Amazon-Tipp: Was Sie als Autor/in über Amazon Prime Reading wissen müssen

Seit 2017 gibt es auch bei Amazon Deutschland für Prime-Abonnenten in jedem Quartal ca. 500 E-Books kostenlos . Das neue Angebot wirbelt alle drei Monate die Bestsellerliste kräftig durcheinander. Was bedeutet das für die Zukunft? Hat überhaupt noch eine Chance, wer sein Buch nicht verschenken möchte? Im folgenden ein paar Antworten auf wichtige Fragen.

Wer liest mit Prime Reading?

Alle AbonnentInnen von Amazons Prime-Programm können beliebig viele Titel aus Prime Reading herunterladen. Die E-Books stehen für 90 Tage bereit. Angeblich hatte Amazon in Deutschland vergangenes Jahr etwa 17 Millionen Prime-Nutzerinnen und -Nutzer. Wenn nur jede zehnte davon dann E-Books über Prime Reading laden würde, wären das 1,7 Millionen neue E-Book-LeserInnen. Es wären allerdings definitiv keine Vielleser – die haben bereits KindleUnlimited abonniert.

Wie bekomme ich mein E-Book in Prime Reading?

Es gibt keinen “Bewerbungsprozess”. Amazon fragt, Sie dürfen zustimmen (oder ablehnen). Um in Frage zu kommen, muss Ihr Buch in KDP Select angemeldet sein.

Was zahlt Amazon für Prime-Reading-Titel?

Je nach aktuellem Erfolg eines E-Books zahlt Amazon zwischen 200 und 3000 Euro, in Ausnahmefällen auch mehr. Dabei handelt es sich um eine Pauschale, die für den gesamten Zeitraum gilt. Damit sind alle Lesevorgänge durch Prime-Nutzer abgegolten, die nicht Kindle-Unlimited-Nutzer sind.

Ein interessanter Aspekt: KindleUnlimited-Abonnenten leihen auch Prime-Titel stets über ihre Leseflatrate aus. Ihre gelesenen Seiten werden dann erfasst und berechnet! Ebenso erhalten Sie Tantiemen für Verkäufe wie immer. Sogar die KOLL (Kindle Owners Lending Library) läuft weiter, mit der man pro Monat ein beliebiges KDP-Select-E-Book ausleihen kann.

Wie oft wechseln die Titel?

Das Programm wechselt ungefähr alle 90 Tage.

Welche Vorteile hat Prime Reading für den Autor?

Jede Ausleihe im Rahmen des Programms wird für das Bestseller-Ranking als Verkauf gezählt. Die E-Books sind deshalb in ihren Kategorien besser sichtbar.

Was bedeutet Prime Reading für meine Veröffentlichungsstrategie?

Insbesondere, wenn das Programm wechselt, ist es natürlich schwerer, mit einem neuen Titel sichtbar zu werden. Im Grunde ist es aber egal, wann Sie veröffentlichen. Allerdings wechselt der genaue Zeitraum von Quartal zu Quartal. Ideal wäre es, wenn Sie zum Zeitpunkt X ein Buch in Prime Reading unterbringen und parallel oder kurz danach einen Nachfolgetitel neu starten könnten – dieser würde dann vermutlich profitieren.

Wo sehe ich meine Lesezahlen in Prime Reading?

Nirgends, sie werden Ihnen nicht angezeigt. Sie können sie höchstens anhand des Bestseller-Rangs abschätzen.

Wie wird sich Prime Reading auf meine Verkaufszahlen auswirken?

Wahrscheinlich weniger, als das stetige Ducheinanderwürfeln der Top 100 signalisiert. Das liegt vor allem daran, dass die Auswirkungen des Bestseller-Rankings überschätzt werden. Leser kaufen vor allem nach den Empfehlungen aus den “Kunden kauften auch”-Listen und nach dem Beliebtheitsranking, für das weder KindleUnlimited noch Prime Reading zählen. Die meisten Autorinnen berichten, dass die Verkäufe und die Leihzahlen für Prime-Reading-Titel stabil blieben, dass sich aber die Verkaufszahlen verwandter Titel erhäht hätten.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Comments

  • Mein Tipp: Finger weg!
    Literatur ist keine Rabatt-Ware, die man im Dutzend billiger haben kann. Diese Angebote entwerten das Produkt und schaffen nur eine Billig-Kauf-Mentalität bei den Nachfragern.
    Ich selbst bin daher mit allen meinen Büchern aus diesem Programm ausgestiegen. Rückwirkend hat es sich sowieso nicht gelohnt, da die Einnahmen aus dem Prime-Programm(en – gibt ja mehrere) den Wegfall der Echt-Verkäufe (verglichen mit den Vorjahreszeiträumen) nicht hatte wettmachen können.

  • Danke für diesen Artikel, wie immer am Pulse der Zeit 🙂

    Ein Nachteil des neuen Prime Reading: auch die Plagiate-eBooks nun auf Top-Plätzen. Also auch die Bücher, welche aus kopierten Material aus dem Internet zusammengebastelt wurden. So aktuell z.B. “Low Carb Abendessen” von “Alena Enn”, einem Fake-Autor. Das darf nun auch seriöse Autoren, die bei CreateSpace veröffentlichen, stören. Die Fake-Autoren und Amazon machen kräftig kasse, der Leser ist der dumme, leider.

    Ich meine, dass es einen separaten Chart für Ausleihbücher geben sollte, regulär verkaufte Bücher sollten sich hier nicht vermischen. Durch die neue vermischte Bestsellerliste wird es viele Autoren schwer gemacht, in die jeweilige Top-100 ihrer Kategorie zu gelangen.

    Gruß,

    Carsten Meiselbach (Happy Carb)

    • Ja, es ist schon erstaunlich, wie schmerzfrei man bei KDP ist. Auch nach über einem Jahr sind diese “Autoren” immer noch gut im Geschäft und es wird nicht etwa gelöscht sondern belohnt, wie man an dieser Rezeptkopiererin sehen kann.

  • Der Termin 19.12. könnte sich negativ auf das Weihnachtsgeschäft auswirken. Besonders, wenn man strategisch eine Neuveröffentlichung kurz vor Weihnachten plant.

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