Schätzung: Wie groß der Marktanteil von Selfpublishing-Titeln in Deutschland ist

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In der vergangenen Woche schlug eine Meldung des Branchenmagazins The Bookseller hohe Wellen. Basierend auf Zahlen der Marktforscher von Nielsen wurde daran der Anteil von Selfpublishern am britischen eBook-Markt auf 15 Prozent beziffert.

Nun ist der britische Buchmarkt insbesondere im Digital-Bereich schlecht mit dem deutschen Markt vergleichbar: Amazon mit seiner bekannten Offenheit für Indies hat dort fast 90 Prozent Marktanteil, und das eBook selbst soll schon bei 35 Prozent angekommen sein.

Wie sieht es demgegenüber in Deutschland aus? Hier ist Amazon ganz sicher kein Monopolist. Je nachdem, wen man fragt, liegt Jeff Bezos’ Firma im eBook-Bereich bei 45 bis 55 Prozent. Selfpublisher berichten in der Regel von höheren Anteilen – das liegt aber daran, dass man als unabhängiger Autor bei Amazon trotz des Markteintritts von Tolino Media noch immer leichter echte Sichtbarkeit erlangt.

Was heißt das konkret für den Marktanteil von Selfpublishern in Deutschland? Dazu kann ich anhand meiner Datenbank ein paar mehr oder weniger substanzielle Antworten liefern (zum Vergleich hier meine Umsatzschätzung für 2013). Natürlich ist die Rechnung mit allerlei Unsicherheiten behaftet.

  1. Der Tages-Umsatz der Top-100-eBooks (ca. 50.000 Euro) bei Amazon entspricht ungefähr einem Zehntel der gesamten täglichen eBook-Umsätze (ca. 500.000  Euro). Das ergibt jedenfalls eine Abschätzung über die Amazon-Top-1000 – die eine interessante Folgerung erbringt: Die Titel auf den Plätzen 101 bis 1000 erbringen mit ca. 80.000 Euro mehr Umsatz als die ersten 100 eBooks. Die Midlist ist damit im Vergleich zu 2013 erneut deutlich gewachsen, damals lieferten die Top 100 noch ein Viertel der Umsätze.
  2. Unabhängige Autoren hatten nach Anzahl der Veröffentlichungen über das ganze Jahr 2014 wie schon 2013 einen Anteil von rund 50 Prozent an den Top-100-Titeln. Wegen ihrer im Mittel deutlich niedrigeren eBook-Preise (meist um 2,30 Euro) lieg ihr Umsatzanteil über das komplette Amazon-Angebot derzeit bei einem Fünftel (100.000 Euro pro Tag).
  3. Auf den kompletten deutschen eBook-Markt bezogen heißt dass, dass Selfpublisher einen Anteil zwischen zehn und 15 Prozent besitzen müssen. Die zehn Prozent sind dabei sehr pessimistisch gerechnet – sie gälten nur dann, wenn Indies auf den anderen Plattformen gar keine Umsätze erwirtschaften würden. Geht man hingegen davon aus, dass Selfpublisher bei Tolino, Apple und so weiter etwa halb so gut vertreten sind wie bei Amazon, dann ist ein Gesamt-Anteil von 15 Prozent am eBook-Markt absolut realistisch.
  4. Am deutschen Publikumsmarkt für Bücher sollen eBooks einen Anteil von etwa acht Prozent besitzen. Für Selfpublisher lässt sich das auf einen Anteil von 2,25 Prozent am gesamten Buchmarkt (Publikumsmarkt) umrechnen. Hier sind Umsätze via Print on Demand noch nicht enthalten. Diese eingerechnet, erscheint eine Gesamtanteil von rund 3 Prozent am deutschen Buchmarkt für Selfpublisher realistisch.
  5. Der mittlere Tages-Umsatz eines Selfpublisher-Titels bei Amazon beträgt 25 Euro, in den Top 1000 bei 90 Euro und in den Top 100 bei 300 Euro. Der mittlere Umsatz von Verlagstiteln in den Top 100 beträgt 600 Euro, in den Top 1000 200 Euro und über alle Ränge 32 Euro. Dabei ist jeweils der Amazon-Anteil schon abgezogen, Leihen sind berücksichtigt.

Mit diesen Annahmen komme ich dann auf ca. 35 Millionen Euro Umsatz (exklusive Amazon-/Distributoren-Anteil), die Self Publisher 2014 (2013: 4,4 Millionen) in Deutschland erwirtschaftet haben. Diese Zahl besitzt allerdings einen recht hohen Unsicherheitsfaktor von ca. 30-50 Prozent.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Comments

  • Ja, da qualmt einem die Rübe, heißt aber auch, dass Selfpublishing den Verlagen insgesamt eigentlich nicht geschadet hat, 3%.

  • Guter Artikel. Vielen Dank

  • Punkt 5 kann so keinesfalls stimmen! Ich hatte ein Buch konstant in den Top 1000 für mehr als drei Monate (bis auf Pos. 275, sehr lange um Pos. 700) und das mit einem (geschätzten) mittleren Tagesumsatz von etwa 50 Euro.

  • Es bleibt uns AUTOREN, doch eigentlich gar nix anderes übrig, als selbst zu veröffentlichen! Die” Damen&Herren” der Verlage…die sind ja sooooo ALLWISSEND (siehe:Harry Potter!)…und…die sitzen auch ALLE auf einem so hohen Roß!
    DANKE…ich brauch k e i n e Briefe mit dem tollen Satz:”…und wünschen Ihnnen für ihren weiteren Lebensweg…!” Draufgeschissen!
    …meint
    Günter”YOGI”Lauke
    LaukeMedia.com
    franken-krimi.de

    • JAWOLL! So isses doch………….

  • Worauf basieren die 8% in Punkt vier? Ich vermute jetzt mal Nielsen, die Nielsen-Zahlen haben aber das Problem, nur Bücher mit ISBN zu erfassen, womit ein wahrscheinlich nicht geringer Teil der Indie-Autoren gar nicht als Teil des Buchmarktes zählt.

  • Es ist der mittlere Umsatz aller eBooks, die sich zumindest ab und zu verkaufen und ein Ranking haben. Titel ohne Ranking sieht der Grabber nicht. Der Median ist niedriger.

  • Wenn deine Zahlen unter 5. stimmen würde, würde ich diesen Kommentar jetzt von Barbados auf meinem Notebook aus 24 K Gold tippen. Ich würde die Kommastelle eher um eins nach links verschieben.
    Oder du berechnest den Median, aber nicht den Durchschnitt.

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