Autoren-Tipp: Nebenrechte-Vertrag als Alternative zum Print on Demand?

(Foto: edella / Depositphotos.com)
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In einem Kommentar zum Artikel “Wie bringe ich mein Buch in den Buchhandel?” fiel mir vor ein paar Tagen das Konzept des Belle Époque Verlag auf: Der Verlag kauft Autoren das Recht ab, ihre Bücher in den Buchhandel zu bringen, und zwar mit Kündigungsmöglichkeit und ohne Exklusivität. Ich bat deshalb um eine Beschreibung des Konzepts, die mir Christian Reichenbach lieferte:

“Das deutsche Verlagsgesetz, das das Verhältnis zwischen Autoren und Verlagen regelt, sieht ursprünglich die Übertragung eines Urheberrechts nur für die Dauer einer Auflage vor. In der Realität wird von den Autorinnen und Autoren heute aber bei Abschluss eines Verlagsvertrags die Abtretung aller Rechte für die gesamte Geltungsdauer des Urheberrechts verlangt – also bis 70 Jahre nach dem Tod. Es wird dabei davon ausgegangen, dass das Werk bei Vertragsschluss unveröffentlicht ist. Einen guten Einblick in die Vertragssituation gibt der von der Gewerkschaft Verdi gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels herausgegebene Mustervertrag: https://vs.verdi.de/recht-urheber/mustervertraege

Viele Autorinnen und Autoren veröffentlichen in letzter Zeit allerdings zuerst als eBook und daneben eventuell auch noch bei einem PoD-Anbieter. Die Werke sind also bereits erhältlich, weshalb es mit einem später vereinbarten Verlagsvertrag schwieriger werden kann. Der Autor müsste seine Angebote vom Markt nehmen und auf die Vertriebsleistung des Publikumsverlags vertrauen. Unter Umständen wird der Verlag dann genau die gleichen Kanäle bedienen, nur eben mit einem geringeren Honorar für den Autor.

Der Belle Époque Verlag geht deshalb seit Neuestem den Weg, den Autor als Selbstverleger anzusehen. Diesem Selbstverleger bietet er für interessante Werke einen Nebenlizenzvertrag an. Von einer Nebenlizenz spricht man üblicherweise dann, wenn ein Verlag von einem anderen die Rechte für eine Neuausgabe erwirbt, beispielsweise als Taschenbuch oder Hörbuch. Der Vorteil dieser Vereinbarung ist für den Lizenzgeber (Autor, Selbstverleger), dass das Verlagsrecht bei ihm bleibt. Gleichzeitig verschafft der Autor sich aber ein weiteres Standbein für den Vertrieb seiner Werke über den Buchhandel. Ein Nebenlizenzvertrag ist zeitlich befristet und kündbar (quartalsweise), sodass der Autor, wenn doch einmal ein großer Publikumsverlag anklopfen sollte, flexibel reagieren kann.

Bei der angebotenen Vergütung wird berücksichtigt, dass es sich um ein eingeschränktes Recht handelt. Konkret bedeutet das, dass der Autor anstatt der im Verlagsvertrag üblichen 8 bis 10 Prozent Honorar nur 5 bis 7 Prozent erwarten kann (bezogen auf den Nettopreis). Weitere Details sind selbstverständlich Verhandlungssache. Nach Vertragsabschluss bringt der Belle Époque Verlag das Werk auf eigene Kosten und eigenes Risiko in den Buchhandel, mit professioneller Covergestaltung, Druckvorbereitung, ISBN-Nummer und Eintrag im VLB, Belegexemplaren etc. Dies alles ist für den Autor kostenfrei (kein Zuschussverlag).

Abschließend sollte noch erwähnt werden, dass es dem Belle Époque Verlag nicht (nur) um den schnellen Euro geht, sondern vielmehr auch um ein qualitativ hochwertiges und überzeugendes Verlagssortiment. Wie jeder Verlag wird er deshalb dem Autor gegenüber unter Umständen noch Änderungswünsche anmelden, zum Beispiel hinsichtlich einheitlichen und modernen Rechtschreibung. Sicher ist es für keinen Autor ganz einfach, ein vollendetes Werk noch einmal zu bearbeiten. Die Erfahrung zeigt aber, dass Qualität von den Leserinnen und Lesern sehr geschätzt wird.”

Das Konzept, denke ich, könnte für den ein oder anderen Autor durchaus interessant sein. Natürlich sucht der Verlag sich vielversprechende Titel aus und wird nicht jedes Werk in den Handel bringen. Wer den Buchhandels-Erfahrungsbericht gelesen hat, weiß aber, dass man sich mit dem Nebenrechte-Verkauf unter Umständen auch eine Menge Arbeit erspart. Anzumerken wäre noch, dass die Übernahme eines bereits im Buchhandel befindlichen Buches durch einen größeren Verlag weniger wahrscheinlich ist, als wäre es nur als eBook erhältlich. Wer darauf hofft, sollte wohl trotz der Kündigungsmöglichkeit vorsichtig sein.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Comments

  • Die ersten Vorschläge von Self-Publishern auf Grund dieses Artikels sind bei uns eingegangen. Vielen Dank dafĂĽr!

  • @Christian Reichenbach Wenn die RechteausĂĽbung nicht exklusiv ist, dann könnte der Autor also neben eurem Angebot beispielsweise auch Amazons CreateSpace nutzen, um den Endverbraucher mit PapierbĂĽchern direkt zu erreichen.

    Das lohnt sich doch dann fĂĽr den Verlag nur, wenn er eine starke Stellung im Buchhandel hat. Wie erreichst du die denn ohne Vertreter und Rackjobbing???

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