Autoren-Tipp: das Pseudonym und das Impressum im Buch oder eBook [Update]

Es kann ganz unterschiedliche Motive geben, den eigenen Namen nicht auf dem Cover eines Buches lesen zu wollen – vielleicht ist die erzählte Geschichte zu privat, der von den Eltern gewählte Name klingt auf einem Thriller nicht cool genug, das Genre (Erotik?) heikel oder neugierige Leser sollen nicht mal eben an der Haustür klingeln können. Die Lösung dafür scheint auf den ersten Blick klar: ein Pseudonym muss her.

Tatsächlich ist die Nutzung eines Pseudonyms auf den ersten Blick kein Problem. Amazon ermöglicht das ebenso wie alle eBook-Distributoren. Bei Amazons Authorcentral lässt sich sogar problemlos für das Pseudonym ein separates Profil anlegen. Der Teufel steckt jedoch wie immer im Detail.

Handelt es sich um ein weiches Pseudonym, darf der Leser also mit mehr oder weniger Recherche erfahren, welcher Mensch tatsächlich dahinter steckt, ist alles halb so schlimm. Schwieriger wird es, wenn der eigene Name auf keinen Fall auftauchen darf. Das sieht der Gesetzgeber nämlich nicht gern: Er fordert sowohl für gewerblich genutzte Webseiten (dazu zählen Websites für ein eigenes Buch selbstverständlich, aber auch eine Facebook-Seite) als auch für Bücher und eBooks ein Impressum. Und dieses braucht regelmäßig, wie es heißt, eine ladungsfähige Anschrift.

Was ist das? Das ist eine Adresse, unter der, so Wikipedia, “eine Rechtspartei anzutreffen ist”. Regelmäßig – das heißt, so ganz klar ist das nicht, denn die Impressumspflicht etwa in Büchern regeln Landesgesetze, die republikweit nicht eindeutig sind. Wer es für sich selbst ganz genau wissen will, kommt deshalb um die Konsultation eines Anwalts nicht herum. Die Impressumspflicht für Websites ist im Telemediengesetz des Bundes festgehalten – ihr entgeht nur, wer keine Website für das Buch oder das Pseudonym betreibt. Als Anschrift genügen dabei weder Postfächer noch E-Mail-Adressen.

Was droht beim “Vergessen” des Impressums? Die größte Gefahr geht hier wohl von Anwälten aus, die sich auf Abmahnungen spezialisiert haben. Website-Betreiber können ein Lied davon singen. Den Markt der eBooks scheinen diese Anwälte zwar noch nicht entdeckt zu haben, aber das muss ja nicht so bleiben… Sich hinter dem großen Amazon zu verstecken, dürfte da auch wenig helfen, denn im Zweifel haftet Amazon sonst mit und wird die Adresse dann wohl herausgeben.

Vier Vorgehensweisen, die Impressumspflicht umzusetzen, bieten sich an:

1. Eigenen Verlag nutzen

Beim Gewerbeamt einen Verlag anzumelden, kostet keine 100 Euro. Im Impressum muss der Verlag je nach Bundesland mit Name (bei nicht ins Handelsregister eingetragenen Firmen Vor- und Nachname des Unternehmers) und Ort oder mit kompletter Anschrift genannt werden. Das Pseudonym kann sich dann hinter dem Verlag “verstecken”. Amtliche Stellen oder Anwälte bekommen die komplette Adresse über das Gewerbeamt heraus. Selbstverleger behalten dabei in der Regel ihren freiberuflichen Status (KSK-Mitglieder sollten das trotzdem vorab mit der KSK klären). Vielleicht kennen Sie auch einen freundlichen Kollegen, der seinen Verlagsnamen zur Verfügung stellt?

2. Postfach mieten

Anbieter wie Maildrop24 haben sich darauf spezialisiert, virtuelle Geschäftsadressen zu vermieten. Dabei handelt es sich nicht um Postfächer, sondern gewöhnliche Anschriften. Hier zahlt man je nach Leistung ab etwa 30 Euro im Monat. Die eingetroffene Post wird entweder nachgesandt oder eingescannt und per E-Mail zugeschickt.

3. Pseudonym-Service

Einige Firmen bieten einen eigenen Pseudonym-Service. Auch hier werden Name und Anschrift gestellt und die Post weitergeleitet.

4. Distributor nutzen

Einige eBook-Distributoren setzen automatisch ihr eigenes Impressum ans Ende Ihres eBooks. Das ist, nutzt man die dort gekauften ISBNs, etwa bei BoD der Fall. Die Firmen treten damit als Verlag auf, über den der Autor erreichbar ist.

Altes Impressum

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

28 Kommentare

  1. Danke für den Artikel! Ich habe im obrigen Kommentar etwas gesehen und ich muss nochmal nachhaken: Wenn ich ein englisches Buch ausschließlich auf dem US-amerikanischen Markt vertreibe, muss ich dann trotzdem ein Impressum angeben oder entfällt das? Muss ich das deutsche Impressum nur angeben wenn ich auch in Deutschland veröffentliche oder IMMER wenn ich in Deutschland wohne?

    Danke!

  2. Hallo,
    Ist es sinnvoller ist einen eigenen Namen zu nehmen?
    Ist es besser einen Pseudonym zu nehmen?
    Warum nehmen manche einen Pseudonym?
    Liegt es vielelicht daran das man nicht herausfinden soll über welche Themen der Autor/in schreib um sich vor der Komkurrenz uzu schützen?
    Oder nutzen manche den Trick da man so einfacher schnell einen anderen Pseudonym austauschen kann falls dieser zu schnell verbrannt ist?

    Freue mich auf schnelle Antwort.

  3. Pingback: Anonymous
  4. Kann/muss/darf ich das Pseudonym bereits beim Ausfüllen der KDP-Daten nutzen? Amazon hat ja meine Klardaten über meinen Amazon-Account (und natürlich aus den korrekten Angaben zur steuerlichen Veranlagung). Oder nutze ich das Pseudonym erst beim Anlegen eines neuen Titels im Bücherregal?

  5. Vielen Dank für die Zusammenfassung. Allerdings bleibt noch eine Frage offen wie ich finde.
    Wie sieht es aus, wenn man ein Ebook in englischer Sprache und für den ausländischen Markt über Amazon vertreiben möchte? Ist es dann möglich, als deutscher (auch Wohnhaft in Deutschland) auf das Impressum zu verzichten? Immerhin wird das Buch in Deutschland somit nicht erhältlich sein. Soweit ich weiß kann man die Vertriebsländer auf Amazon auswählen.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

  6. Der Beitrag von Thomas Knip ist bisher der einzig rechtlich abgesicherte dazu. Ich warne ausdrücklich als Journalist vor Abmahnungen! Das geht schneller, als man denkt, vor allem wenn man sich auf so genannte "Ratgeber", "Bibeln" o.ä. verlässt. Investiert lieber ein paar Euro für eine Eingangsberatung beim Anwalt.

  7. Eigentlich könnte ja Logik weiterhelfen? Oder?

    Betrachten wir kurz ein paar ausgewählte Beispiele:

    1. Muss ein Südafrikaner, der ein Ebook auf einem südafrikanischen server/Vertriebsplattform einstellt das deutsche Telemediengesetz/Pressegesetz einhalten, wenn es für grönländische, brasilianische und us-amerikanische sowie für deutsche Staatsbürger runterladbar ist? Na? Am deutschen Wesen, soll die Welt genesen, schon klar … Unser Südafrikaner muss die südafrikanischen Gesetze einhalten …

    2. Muss ein Deutscher, der sein Ebook ausschließlich(!) bei einem luxemburgischen Vertriebsdienst zum Download anbietet – welche Staatsbürger sein Buch kaufen und runterladen entzieht sich sowohl seiner Kenntnis als auch seiner Einflußnahme – das DEUTSCHE Telemedien/Presserecht einhalten? Nein, denn das Buch wird ja nicht in Deutschland veröffentlicht, sondern in Luxemburg. Die Gesetze dieses schönen Landes Luxemburg sind natürlich einzuhalten.

    Schlussfolgerung, rein logisch versteht sich: wenn ich ein Buch digital oder print in Großburgwedel oder Gera oder sonstwo in Deutschland veröffentliche, muss ich das deutsche Recht einhalten, veröffentliche ich in New York, das US-amerikanische, veröffentliche ich in Luxemburg eben das Lux-Recht. So seh ich das mal. ;-))

    Beste Grüße

  8. Ladungsfähige Adresse: Das heißt doch klar, dass ich keine Adresse in Deutschland benötige, sondern eine Adresse haben muss. Ansonsten wäre es nicht-deutschen, nicht-EU und anderen Adressaten verunmöglicht hier zu veröffentlichen (bei manchen Publikationen würden da allerdings niemand etwas dagegen haben, nicht mal der Verfassungsschutz). Dann könnte ich alles über meinen Bekannten im brasilianischen Amazonas-Gebiet abwickeln. Richtig. Normale Briefe kommen dort an (und das binnen 14 Tage) jedoch je kostspieliger ein Brief gemacht wird, desto eher wird er geplündert …

    1. Im Zusammenhang mit dem Stichwort “ladungsfähige Adresse”:
      Es wurde nach Bekanntwerden des Sachverhaltes, dass einerseits die NSA das deutsche Grundgesetz respektiert (Pofalla) aber andererseits illegalerweise Angela Merkel telefonisch seitens der NSA abgehört wurde, diskutiert Edward Snowden nach Deutschland vor Gericht zu laden, um ihn im Zusammenhang mit dem Abhören Angela Merkels (weil illegal, trotz Profalla) seine Zeugenaussage aufzunehmen. Ein Mitarbeiter der Bundesstaatsanwaltschaft sagte dabei den bedeutungsschwangeren Satz, dass man Edward Snowden schon gerne eine Ladung zur Zeugenaussage zuschicken würde, aber es fehle die ladungsfähige Adresse. Es ging dabei NICHT um die Kenntnis der Adresse des Adressates (Edward Snowdens), sondern gemäß der Aussage des Mitarbeiters darum, dass eine Adresse in Russland nicht ladungsfähig sei. Da wurde ich hellhörig. Hieße dass denn dann nicht, dass eine Veröffentlichung von Büchern seitens KDP-Autoren ohne ladungsfähige Adresse (weil außerhalb des rechtlichen Einflussbereiches der Bundesrepublik Deutschland) nicht rechtens wäre? Hieße das, falls jemand aus Uganda seine Bücher über KDP (mit Bankverbindung über PayPal) veröffentlicht, dieses bar jeder rechtlichen deutschen Grundlage veranstalten würde? Und das über eine Firma, deren Sitz außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland (aber innerhalb der EU) liegt? Gäbe ich also eine Adresse in Mosambique im Impressum meines Buches an und würde meine Abrechnung verwinkeln (also ohne Doppelsteuerabkommenbelange o.ä.), wäre dann meine Veröffentlichung illegal? Oder im Grauzonenbereich? Interessante Fragen, deren rechtliche Beurteilung spätestens bei verfassungsfeindlichen Schriften bislang keine höhere Instanz vorgenommen hat. Graubereich. Für mich unerheblich. Ich veröffentliche innerhalb der EU als EU-Bürger der BRD …

  9. Leider ist die Sache vom rechtlichen Standpunkt aus nicht so einfach.

    Ein Pseudonym darf für ein Impressum nämlich nicht verwand werden und ein Mail-Drop-Service um nicht seine Privatanschrift bekannt geben zu müssen wird ohne einen mit gemieteten Büroraum scheint auch eher nicht als ladungsfähige Anschrift gewertet zu werden.

    Ein Pseudonym- oder Mail-Drop-Service kann natürlich vor einem Abmahnanwalt schützen, der nach fehlerhaften Inpressen sucht, aber rechtlich sollte man sich damit nicht auf der sicheren Seite wähnen.

    Habe mich eine Zeitlang ausführlich mit dem Thema beschäftig und mit diversen Geschäftsadressen Anbietern telefoniert. Die Tücke liegt hier leider im Detail.

    mit freundlichen Grüßen
    Daniel von Euw

  10. Man muss aber noch mal ganz klar zwischen Impressumspflicht in der Publikation und Impressumspflicht auf der Website unterscheiden. Beide fordern eventuell unterschiedliche Angaben.

    Die erste wird geregelt durch das Pressegesetz des Bundeslands, in dem man seinen Wohnsitz hat, die zweite durch das Telemediengesetz, und das gilt bundesweit.Was in einem eBook funktioniert, muss auf einer Website nicht zwingend gültig sein.
    Für Websites empfiehlt es sich, § 5 TMG genau zu studieren: http://dejure.org/gesetze/TMG/5.html

    Eine fünfte Möglichkeit ist übrigens – gerade für Profis – einen Agenten zu nutzen. In diesem Fall reicht die Nennung der Anschrift des Agenten.

  11. Danke für die gute Zusammenfassung. Ich werde ständig gefragt, wie das mit Pseudonym und Impressum ist. In Zukunft kann ich auf diesen Artikel verweisen! Und die Vorgehensweisen 2. und 3. kannte ich noch gar nicht …

  12. Danke wieder für deinen interessanten Artikel! Ich habe auch schon seit geraumer Zeit damit gespielt, ein Pseudonym zu benutzen, allerdings nicht, um irgendeiner Schande zu entgehen 😉 sondern um die Jugendliteratur von der Erwachsenenliteratur abzugrenzen. Gut zu wissen, was noch dahinterstecken kann.

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