Name, Adresse, Haarfarbe, ISBN: Was gehört ins Impressum eines Buches?

Bücher (egal ob gedruckt oder elektronisch) brauchen, wie übrigens auch Zeitungen und Zeitschriften, ein Impressum. Welche Angaben darin stehen müssen, ist nicht bundesweit geregelt, sondern in den Pressegesetzen der Länder. Diese sind hier aufgelistet. Welches für Sie gilt, hängt von Ihrem Wohnsitz ab. Sie können es sich aber sparen nachzulesen, denn im Grunde wollen alle nur das gleiche:

  • Ihren Namen
  • eine ladungsfähige Anschrift

Berlin verzichtet auf die Anschrift und will nur den  Wohnort.

Muss ich meinen Namen angeben?

Ja. Jedes der Pressegesetze der Bundesländer verlangt den Namen des Selbstverlegers. Wohlgemerkt – nicht das Pseudonym, sondern den Namen.

Was ist mit der Druckerei?

Einige Bundesländer verlangen zusätzlich Name / Firma und Anschrift des Druckers. Sie sind also auf der sicheren Seite, wenn Sie diesen mit angeben. KDP-Nutzer brauchen sich darum nicht zu kümmern, da Amazon den Druckort immer automatisch eindruckt.

Kann ich ein Postfach verwenden?

Nein, eine ladungsfähige Anschrift ist eine, unter der Sie “regelmäßig anzutreffen” sind. Es kommt vor allem darauf an, dass Ihnen dort Gerichtspost zugestellt werden kann. Die Adresse des Nachbarn eignet sich nur, wenn Ihr Nachbar dann auch eine entsprechende Vollmacht besitzt.

Ich will aber mein Pseudonym nicht lüften!

Gesetzeskonform ist das im Grunde nur mit einem externen Dienstleister möglich. Die Druck-Dienstleister BoD oder Tredition etwa treten als Verlag auf. Dort brauchen Sie dann nur “Verlag: Firmenname, Anschrift” ins Impressum zu setzen. Pseudonym-Dienste stellen eine ladungsfähige Adresse zur Verfügung. Überlegen Sie, ob Sie Ihren Künstlernamen in Ihren Pass eintragen lassen sollten.

Brauche ich einen Copyright-Vermerk?

Nein. In Deutschland gibt es kein Copyright. Das Urheberrecht entsteht mit dem Verfassen des Werkes. Sie müssen es nicht durch einen Vermerk anmelden oder beanspruchen. Sie brauchen auch nicht zu erklären, dass Ihr Buch urheberrechtlich geschützt ist und nicht vervielfältigt werden darf. Schaden tut’s allerdings auch nicht.

Achtung: Wenn Sie Material aus dem Open-Source-Bereich (Wikipedia u.ä.) verwenden, müssen Sie die verwendeten Lizenzen angeben. Auch dafür eignet sich das Impressum (oft reicht das aber nicht).

Was ist mit der Haftungs-Freistellung?

Eine  Behauptung wie “Keine Haftung für …”  schadet tatsächlich eher als sie nutzt. Wenn Sie haften, dann haften Sie, ganz egal, was Sie dort schreiben. Sie können sich mit einem Haftungsausschluss oder Disclaimer nicht selbst von ihren Verpflichtungen freistellen.

Was ist mit den Namen von Lektorin, Grafiker usw.?

Das Gesetz fordert diese Angaben nicht. Sie sollten die Beteiligten aber schon aus Fairness-Gründen nennen (aber fragen Sie vorher, ob diese Menschen ihre Namen in Ihrem Buch lesen wollen). Zudem fordern manche Online-Bilddatenbanken die Nennung der Urheber von Coverfotos, auch bei Fotografen ist das die Regel.

Gehört die ISBN ins Impressum?

Wenn Sie möchten – sie ist aber kein Pflichtbestandteil.

Die bibliografischen Informationen der Deutschen Nationalbibliothek …

… liest man ziemlich häufig, sind aber nicht Pflicht. Pflicht ist aber die Abgabe von Belegexemplaren an die DNB.

Wo gehört das Impressum hin?

Dazu gibt es keine Vorschriften. Oft ist es nach dem Innentitel zu finden, aber auch am Ende des Buches ist ein guter Platz dafür.

Sind weitere Angaben erlaubt?

Absolut! Ich würde auf jeden Fall meine Kontaktdaten komplett hinzufügen. Wo es sinnvoll ist, könnte man auch die Auflage (1., 2., …) erwähnen.

Wie sähe denn ein Beispiel-Impressum aus?

  • Name des Autors
  • Anschrift
  • Webadresse, Facebook-Seite
  • E-Mail
  • Lektorat / Korrektorat:
  • Umschlaggestaltung: … unter Verwendung eines Fotos von …

Und was ist mit meiner Website?

Hier sind die Anforderungen umfangreicher, das klären andere Websites ausführlich.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

7 Comments

  • Ist nicht amazon (kdp) auch ein Verlag, mit Sitz in Luxemburg? Ich habe sieben englischsprachige Bücher im Angebot – alle ohne Impressum. Ich lass es auf eine Abmahnung ankommen. Sollte es eine geben, bestelle ich noch ein paar Autorenexemplare und mach dann das Angebot dicht. Ist zwar schade, da drei Romane, zwei Autobiographien, eine Monographie zum Thema Philosophie ein paar Jahre Arbeit beinhalten – ist mir aber lieber als dieser Stasi-Mist mit der Nennung des Klarnamens. Externe Dienstleister wollen zudem Geld. Bisher war ich auf do-it-yourself irgendwie stolz – Layout, Scribus-Umsetzung, cover mit Gimp, open source Schriftart, etc. Bisher hab ich von keiner Aktivität von Abmahnanwälten gehört mit Blick auf Impressum-Sünder im Bereich Self-Publishing. Auch die Landesbibliotheken und die Nationalbibliothek haben sich noch nicht gemeldet für das Nicht-Einschicken von Exemplaren. Ist zwar ein anderes Thema, aber es gibt recht viele Stolperfallen in Deutschland, muss ich sagen. Vor Kurzem wollte ich meine Homepage zur Werbung nutzen, dann fiel mir auf, dass auch da das Impressum mit Klarnamen und Adresse nötig sind, nebst AGB und vielen anderen Pflichtangaben – und verzichte seitdem deswegen auf Bebauung der Site.

  • Man kann auch dafür sorgen, dass das englischsprachige Buch NUR in ausgewählten Ländern erscheint, nämlich im Menü bei KDP. Es erschließt sich mir nicht, warum Ware, die nicht in Deutschland erhältilich ist, dann der Impressumpflicht unterliegen sollte, nur weil der Autor in Deutschland lebt. Das Buch wäre dann auch nicht mehr erhältlich über amazon Deutschland.

    Ich würde in Deutschland KEINE Bücher im Selbstverlag veröffentlichen und bereits veröffentlichte aus jedem Angebot nehmen. Die Zwang zur Nennung der Adresse mit Hausnummer und Straße plus Telefonnummer ist viel zu gefährlich, wenn es sich nicht gerade um Kochbücher handelt, und wenn der Autor in der Freizeit immer nur joggen war. Die Impressumpflicht ist ein Überwachungs- und Selbstüberwachungsinstrument unter dem Deckmantel der “Offenheit”.

    Gleiches gilt für die Webseite, der eigenen, in der die Bücher beworben werden könnten. Die Kennzeichnung als geschäftlich ist niht das Problem – die Nennung der Adresse aber schon. Kontroverse Autoren würde Leib und Leben riskieren, wenn sie als self-publisher dieser Pflicht nachkämen. Deshalb ist Deutschland auch längst ein kunstfeindliches Land. Und wirklich aufmüpfiige Kunst gibt es in Deutschland schon längst nicht mehr.

    • Man braucht ja nur über einen Dienstleister zu gehen, der als Verlag auftritt, z.B. BoD oder Tredition.

  • Danke für die tolle Zusammenfassung, aber ich habe noch eine Frage, die mir bisher niemand klar beantworten konnte.
    Wie sollte mein Impressum aufgebaut sein, wenn ich im Ausland wohne und von dort aus für den deutschen Markt veröffentliche? Gerade in den USA und Kanada sieht ein Impressum sehr anders, stark gekürzt aus. Im Vergleich zu dem deutschen Impressum fehlen dort wichtige Angaben,dennoch würde man als Autor im Ausland nicht unter eines der deutschen Pressegesetze fallen,da man sich in keinem der Bundesländer aufhält und ein zentrales,übergeordnetes Gesetz gibt es nicht. Wie also löst man das Problem?
    Liebe Grüße, Vic

  • Super Zusammenfassung. Ich hätte da nur eine Anmerkung zum Personalausweis und das darin von Amtswegen eingetragene Pseudonym. Statt dem Klarnamen mit Anschrift würde das Pseudonym in diesem Fall mit der Anschrift im Impressum genannt werden. Allerdings muss man mit der ladungsfähigen Anschrift erreichbar sein. Daher wäre es sinnig, auch das Klingelschild mit dem Pseudonym zu beschriften. Wie sonst soll im Fall der Fälle die Post – adressiert an das Pseudonym – sonst zugestellt werden. Nebenbei kann man mit so einer Eintragung in den Perso auch Geschäftsabschlüsse tätigen. In der Regel folgt auch hier Schriftverkehr. Sie verstehen? Leider ist mit dieser Vorgehensweise das Pseudonym nicht 100%ig wasserdicht, da in der Regel die Nachbarn einem beim Klarnamen kennen und dann lästige Fragen stellen.:-)

    • Ja, klar, der Künstlername muss dann schon am Briefkasten stehen.

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