Amazon Kindle Fire HDX im Test: Eine echte iPad-Alternative

Am 19. November, also in knapp einer Woche, kommt er auch in Deutschland auf den Markt: Der Kindle Fire HDX 8.9. Das Vorgängermodell ohne das X hat hierzulande ein gewisses Nischendasein gefristet, obwohl es auch schon mit einer hohen Display-Auflösung punkten konnte. Mit dem HDX jedoch stößt Amazon nun in die Königsklasse vor – kann Jeff Bezos’ Firma vielleicht gar Apples iPad Air vom Thron stoßen?

Es spricht jedenfalls einiges dafür, das merkt man gleich nach dem Auspacken des Tablets. Das Gerät ist beispiellos leicht – es wiegt noch 100 Gramm weniger als das eh schon federleichte iPad Air. Der Bildschirm wirkt nicht viel kleiner als der des Apple-Tablets. Doch nach dem Einschalten wird schnell klar, dass Amazon wohl erstmals gelungen ist, ein besseres Display zu verbauen als Apple. Das sagen nicht nur Labor-Tests und die technischen Daten (2560 x 1600 Punkte versus 2048 x 1536), sondern auch die praktische Begutachtung. Trotz des geringen Gewichts muss die Akkulaufzeit übrigens nicht leiden, die bei sehr guten zehn Stunden liegt, wenn man nicht radikal spart (vor allem an der Bildschirmhelligkeit).

Das Karussel nimmt Inhalte aller Art auf – automatisch

Bei der Bedienung hat Amazon den unerfahrenen Anwender im Blick. Der Nutzer muss sich nicht um Formate oder verschiedene Inhalts-Typen kümmern. Wer eine CD aus dem Ständer oder ein Buch aus dem Regal nimmt, braucht ja auch kein Wissen über Audio-Standards oder Buchdruck. Jedes Objekt lässt sich im Karussel, der Haupt-Oberfläche, antippen und sofort benutzen. Wer eher den traditionellen Android-Bildschirm mag, kann das Karussel nun aber auch dauerhaft aus dem Blickfeld verbannen.

Natürlich ist der Fire HDX direkt ins Amazon-System eingebunden. Das hat einige Vorteile – ich war zum Beispiel überrascht, als ich plötzlich einige CDs, die ich vor ewigen Zeiten bei Amazon gekauft und dann verschenkt hatte, hier als MP3 wiederfand – Amazons Autorip-Programm sei dank. Aber natürlich macht Amazon auch nicht von sich aus den Weg in andere Läden frei. Das muss der Nutzer dann schon selbst unternehmen, mit ein paar Tricks, die Amazon immerhin nicht verhindert (und die Sie in meinem inoffiziellen Handbuch zum Kindle Fire HDX nachschlagen können). Es ist also möglich, Fremd-Apps zu installieren, sogar komplette Marktplätze, aber Amazon verrät nicht von sich aus, wie. So lässt sich zum Beispiel auch das ungeliebte Flash auf dem Fire HDX einrichten – manchmal braucht man es eben doch.

Die angeschrägten Ränder ermöglichen einen guten Klang

Das System selbst läuft hervorragend flott, Ruckler sind nie zu verspüren. Da die Seiten angeschrägt sind, klingen die Lautsprecher auch dann nicht dumpf, wenn das Tablet flach auf dem Tisch liegt. Wer seinen Kindle Fire HDX hinstellen will, kann dazu die 50 Euro teuren Origami-Cover nutzen. Das Problem dabei: Sie wiegen mit 300 Gramm fast so viel wie das Tablet selbst und machen damit aus einem Leichtgewicht einen schweren Brummer. Nichts für mich jedenfalls, auch wenn die Faltung cool aussieht und bequem funktioniert.

Das Origami-Cover dient als Schutz und als Standfuß

Wenn ich eine Kritik äußern muss, dann betrifft sie die mangelhafte Erweiterbarkeit. Weder ein Speicherkarteneinschub ist vorhanden noch ein HDMI-Anschluss. Immerhin verlangt Amazon nur einen vernünftigen Aufpreis für mehr Speicher: Wo Apple für 32 bzw. 64 GB je 90 bzw. 180 Euro haben will, ist Amazon mit 50 bzw. 100 Euro zufrieden. Zum Anschluss an einen Fernseher setzt der Fire HDX auf den Miracast-Standard. Das heißt, dass Sie vermutlich einen Zusatz-Empfänger brauchen, weil bisher nur wenige TV-Geräte diesen Drahtlos-Standard unterstützen. Beim iPad ist es zwar ähnlich – doch Amazon müsste sich ja nicht in jeder Hinsicht an diesem Konkurrenten messen…

Wer beim Lesen den Komfort eines Kindle Paperwhite gewohnt ist, muss mit kleineren Abstrichen leben. Übersetzungs-Wörterbücher für den Kindle kann der Fire HDX noch immer nicht verwenden (er kann aber online übersetzen). Und um Buchregale nutzen zu können, braucht man externe Apps, die Ordnung in der Sammlung schaffen.

Fazit

Mit dem Kindle Fire HDX gibt es erstmals eine echte, mindestens gleichwertige (aber günstigere) Alternative zu den Apple-Tablets auf dem Markt. Die Einschränkungen von Amazons Android-Variante sind überwindbar.

Technische Daten des Amazon Kindle Fire HDX 8.9

Bildschirm8,9 Zoll, 2560 x 1600 Punkte, Multitouch
Prozessor2,2 GHz
RAM2 GB
Speicher16 / 32 / 64 GB
BetriebssystemAndroid (mit Amazon-Oberfläche)
KommunikationWiFi (a/b/g/n), Micro-USB, LTE optional
Speicherkartekeine
Audio3,5 mm Klinke
eBook-FormateMobi (auch mit DRM), PDF, alles andere über externe Apps
BildformateJpeg, BMP, PNG, TIF
MusikformateDolby Digital (AC-3), Dolby Digital Plus (E-AC-3), DRM-freie AAC, 3, MIDI, PCM/WAVE, OGG, WAV, M4V, MP, AAC LC/LTP, HE-AACv1, HE-AACv2
Akku10 Stunden (WLAN/Video), 17 Stunden (Lesen)
Maße231 x 158 x 7,8 Millimeter
Gewicht374 Gramm (LTE: 384 Gramm)

Den Test des Kindle Fire HDX mit 7 Zoll Diagonale finden Sie hier.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

One Comment

  • Ich habe heute ebenfalls mein Kindle HDX 8.9 erhalten. Leider funktioniert die Vorgehensweise der Installation und dem abspielen bezĂĽglich dem Flash Player nicht auf meinem Kindle – es wird hier doch auch zum HDX 8.9 beschrieben oder täusche ich mich?

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