Datenanalyse: Wer dominiert bei Amazon: Self Publisher oder Verlage?

(Bild: egitarrist / depositphotos.com)
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Amazon nutzt sehr erfolgreich die wenigen Möglichkeiten, die ein Buchhändler in Deutschland hat, sich von anderen zu differenzieren. Über die Preise funktioniert das wegen der Preisbindung nicht, wohl aber über das Angebot. Self Publisher haben es hier leicht wie nirgends sonst, ihre Werke zu veröffentlichen. Damit sie nicht auch andere Läden beliefern, schnürt der Anbieter ein schlaues Exklusiv-Paket (“KDP Select” genannt), das Autoren vor die schwierige Wahl stellt: Möglichst breite Sichtbarkeit bei Amazon, ohne anderswo lieferbar zu sein – oder doch lieber möglichst weite Verbreitung bei geringerer Sichtbarkeit auf der Plattform, die Self Publishern nun einmal die größten Chancen bietet?

Die individuellen Antworten fallen unterschiedlich aus. Aber wie? Dominieren, wie ich es schon gehört habe, die Self Publisher das Angebot von Amazon? Betrachtet man die Top 100, könnte man auf diese Idee kommen. Hier gehört schon seit Monaten stets mindestens die Hälfte aller Titel einem unabhängigen Autor. Doch wie sieht es in der ganzen Breite des Angebots aus? Meine Datenbank verfolgt nun schon seit anderthalb Jahren die Verkaufsränge von eBooks. Wie sieht hier – also etwa unter den Top 100.000 – das Verhältnis von unabhängigen zu Verlags-Titeln aus?

Von einer Dominanz der Self Publisher kann da kaum die Rede sein. Tatsächlich kommen hier: (Stand 10. Januar)

  • Von Self Publishern 30.214 Titel
  • Von Verlagen 73.585 Titel

Die Datenbank kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Gezählt wird nur, was ein Verkaufsranking hat, sich also schon einmal verkauft hat. Es gibt vermutlich insgesamt noch drei- bis viermal mehr Titel, die sich so gut wie nie verkaufen, warum auch immer. Auch kostenlose Titel werden hier nicht berücksichtigt. Die Dimension von rund 1 : 2,5 dürfte aber hinkommen.

Von diesen 29953 Self-Publisher-Titeln sind übrigens 13.344 eBooks leihbar, also im KDP-Select-Programm vertreten. Mindestens diese Werke sind bei der Buchhändler-Konkurrenz nicht lieferbar. Vermutlich sind es noch ein paar mehr, weil manche Autoren zwar nicht an Select teilnehmen, aber trotzdem nicht über andere Händler verkaufen.

Von den Verlagstiteln sind übrigens 7822 eBooks im Leihprogramm enthalten. Verlage müssen sich nicht exklusiv an Amazon binden, um ihre Titel in der KOLL-Ausleihe oder in KindleUnlimited verfügbar zu machen. Das Leihprogramm kommt damit derzeit auf etwa 20.000 deutschsprachige eBooks.

Der Anteil von Amazons eigener Plattform KDP an der Gesamt-Titelzahl liegt übrigens bei 25.931, also bei etwa 85 Prozent. Diese Zahl ist allerdings mit etwas Vorsicht zu genießen, weil über manche Distributoren (insb. Xinxii) verteilte eBooks nicht als solche erkennbar sind und in der Statistik als KDP auftauchen. Berücksichtigt man die ungefähren Xinxii-Kundenzahlen und die Tatsache, dass auch andere Distributoren ihre Kunden Amazon selbst beliefern lassen, dürfte etwa die Hälfte der Self Publisher sich exklusiv bei KDP angemeldet haben. Das passt dann auch gut zu dem oben genannten Ergebnis, dass nur 13.344 Titel im Select-Programm enthalten sind. Das wären dann immerhin 15.000 eBooks, die Leser nur bei Amazon kaufen können.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Kommentare

  1. Nun ja, für Selfpublisher besteht die Alternative “konventioneller Buchhandel” nicht. Oder haben Sie schon einmal versucht, ein bei BoD oder LULU erschienenes Buch in einer Buchhandlung zu platzieren, mit deren Eigentümerin Sie nicht in besonderer Weise bekannt sind?

    1. Platzieren geht sicher nicht, aber ich habe via BoD durchaus schon ein paar tausend gedruckte Bücher verkauft. Die Buchhändler bestellen bei BoD, wenn die Leser danach fragen. Funktioniert bei Nischenthemen vermutlich besser als bei Belletristik.

      1. Hallo mmatting,
        Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Ich kann dir nur gratulieren, wenn dir das gelungen ist. Will ein Kunde kaufen, bestellen Buchhändler na klar, vorausgesetzt die Bücher sind im VLB . Inwiefern es aber gelingt Nachfrage zu erzeugen, ohne sehr viel Geld in die Hand zu nehmen, das weiß ich bis heute nicht … ok, ok … mein Adressatenkreis gehört zur Generation 40+ und ist über die sog. Neuen Medien schwer zu erreichen.

    2. Das ist durchaus möglich. Man kann ein Buch bei einem Verlag drucken lassen und es dann Großhändlern wie KNV, Libri oder Umbreit anbieten. Die verteilen es dann an die Buchhandlungen.

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