Mit dem eBook ins Ausland: Was Sie bei Übersetzungen beachten sollten

Sie haben die Frage, ob sich eine Übersetzung Ihres eBooks lohnt, positiv beantwortet – oder wollen die fernen Märkte einfach nur einmal testen. Wie geht es weiter? Wo finden Sie den perfekten Übersetzer, was kostet er oder sie, und ist das alles, was Sie brauchen?

Was ein Übersetzer können muss

Die wichtigste Qualität eines Übersetzers besteht wohl eindeutig darin, dass die Zielsprache seine Muttersprache ist. Natürlich sollte er auch die Quellsprache (also meist Deutsch) so gut beherrschen, dass er auch die Feinheiten versteht, zum Beispiel Ironie heraushört und entsprechend in die Zielsprache überträgt. Das ist gerade bei Belletristik absolut wichtig, bei Fachliteratur etwas weniger. Soll er spezielles Fachwissen übertragen, hilft es dafür sehr, wenn er sich in dem betreffenden Gebiet auskennt.

Zielsprache ist dabei nicht gleich Zielsprache: Amerikanische Leser merken sofort, wenn das Buch von einem britischen Übersetzer bearbeitet wurde. Immerhin wird der Brite ein korrektes Englisch verwenden – was etwa bei einem indischen Dolmetscher nicht garantiert ist. Auch Spanisch und Portugiesisch werden in Europa anders gesprochen als in Lateinamerika. Entscheiden Sie deshalb am besten nach der größeren Zielgruppe. Ähnliches gilt für Chinesisch; mit Mandarin erreichen Sie bei weitem nicht alle chinesischen Leser (aber wohl immer noch genug).

Was Übersetzungen kosten

Die Bandbreite bei den Kosten einer Übersetzung ist riesig. Belletristik ist in der Regel günstiger als Fachliteratur. Bei Fachliteratur hängt es stark davon ab, wie groß die Nische ist – Spezialwissen ist entsprechend teurer. Die Berechnung der Kosten variiert ebenfalls stark. Während in Deutschland eher nach Normseite à 1500 Zeichen gerechnet wird, bezieht man sich im Ausland meist auf die Anzahl der Wörter.

Die britische Society of Authors setzt 88 Pfund (etwa 100 Euro) für 1000 Wörter bei Prosa als Mindestrate an, also 10 Euro-Cent pro Wort. Von deutschen Autoren und Übersetzern hört man jedoch (auch von Verlagen gezahlte) deutlich niedrigere Preise, die einen geradezu jämmerlichen Stundensatz noch unter dem Mindestlohn für Friseure ergeben. Bei Fachtexten können Sie mit Preisen ab sieben Cent pro Wort rechnen, auf einer je nach Branche nach oben offenen Skala.

Bedenken Sie, dass Sie meist auch noch ein Lektorat in der Fremdsprache benötigen, das Sie zusätzlich vier bis acht Cent pro Wort kosten kann. Manche Übersetzer bieten als Teil des Service zumindest ein Korrektorat durch einen Dritten an. Hinzu kommen weitere Übersetzungen, die Sie für Ihr Marketing brauchen: Klappentext, Beschreibung beim eBook-Händler, Ihre Buch-Website und so weiter.

Wo Sie Übersetzer finden

Für Fachtexte habe ich auf zwei Wegen sehr gute Erfahrungen gemacht: Zum einen über Empfehlungen von anderen Autoren (wohl der Königsweg), zum anderen die Übersetzer-Plattform Proz.com. Bei Proz.com stellen Sie eine Ausschreibung ein, und die Übersetzer nennen Ihnen Preis und Bearbeitungszeit. Gegenüber ähnlichen Seiten wie Freelancer.com, Odesk.com oder Elance.com hat Proz.com den Vorteil, auf Übersetzungen spezialisiert zu sein. Die Preise der hier registrierten Fachleute liegen zwar vielleicht etwas höher, dafür gibt es aber auch ein hilfreiches Bewertungssystem etc.

Proz.com ist bei Fachübersetzungen eine Empfehlung

Das gilt allerdings primär für Fachtexte. Bei Belletristik würde ich den Weg über Empfehlungen wählen. Es gibt zum Beispiel Übersetzer-Gruppen bei Xing und LinkedIn, aber auch Kollegen, die bereits eine Übersetzung anfertigen ließen. Der Übersetzer muss zum Autor und zum Text passen: Er muss, ähnlich wie ein guter Lektor, in der Lage sein, den Ton des Textes aufzunehmen und in seine Arbeit einfließen zu lassen. Hilfreich ist auch, wenn der Übersetzer eine Beziehung zum Genre hat – schließlich muss er etwa bei einem ChickLit-Roman auch den Herz-Schmerz-Jargon beherrschen. Sehen Sie sich einfach an, was der Betreffende schon übersetzt hat, dann bekommen Sie davon einen Eindruck.

Das Problem ist allerdings, dass Sie diese Aspekte wohl selten prüfen können – es sei denn, Sie sprechen die Zielsprache ebenfalls sehr gut. Selbst wenn Sie eine Probe-Übersetzung anfertigen lassen (was ich dringend anrate – dazu sollte jeder Übersetzer bereit sein), brauchen Sie jemanden, der ihre Qualität beurteilen kann, also Testleser, die in der Zielsprache fit sind.

Wenn Sie schließlich jemanden gefunden haben, vergessen Sie nicht, klare Abmachungen zu treffen. Wann zahlen Sie? Bei größeren Projekten können, etwa bei 30 und 60 Prozent, Vorschüsse fällig sein. Bis wann muss die Arbeit beendet sein? Erfolgt die Berechnung anhand der Wortzahl in der Quell- oder in der Zielsprache? Deutsch braucht zum Beispiel im Mittel mehr Wörter als Englisch. Was passiert bei Qualitäts-Problemen oder wenn die vereinbarte Zeit überschritten wird? In welcher Form stellen Sie den Text zur Verfügung, und wie bekommen Sie ihn zurück? Ist ein kleines Korrektorat schon inklusive? Welche Rechte behält der Übersetzer? Eine Namensnennung ist klar, aber was passiert, wenn Ihr Buch ein Bestseller wird?

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Comments

  • Eine spezielle Fachkategorie für Übersetzer gibt es auch bei Freelance-Market.de (sieh http://www.freelance-market.de/c/SPRACHE). Die Vorstellung eines Freelancers ist für Nachfrager ganz einfach und vollkommen kostenlos.

  • Literaturübersetzer tummeln sich kaum bei Proz. Die Website hat in der Branche auch einen etwas zweifelhaften Ruf. Und warum ist in dem Artikel von Dolmetschern die Rede? Das ist ein ganz anderes Berufsbild.

  • Danke für die Hinweise. Ich überlege mir schon seit einiger Zeit, ob ich einige meiner Bücher übersetzen lassen sollte, denn ein paar laufen ganz gut und sind vielleicht auch für den englischen oder amerikanischen Markt ganz gut geeignet.

  • In welche Sprache?

  • Ich hab fast 200 Bücher übersetzt, bin aber noch nie nach Worten oder "Zeichen" bezahlt worden. Als Berechnungsgrundlage dient die Normseite, die ca. 1.800 Anschläge (nicht: Zeichen) enthält.

  • Mit gefällt ergänzend die Variante mit dem Übersetzer, der Übersetzerin ein Umsatzbeteiligungsmodell zu vereinbaren. Das geht zum Teil auch über proz.com.

    Das hat auch den Vorteil, dass ich damit auch jemand gewinne, der mich aus Eigeninteresse beim Marketing in meinem Zielmarkt unterstützt.

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