Was und womit die Top-Self-Publisher in Deutschland verdienen

Basierend auf meinen wöchentlichen Self-Publisher-Charts und einer umfangreichen Auswertung von Smashwords-Gründer Mark Coker für den US-Markt lässt sich überschlagen, was verlagsunabhängige Autoren pro Woche in Deutschland verdienen – und wie sich diese Einnahmen auf die Preisstufen verteilen.

Zunächst meine Annahmen, die natürlich nur grob gelten:

  • Ein eBook auf Platz 1 verkauft pro Tag etwa 500 Stück
  • Ein eBook auf Platz 100 verkauft pro Tag etwa 50 Stück
  • Ein eBook auf Platz 10 verkauft pro Tag etwa 100 Stück
  • Für die Datenübertragung zieht Amazon im Mittel 3 Cent von den Nettoeinnahmen ab

Durch die Ränge dazwischen lässt sich eine Exponentialkurve legen. Ich habe die Funktion Verkäufe pro Tag = 2^(0.09*(100-Salesranking))+50 verwendet. Daraus ergeben sich die oben genannten Fixpunkte.

Der Rest ist nur noch eine Sache von Excel beziehungsweise Google Docs (siehe unten). Die aktuelle Nummer 1 nimmt demnach wöchentlich rund 7000 Euro ein. Die Nummer 2 hingegen nur etwas über 1000 Euro. Woher der große Unterschied? Preis UND Honorarstaffel von Amazon sind Schuld. Man könnte sagen: 99-Cent-Titel lohnen nicht. Jedenfalls nicht, wenn es sich um Einzeltitel handelt, die nicht für eine Serie anfüttern sollen.

Wie verteilen sich die Einnahmen auf die Honorarstufen? Deutschlands Top-Self-Publisher nehmen wöchentlich über Amazon insgesamt 66.000 Euro ein (der Umsatz liegt noch weit höher). Davon gehen 88 Prozent, also 58.000 Euro, an Titel, die mindestens 2,68 Euro kosten, obwohl 18 der derzeit 44 Top-100-eBooks zur 99- oder 199-Cent-Kategorie gehören und die billigeren Titel nach Stückzahlen einen Anteil von 42 Prozent haben. Anders als in den USA sind Preise über 2,99 Euro hierzulande noch selten. Derzeit kosten fünf Top-Titel 3,99 oder 4,99 Euro.

Der Brutto-Umsatz aller Self Publisher unter den Top 100 liegt bei 109.000 Euro. Abzüglich der Umsatzsteuer ergeben sich daraus 43.000 Euro wöchentlicher Einnahmen für Amazon.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Comments

  • Meine Erfahrungen sind etwas anders – vielleicht ist der Markt seitdem deutlich gewachsen, vielleicht liegt das an den tageszeitlichen Schwankungen der Rankings, so dass man nicht eine eindeutige Tagesplatzierung hat.

    Meine Erfahrungen mit Wildnis von Ende Juni 2013 sehen so aus:
    Rang 30 = gut 200 Exemplare/Tag
    Rang 100 = 70 Exemplare/Tag
    Rang 300 = 20 Exemplare/Tag

    Eine Zusatzbemerkung: ich finde es beeindruckend, wie schnell ein Buch runterrasselt, sobald es an Schwung verliert (ohne schlechte Rezensionen oder sonstige "Ereignisse"). Ich hätte erwartet, dass Leserempfehlungen eine größere Rolle spielen und die Verkäufe stabilisieren. Aber anscheinend ist die Sichtbarkeit auf Amazon ausschlaggebend.

    Und noch eine Randbemerkung: die "Nervösität" (alias Dynamik) des Amazon-Rankings ist sicher hilfreich, um als Autor "endteckt" zu werden, aber denkbar ungeeignet als Orientierungshilfe fĂĽr Leser – man sieht nicht, was auf Dauer viel gekauft wird, sondern nur, was gerade in ist.

  • Ich ĂĽberlege jetzt schon eine ganze Weile hin und her, komme aber nicht darauf, was die US-Smashwords-Zahlen mit den deutschen Amazon-Zahlen zu tun haben? Smashwords liefert ja nicht (bzw. sehr ausgewählt) an Amazon, beruft sich also auf Zahlen, die von den anderen Händlern stammen?

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