Auswertung: Wie Leser von Selfpublishern ihr Lesematerial finden

Vor zwei Wochen habe ich auf der Selfpublisherbibel Autorinnen und Autoren um Mithilfe bei einer kleinen Umfrage gebeten. Die Frage ist simpel: Wo und wie finden LeserInnen E-Books und wie lesen sie sie? Die Antworten, hoffe ich, können dabei helfen, LeserInnen genau dort und genau so anzuprechen, wo und wie das am besten ankommt.

Die Umfrage lief bis 28. Februar über den Spezialanbieter Limequery. Insgesamt 2342 Menschen haben den Fragebogen ausgefüllt. Er war so programmiert, dass sich die Erkenntnisse für Kindle- und Tolino-Leser trennen lassen. Allerdings hat die erste Frage eine solche Dominanz der Amazon-Fraktion ergeben, dass der Auswertung für Tolino nicht mit Sicherheit statistische Signifikanz zuzuordnen ist. Dafür hätten es wenigstens 300 Antworten sein sollen. Als das in der letzten Umfragewoche absehbar war, habe ich extra versucht, noch Tolino-Antworten zu erhalten, war aber wohl nicht erfolgreich.

Wie ist das zu verstehen? Die Antworten spiegeln sicher nicht den Markanteil am E-Book-Geschäft wieder. Vielmehr muss man berücksichtigen, wer die Umfrage unter den eigenen Lesern geteilt hat: Selfpublisher, Indie-Autorinnen und -Autoren. Allein dadurch, dass Amazon mit KDP schon viel länger in Deutschland am Start ist, hat die Firma hier einen Vorsprung. Und wenn man sich die Bestenlisten ansieht – der Anteil von Indies an den Charts ist bei Amazon sensationell hoch. Wer “Indie” liest, fühlt sich wohl nicht zuletzt wegen der zahlreichen Exklusiv-Titel bei Amazon besser aufgehoben. Verlags-E-Books hingegen gibt es überall zum selben Preis.

Nachdem das geklärt ist, beginnen wir damit, wo Kindle-Leser neue E-Books kaufen.

Und zum Vergleich die Daten für die Tolino-Plattform:

Auf der Amazon-Plattform führen eindeutig die Website und der E-Reader selbst. Mobilangebote spielen eine deutlich geringere Rolle, ob nun Kindle-App oder mobile Amazon-Website. Beim Tolino scheint die Werbung mit der Unabhängigkeit Früchte zu tragen – die Tolino-Leser gehen genauso oft “fremd”, wie sie auf dem Tolino selbst einkaufen.

Ein Kindle-Unlimited-Abo besitzen nach eigenen Angaben fast genau 30 Prozent der Indie-Leser.

Wo treffen LeserInnen auf neuen Lesestoff?

Die Shop-Suche liegt hier ganz vorn – ein klassisches Metadaten-Thema. Der hohe Wert überrascht mich selbst, aber wenn man bedenkt, dass Internet-Nutzer Websites bei Google auch oft über die Suche aufrufen, obwohl sie den Namen kennen, ist das keine Überraschung.

Ansonsten sind Empfehlungen wichtig: von anderen Lesern, vom Autor (der Newsletter!) und, etwas geringer, über Social-Media-Kanäle. Die ausgesprochenen Schnäppchenkäufer, das sieht man auch, sind eine kleine (aber für den Start unbekannter Autoren wichtige) Zielgruppe.

Warum entscheiden sich Käufer für ein bestimmtes Werk?

Der Klappentext ist hier eindeutig am wichtigsten. Überraschend ist aber, wie bedeutsam vielen der Autor ist. Bis auf den Bestseller-Rang spielen aber auch die anderen abgefragten Kriterien eine wichtige Rolle.

Und was lesen die Umfrageteilnehmer am liebsten? Ich habe die Daten für Tolino mit aufgeführt, muss aber warnen, dass diese mangels Masse wohl nicht repräsentativ sind.

Interessant wird es, wenn man einige der Antworten miteinander kombiniert.

Schaut man sich zum Beispiel die Gruppe der KindleUnlimited-Abonnenten an, steigt der Anteil der Nutzer, die auf einem Kindle-E-Reader lesen, auf 80 Prozent. Gerade E-Reader-Nutzer sind Vielleser und damit gute Flatrate-Kunden. Dass auf Tolino-E-Readern noch keine Lese-Flatrate bereit steht, könnte sich perspektivisch zum echten Wettbewerbsnachteil entwickeln. KU-Nutzer kaufen denn auch signifikant häufiger auf Ihrem E-Reader statt auf der Website, und sie lesen deutlich mehr Erotik. Das geht auf Kosten aller anderen Genres, Erotik ist bei ihnen nach dem Liebesroman die zweitwichtigste Kategorie.

Was zeichnet die preissensitiven Käufer aus, denen der Preis “sehr wichtig” und “wichtig” ist? Der Anteil an Flatrate-Abonnenten ist bei ihnen sogar etwas niedriger als im Gesamtfeld. Weniger überrascht hingegen, dass sie häufiger auf Schnäppchenportalen fündig werden.

Nutzer, denen der Preis unwichtig ist (Note 5), besitzen deutlich öfter einen Tolino, und sie haben auch öfter KindleUnlimited abonniert. Vermutlich handelt es sich um die Spezies der Büchernärrinnen und Narren, die einfach alles Lesematerial in Reichweite haben wollen. Erotik, aber auch Liebesromane, lesen sie seltener, dafür aber öfter Krimis und Thriller.

Fantasy-LeserInnen informieren sich signifikant seltener im Autoren-Newsletter. Ihnen ist der Autor auch weniger wichtig, dafür umso mehr das Cover. Wer Liebesromane mag, hat besonders häufig KindleUnlimited abonniert und ist für Empfehlungen anderer Leser oder in sozialen Medien und auch für Facebook-Werbung besonders empfänglich. Der Klappentext erreicht bei Liebesroman-Leserinnen Werte deutlich über 90 Prozent. Unter Krimi- und Thrillerfans liegt der Anteil der KU-Abonnenten nur knapp über 20 Prozent. Sie kaufen besonders selten auf Schnäppchenportalen und vertrauen Empfehlungen auch deutlich weniger als das Mittel. Dafür genießt der Autor mit über 75 Prozent bei ihnen eine besonders hohe Wertschätzung.

 

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Kommentare

  1. Wirklich interessant!
    Nur 1% Sachbücher, wow. Also dass es nur eine Minderheit ist, überrascht nicht, aber 1%… Ob das wohl bei E-Books von richtigen Verlagen ähnlich wenig ist?
    Dann kann ich mir mit dem zusätzlichen Angebot meines Printbuches als E-Book ja noch Zeit lassen…

    1. Die Frage war nach dem (einen) LIEBLINGSgenre. Sachbücher liest man ja selten, weil es so schön ist, sondern oft, weil man sie braucht, um ein Problem zu lösen (Kochen, Mathe, Reisen, Gerät bedienen…). Dass nur 1% Sachbücher als Lieblingsgenre betrachten, heißt nicht, dass sie nur von 1% gelesen werden.

      1. Ah, danke für die Aufklärung. Gibt es Zahlen zu den gekauften Genres im E-Book-Bereich, als einfache Verteilungsstatistik?

        P.S.: Wenn ich hier poste und zunächst meinen Namen eintrage, dann sehe ich diesen nicht. Ich schreibe diesen sozusagen unsichtbar.

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