmerin gefragt: “Wo sehen Sie sich selbst als Autor und das Self Publishing insgesamt in fünf Jahren?” Die Antworten waren teilweise so spannend, dass wir im Folgenden Auszüge daraus zitieren. Um die Anonymität der Teilnehmer zu wahren, mussten wir einige Antworten kürzen beziehungsweise weglassen.

  • Ich sehe mich nach wie vor als Hybridautor (Verlage + Selfpublishing), weil man sich als Autor im Selfpublishing besser selbst verwirklichen kann und auch Dinge veröffentlichen kann, die für Verlage nicht vermarktungsfähig genug sind.
  • Ich sehe mich auch in 5 Jahren noch als Hybridautorin. Self Publishing wird sich in fünf Jahren deutlich professionalisiert haben, selbstpublizierte Bücher sind in der öffentlichen Wahrnehmung gleichberechtigt neben Verlagspublikationen.
  • Als Autor werde ich mich in fünf Jahren in meinem Genre etabliert haben und aus meiner Tätigkeit als Selfpublisher einen Erlös erzielen, der einen großen Teil meines Gesamteinkommens ausmacht.
  • In fünf Jahren möchte ich weiterhin größtenteils als Self Publisher mein Geld verdienen. Anspruchsvollere Bücher würde ich jedoch am liebsten über einen renommierten Verlag veröffentlichen. Die Gewichtung Self Publishing : Verlag sehe ich zukünftig bei 70 : 30 für mich – bestenfalls.
  • Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich rasant weiter. eBooks werden zu Vorboten des multimedialen, digitalen Lesegenusses. Lesen wird künftig auch eine Schnittstelle ins Netz oder Internet der Dinge bieten. Bei neuen Projekten werde ich Video, Bilder und Sounds gleich in der Konzeption einplanen.
  • Ich werde als Autor gut bis sehr gut von meinen Einnahmen leben können (ich könnte es heute schon). Meine Agentur wird sich um die Vermittlung meiner Self-Published-Ebooks für den Printbereich kümmern.
  • Verlage und Indies werden vermehrt zusammenarbeiten, wobei der (erfolgreiche) Autor wert darauf legen wird, die deutschen E-Book-Rechte zu behalten – das Einkommen ist einfach zu gut, um die Rechte abzugeben – und den Verlagen nur die Printrechte abzutreten.
  • Insgesamt wird SP sicher einen Teil des Marktes aufmischen, und es ist sicher gut, die armen DKZV-Opfer und Abgezockten der Vanity-Verlage hinüber in das Ebooksegment zu holen. Jedoch braucht es für die Zukunft neue Begleitinstrumente: “Ebook-Agenten” die aus dem Wust des Schrotts die Guten heraus fischen. Ein Qualitätsanspruch der Indie/SP-AutorInnen selbst, dass sie nicht an Eitelkeit und Selbstverwirklichung zuerst denken dürfen, sondern an die Geschichte, an den Leser. Zu schreiben ist mehr Dienstleistung als Kunst.
  • Ich sehe mich in fünf Jahren neue Wege jenseits des klassischen Buchmarktes gehen, der immer ein 1-zu-10-Markt sein wird. Auf ein gut verkauftes Buch, ob Ebook, SP oder durch die Qualitätsinstanzen von Agentur, Verlag und Buchhandel gegangen, kommen neun bis zehn Flops, die bei 3000 verkauften Stück gründeln. Diesem Risikomarkt etwas Kluges entgegen zu setzen, das ist die Aufgabe jedes freien, selbständigen Autoren, der hauptberuflich publiziert.
  • Gelesen wird immer, und die junge Generation wird mehr am Monitor lesen. Es wird immer Lesende geben, die sich mit unkomplizierten Texten und leichten Themen wohler fühlen, und andere, für die es mehr Gewicht sein darf. Das Trägermedium ist davon weitesgehend unabhängig. Auf den Inhalt kommt es an. Immer. Alles andere mögen Köder sein, aber der Inhalt ist der Haken.
  • Mein Ziel ist es, in 5 Jahren nicht mehr ausschließlich Self-Publisher zu sein, sondern ebenfalls bei Verlagen zu veröffentlichen.
  • Weiterhin möchte ich mir aussuchen könnnen, wo ich etwas veröffentliche, entweder bei Großverlagen oder selbst, je nachdem, wo ich bessere Konditionen für mich sehe.
  • Mit verschiedenen Pseudonymen ein kleines passives Einkommen.
  • Ich werde in Deutschland bekannt sein und das Self Publishing wird sich als “normal” etabliert haben.
  • Ich habe als Autor die Möglichkeit, meine Rente auszubessern und das kann ich machen, bis mir der Griffel aus der Hand fällt, oder Mr. Alzheimer zuschlägt.
  • Ich hoffe und glaube, dass Self Publishing zunehmen wird und das insbesondere zum Vorteil der Leser. Bislang war es so, dass Leser lesen durften, was Verlage druckten, was die großen Buchketten für lesenswert erachteten und auf die Ladentische brachten. Wenn die Verlage heute behaupten, Self Publishing sei vorwiegend Schrott, dann sollten sie mal einen Blick in ihre eigene Bücher der letzten 20 Jahre werfen. Leser begreifen das immer mehr, ich sehe es an meinen Zahlen. Das wird zwangsläufig bald zu einer mindestens 50/50-Verteilung Verlag/Self Publisher führen.
  • Selfpublishing wird sich etablieren, die “Schubladenromane”, die bisher keiner haben wollte, werden alle veröffentlicht sein und der Markt wird nicht mehr ganz so sehr überschwemmt, die Qualität der Bücher wird steigen, da viele, die mal eben schnell was auf den Markt bringen, auf die Nase fallen – nichts verdienen – und das wird sich rumsprechen. Übrig bleiben die, die aus Leidenschaft schreiben und zumindest überwiegend können. Amazon veröffentlicht keine Bücher mehr, die allzuviele Fehler enthalten, auch dadurch wird die Flut eingedämmt.
  • Self Publishing wird sich in fünf Jahren in der Buchbranche neben Verlagen etabliert haben. Unter den Self Publishern wird es eine Struktur wie unter Verlagsautoren geben: wenige, die sehr viel verdienen, eine gut aufgestellte Midlist-Sektion, und dann sehr viele, die nie davon leben werden.
  • In fünf Jahren möchte ich eine Verlagsveröffentlichung haben und einen Teil meines Auskommens durch das Schreiben sichern können.
  • Ich denke, es wird darauf hinauslaufen, dass sich ein paar wirklich gute Indies am Markt etablieren können. Die meisten werden untergehen, da sie von der Schwemme schlecht recherchierter und lektorierter Bücher überdeckt werden. Wer keine richtige Werbestrategie hat oder keine Zeit, sich ausreichend darum zu kümmern, wird nicht wirklich Fuß fassen können. Außerdem werden die Verlage versuchen, Einfluss auf die Shops zu nehmen, damit ihre Marktanteile erhalten bleiben.
  • Ich denke mal, es wird noch ein oder zwei Jahre halbwegs gut für SP laufen, dann ist der Boom wieder vorbei.
  • Ich schreibe seit über 20 Jahren und veröffentliche seit rund 10 Jahren. Self Publishing nutze ich seit 1 1/2 Jahren. Ich bin mir sicher, dass ich schreiben werde, bis ich neben dem PC umfalle und erwarte von mir selbst, mich als Autor stetig weiter zu entwickeln. SP hat mir Möglichkeiten eröffnet, von denen ich zuvor nicht einmal zu träumen gewagt hätte, durchaus auch finanziell. Ob das mein Weg bleiben wird, weiß ich nicht. Ich werde mich an den Markt anpassen, wie es eben kommt.
  • Als Autorin werde ich mich etabliert haben und meine Bücher nicht mehr nur als E-Books, sondern auch im Print über Buchhandlungen vertreiben. Das Self-Publishing wird sein Schmuddelimage verlieren durch gesteigerte Professionalität der Autoren. Ihre Vernetzung untereinander und mit anderen Buchmachern wird es möglich machen, dass SP-E-Books und -Printbücher künftig auf Augenhöhe gehandelt werden. Verlagsautoren erkennen die Freiheiten, die ihnen das Self-Publishing bietet. Der Buchmarkt wird offener für neue Gestaltungsmöglichkeiten und Publikationsformen. Der klassische Verlag mit seiner bisher noch ausgeübten Macht wird es schwerer haben, den Autoren schlechte Bedingungen aufzuzwingen.
  • Bestsellerautor.
  • Ich habe dann viele E-Books und noch ein paar weitere “echte” Bücher veröffentlicht. Ich hoffe, dass sich die Märkte gegenseitig stärken und jedes Medium seine Vorteile nutzt. Ein Roman muss sich z.B. nicht aktualisieren können, ein Sachbuch dagegen schon.
  • Ich hoffe, bis dahin einen Schritt gemacht zu haben, mein zweites, vielleich drittes, Buch veröffentlicht zu haben und damit vielleicht auch Geld zu verdienen.
  • In fünf Jahren sehe ich mich mit einem festen Leserstamm ein halbwegs geregeltes Einkommen mit dem, was ich gerne mache, erzielen: Schreiben. Vermutlich werde ich immer mal wieder etwas selbst publizieren, aber auch Verlagsarbeit nicht ablehnend gegenüberstehen.
  • Ich möchte mit meiner Reihe so erfolgreich sein, dass ich unter anderem auch bei einem großen Verlag veröffentlichen kann. Ich möchte aber auch immer noch Projekte selbst herausbringen, wenn der Verlag mir keine zufriedenstellenden Konditionen anbietet.
  • In 5 Jahren werde ich hauptberuflich nur noch schreiben und dies nicht mehr als Hobby betreiben.
  • Ich werde hoffentlich mein Buch veröffentlicht haben.
  • Ich möchte meine “große” Fantasytrilogie bei einem Verlag untergebracht haben. Außerdem mehrere Sammelbände an Kurzgeschichten via Selfpublishing vermarktet, sowie Novellen veröffentlicht haben.
  • Das Self Publishing, denke ich, wird weiter ausgereift sein, vor allem das Korrektorat und Lektorat (sollte günstiger angeboten werden, auch vom Anbieter evtl. direkt.)
  • Selfpublishing von Büchern ist nicht mein Hauptgeschäft, sondern eine von vielen Möglichkeiten, als Journalist meine Arbeit und meinen recherchierten Content als Verdienstquelle zu nutzen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass eBooks in Jahren für mich eine deutlich größere Bedeutung haben werden als derzeit.

(wird fortgesetzt)

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.