Daten-Analyse: Hat die Mehrwertsteuer-Umstellung in Deutschland zu höheren eBook-Preisen geführt?

Coins

Im Zuge der EU-weiten Umstellung der Mehrwertsteuer auf eBooks zum 1. Januar haben gerade Selfpublisher lange überlegt, was die beste Reaktion ist: Den bisherigen Preis beibehalten – und damit einen geringeren Gewinn akzeptieren? Oder doch die Leser an der für deutsche Käufer höheren Steuer beteiligen und dementsprechend die Preise erhöhen?

Im Vorfeld hatte sich ein leichtes Plus für die “Preis erhöhen”-Fraktion abgezeichnet. Aber wie haben die Autoren nun wirklich reagiert? Und wie spiegelt sich diese Entscheidung in den eBook-Preisen wieder?

Verlage, andererseits, hatten weniger Reaktionschancen. Sie könnten ihre Titel nur in allen Kanälen verteuern – liegen preislich aber sowieso schon über den Selfpublishern.

Betrachten wir also die Daten:

  • Selfpublisher, Top 10000: 3.1. – 3,89 Euro, 31.12. – 3,82 Euro
  • Verlage, Top 10000: 3.1. – 7,58 Euro, 31.12. – 7,47 Euro
  • Gesamt, Top 10000: 3.1. – 6,53 Euro, 31.12. – 6,45 Euro
  • Selfpublisher, Top 1000: 3.1. – 3,12 Euro, 31.12. – 2,86 Euro
  • Verlage, Top 1000: 3.1. – 7,34 Euro, 31.12. – 7,31 Euro
  • Gesamt, Top 1000: 3.1. – 5,58 Euro, 31.12. – 5,51 Euro
  • Selfpublisher, Top 100: 3.1. – 2,40 Euro, 31.12. – 1,95 Euro
  • Verlage, Top 100: 3.1. – 6,74 Euro, 31.12. – 6,54 Euro
  • Gesamt, Top 100: 3.1. – 4,68 Euro, 31.12. – 4,39 Euro

Es zeigt sich recht klar, dass vor allem bei den in den Charts platzierten Titeln die Preise im direkten Vergleich zum 31. Dezember deutlich gestiegen sind. Die Top 100 sind dabei weniger aussagekräftig, weil hier bis Jahresende diverse Preisaktionen liefen. Außerhalb solcher Aktionen haben eBooks von Selfpublishern in den Top 100 schon früher an die 2,40 Euro gekostet – das ist also nicht ungewöhnlich teuer.

Interessant sind aber die Top 1000: Hier haben wir es meist mit Autoren zu tun, die ihre Titel aktiv managen. Wenn hier der mittlere Preis um rund 25 Cent steigt, zeigt das, dass die meisten Selfpublisher die höheren Steuern tatsächlich zumindest teilweise weitergeben.

Ebenso gilt jedoch, was die “Gesamt”-Zeilen verraten: Auf die eBook-Preise insgesamt hat das nur geringen Einfluss, diese sind auch nach dem 1. Januar stabil.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

3 Kommentare

  1. Interessanterweise ist bei meinen Titeln nur einer im Preis gestiegen, zugleich der einzige, der bei KDP Select gemeldet war. Das macht auch durchaus Sinn, denn eine einseitige Preisänderung seitens Amazons bei nicht-exklusiven Titeln ergäbe in Deutschland und Österreich einen Verstoß gegen die Buchpreisbindung.

  2. Amazon hat die Preise automatisch an die Mehrwertsteuer angepasst. Erst dachte ich, der Bruttopreis würde gleichbleiben (wenn man ihn nicht selber ändert), und es würde einfach die erhöhte Merhwertsteuer von unseren Tantiemen abgezogen. :-/
    Wer also sehr viele Ebooks online hat, muss jeden Preis von Hand ändern, falls er keine Erhöhung wollte, oder seine Ebooks auch in anderen Shops anbietet.

Kommentare sind geschlossen.