Sieben Fragen, die Selfpublisher nicht (mehr) stellen sollten

 

Wer mich kennt, der weiß: Ich antworte immer sehr bereitwillig auf Fragen und freue mich, mein Wissen weiterzugeben. Denn ich glaube, dass wir alle von einem professionellen Herangehen der Autoren an das Thema Selfpublishing profitieren. Aber es gibt ein paar Fragen, da fällt es mir schwer, noch ausführliche Antworten zu geben.

Deshalb hier meine persönliche Hitliste der Fragen, die Selfpublisher mit professionellem Anspruch besser nicht mehr stellen sollten. Wer sich dabei ertappt, die Antwort nicht zu kennen, dem liefere ich sie darunter nach. Extra-Tipp: erstmal darauf klicken… Und klar: wer nur für sich selbst schreibt, darf alles.

Brauche ich wirklich ein Lektorat?

Ja.

Aber das Cover für mein E-Book, das kann ich doch selbst gestalten?

Nein (es sei denn, Sie sind selbst Grafiker/in).

Wann soll ich mein Buch veröffentlichen?

Wenn es fertig ist.

Bei Amazon, habe ich gehört, bekomme ich nur dann 70 Prozent Honorar, wenn ich mein E-Book dort exklusiv anbiete?

Falsch gehört 🙂

Darf ich … in meinem Buch verwenden?

Aber klar – wenn Sie gefragt und eine Genehmigung erhalten haben (es sei denn, der Autor ist schon 70 Jahre tot).

Muss ich meine Einnahmen aus den E-Books versteuern?

Ja (wie jede Einnahme).

Meine Arbeit ist doch viel mehr wert als 2,99 Euro?

Der Preis eines Produkts bestimmt sich über Angebot und Nachfrage, nicht über den zur Herstellung nötigen Aufwand.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

13 Kommentare

      1. Ich hatte unlängst einen SP-ler am Hals, der wollte Schritt für Schritt das Einstellen eines E-Books bei KDP per PN erklärt haben – als ich ihm sagte, das könne er für ein paar Cent in meinem Ratgeber nachlesen, meinte er entsetzt, das Buch müsse er dann ja lesen … (und das ist jetzt kein Aprilscherz)

  1. Vielleicht sollte man einige Gedanken dieses Beitrages differenzierter sehen. Ein Lektorat wird auf jeden Fall weit über 1000 Euro kosten. Bezahle ich dazu noch einen Grafiker für das Cover, dann müsste ich schon sehr erfolgreich sein, um für den deutschen Mindestlohn gearbeitet zu haben. Mit diesen Kosten muss ich mindestens 1000 – 2000 Bücher verkaufen, um keine Verluste zu machen. Verkaufe ich E-Books und habe ein diesem Medium affines Publikum, dann kann die Rechnung aufgehen. Ansonsten bräuchte ich für die Werbung noch eine professionelle Agentur. Bleiben Foren und Blogs. Aber mal ehrlich: In den Foren und Blogs, in denen wir wirklich Werbung machen können, da treibt sich nur unsereins herum – und wir kaufen uns doch nicht gegenseitig die Bücher ab, oder? Meine Adressaten gehören der Generation 50+ an und nutzen vergleichsweise wenig das E-Book. Selbstverlegte Romane aber finden NICHT den Weg auf den Büchertisch der Buchhandlungen. Ausnahmen bestätigen die Regel, sie widerlegen sie nicht. Die Hoffnung des Selfpublishers mit einem eher medienkonservativen Adressatenkreis kann deshalb nur sein, einen konventionellen Verlag zu finden und der würde das Cover und das Lektorat vermutlich ohnedies neu gestalten. Will ich mir aber nur auf die Schulter klopfen, was ich für ein tolles Buch abgeliefert habe und damit die literaturkundige Tante Emma beeindrucken, dann lohnt sich sowohl Lektorat als auch die professionelle Covergestaltung.

    1. Lieber Peter Hakenjos,

      wenn eine Frage („Brauche ich wirklich ein Lektorat?“) einsilbig beantwortet wird („Ja!“), dann kommt die Antwort entweder ex kathedra, oder sie ist ein Dogma, oder man entspannt sich und sagt: „Na gut, ganz so ernst wird es wohl nicht sein!“

      Matthias Matting will (so verstehe ich diesen Beitrag) seinem Unmut Luft verschaffen, dass die immerselben Fragen zum Self-Publishing gestellt und mit den immerselben Antworten beleuchtet werden. Ein schönes Beispiel dafür liefert dein Beitrag: Du wiederholst nur, was an anderen Stellen immer und auf jeden Fall auftaucht als Antwort. Und genau das ist es, was Überdruss bereitet und wogegen Mattings Beitrag polemisiert.

      1. Liebe Frau Fuchs,
        ich kenne diesen Überdruss. Aber gehört dazu nicht auch die ewige Forderung , als Selfpublisher einen Lektor und eine professionelle Covergestaltung zu brauchen, selbst wenn diese mit nur einem Wort gestellt wird?

        Noch überdrüssiger bin ich der Forderung, die süßen roten Linien unter den Wörtern beim Editor nicht ganz zu ignorieren und auch hin und wieder ein paar Kommata über einen Text zu werfen.

        Aber lassen Sie mich das in aller Deutlichkeit sagen: Dennoch war dieser Blogbeitrag wertvoll! Zur großen Gemeinde der Selfpublisher stoßen jeden Tag ungezählte Menschen und die teilen Ihren und meinen Überdruss nicht.

        Was mich allenfalls gestört hat – und deshalb habe ich geantwortet: Es stimmt nicht, dass man einen Lektor braucht und es stimmt nicht, dass man eine professionelle Covergestaltung braucht!
        Einigen wir uns auf Folgendes:
        Für eine professionelle Veröffentlichung ist sowohl ein Lektorat als auch eine entsprechende Covergestaltung notwendig. Punkt.

        Für eine Veröffentlichung, um auf sich aufmerksam zu machen oder den Enkeln und Nachbarn Opas Weltkriegserinnerungen nahezubringen, ist beides entbehrlich.
        Wollen wir den letzteren Personenkreis wirklich den sog. Bezahlverlagen zutreiben? Und – auch wenn es ärgerlich ist – auch diese Selfpublisher haben ein recht zu veröffentlichen und sollen es auch tun, ohne ein Vermögen hinzulegen.

        Und mal ernst beiseite: Die armen Lektoren, die Selfpublisher lektorieren müssen, die glauben, mit ihrem Geld einen “freundlichen” Lektor einzukaufen 🙂 Siehe: http://pagewizz.com/warum-ich-nicht-mehr-fuer-selfpublisher-lektoriere/ Also ich verstehe die Lektorin!

Kommentare sind geschlossen.