Kindle Unlimited: Wie das Amazon-System sich bei der Abrechnung der Käufe irrt

Wenn ein Kunde mehr als zehn Prozent Ihres Buchs liest oder es über die Kindle-Leihbücherei herunterlädt, erhalten Sie einen Anteil des weltweiten KDP Select-Fonds.” – so beschreibt die KDP-Hilfeseite zu Amazons neuer eBook-Flatrate Kindle Unlimited den Abrechnungsmodus für Autoren. Das klingt, als würde Amazon nun jeden Nutzer dabei beobachten, wie er von Seite zu Seite blättert (bei der deutschen eBook-Leihlösung Readfy übrigens erklärtes Ziel). Tatsächlich sieht die Realität anders aus, wie der praktische Versuch zeigt.

Ja, es reicht nicht, ein eBook mit einem KindleUnlimited-Account einfach nur zu kaufen. Aber man braucht es auch nicht zu lesen, nicht einmal zu zehn Prozent: Es reicht völlig, das eBook wenigstens einmal zu öffnen. Selbst wenn man es sofort wieder schließt, wird das von Amazon als der Moment registriert, in dem dem Autor im KDP-Dashboard ein Leihvorgang angezeigt wird.

Das kann natürlich ein Bug sein, der bald korrigiert wird. Vielleicht ist es aber auch Absicht im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit: Denn unter Umständen bekommt der Autor nichts ausgezahlt, wenn ein KindleUnlimited-User sein eBook komplett liest. Das passiert, wenn jemand die Downloadfunktion von “Mein Kindle” nutzt und das eBook auf einen nicht per WLAN am Internet hängenden Kindle herunterlädt (wie ich es ebenfalls getestet habe). Dann kann das Gerät überhaupt keine Rückmeldung geben, wie weit jemand gelesen oder ob er auch nur das eBook geöffnet hat.

Ich habe zwar keine Zahlen, wie groß der Anteil der Kindle-Nutzer ohne WLAN ist. Aber unter den Lesern meines Kindle-Handbuchs gehörte die Verwendung des eReaders ohne WLAN zu den öfter gestellten Fragen, sodass ich das Kapitel dann auch im Handbuch aufgenommen habe.

Das nur einmal geöffnete eBook in der KU/KOLL-Abrechnung
Das nur einmal geöffnete eBook in der KU/KOLL-Abrechnung

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

  1. Das Lesen auf dem Paperwhite ohne WLAN ist bei uns auch Standard, speziell im Urlaub. Die Bücher werden vor dem Urlaub gekauft/ zum Gerät gesendet und im Urlaub wird dann gelesen – ohne erst die dortige WLAN-Verbindung einzurichten.

  2. Hier mal ein etwas unorthodoxer Gedanke zu Kindle Unlimited:

    Es könnte die erste funktionierende Paywall für Blogger darstellen und Dinge wie Flattr endgültig beerdigen. Warum sollte ich meine Artikel nicht einfach anteasern und die dann folgenden 2500-5000 Worte auf Amazon als Ebook anbieten? Wenn die Leute sowieso eine Kindle-Flatrate haben, lesen Sie mich auch und ich kann dadurch endlich effektiv ins Verdienen kommen. Klar muss der Content stimmen und eine Fanbase in der Nische existieren, aber ich bin mir sicher, solche Ansätze sieht man noch dieses Jahr von den ersten Internet-Marketern.

  3. Ja, wir leben in einer digitalen Welt und viele sind oft bis immer online, aber will man das, eine totale Überwachung was ich wann wo und wie tue? Nein, Ich bin dagegen. Mein Gerät ist bewusst nicht immer online, sondern nur dann wenn ich es für notwendig halte. Wenn so ein System darauf aus ist, den User zu überwachen, was er wann wie lange liest, dann finde ich es äußerst fragwürdig. Nicht ohne Grund haben doch einige in meinem Bekanntenkreis Lesegeräte ohne Internetverbindung oder schalten diese aus. Für mich klingt das, als wolle hier ein Anbieter die user zwingen noch mehr ihrer Daten preis zu geben. Ich bin gespannt, wie sich das auswirkt auf die Abrechnungen in Zukunft und bin sehr skeptisch.
    Bei der Musik ist es ja ähnlich, dank Flatrates wurden meine CD's oft gehört (freu), aber verdient habe ich nur noch im Cent-Bereich (schnief). Hätte jeder der Radiosender meine CD einmal gekauft, dann wären es mehrere Hundert Euro. Ich bleibe dabei, ich kaufe lieber und lese ohne Überwachung, ebenso mit Musik und Video. Ob es altmodisch ist? Nein, verantwortungsvoll, denn ich weiss aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit es ist etwas kreatives zu schaffen. Schauen wir mal ob die Rechnung aufgeht.

Kommentare sind geschlossen.