Weg vom Durchschnitt: Amazon berechnet Punktzahl nun nach Algorithmus

Irgendwann in den letzten Wochen (und ohne große Ankündigung) hat Amazon die in den USA schon seit 2015 übliche Berechnung des Sternchen-Wertes für die Rezensionen nun auch auf dem deutschen Markt umgestellt. Wenn man auf der Buch-Detailseite mit dem Mauszeiger in der Rezensionsabteilung auf den Wert zeigt, erscheint folgende Meldung, die das Verfahren erklärt:

Amazon berechnet die Sternbewertungen eines Produkts mithilfe eines maschinell gelernten Modells anstelle des Durchschnitts der Rohdaten. Das maschinell gelernte Modell berücksichtigt Faktoren wie das Alter einer Bewertung, die Beurteilung der Nützlichkeit durch Kunden und ob die Bewertungen aus geprüften Einkäufen stammen.

Damit stellt die Sternchen-Bewertung nicht wie früher das arithmetische Mittel über alle Kundenbewertungen dar. Stattdessen spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • die Hilfreich-Klicks der anderen Nutzer
  • das Alter einer Rezension
  • ob es sich um verifizierte oder aber nicht verifizierte Käufe handelt

Ein Algorithmus berechnet daraus dann eine Sternchenzahl, die über oder unter der Bewertung nach dem alten System liegen kann. Im Beispiel auf dem Bild oben liegt das arithmetische Mittel zum Beispiel bei 3,85, während Amazon 4,0 von 5 Sternen angibt.

Für Titel in Kindle Unlimited bzw. Prime Reading negativ ist allerdings die Tatsache, dass Bewertungen von darüber ausgeliehenen E-Books nicht als verifizierter Kauf gewertet werden. Sie fließen also weniger stark in die Sternchenwertung ein. Gerade in Genres, in denen sehr viel geliehen wird, ist das dann ein Problem – das allerdings auch die Mitbewerber betrifft.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Kommentare

  1. Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Einige Produkte wurden evtl. nachgebessert, aber das betrifft die wenigsten Artikel. Alte Bewertungen sollten nicht so herabgesetzt werden.
    Also Beispiel: Wir haben einen Artikel mit sieben 5 Sterne Rezensionen – einer 4 Sterne Rezensionen und einer unberechtigten ein Stern Rezension. Rechnerisch eine 4,4 aber der Artikel steht nun bei 4,1. Tendenz fallend. Auf die schlechte Bewertung reagiert Amazon gar nicht, obwohl diese offensichtlich falsch ist.
    Das System hat definitiv noch einige Lücken!

  2. Danke für die Nachricht, das ist gut zu wissen! Einige der Faktoren machen auch Sinn, z.B. verifizierte oder nicht verifizierte Käufe. Aber warum sollte eine ältere Bewertung weniger wert sein als eine neue? Weil der Self Publisher oder der Verlag vielleicht inzwischen die vielen Rechtschreibfehler beseitigt hat? Das ist nicht gerade fair denjenigen gegenüber, die von Anfang an ein Qualitätsprodukt angeboten haben.

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