Tolino vision im Test: Leichter und komfortabler eReader

Als der Tolino shine vor etwas mehr als einem Jahr in Deutschland auf den Markt kam, erhielt er vor allem für die Idee des anbieterübergreifenden Einkaufens Lob. Dem Gerät selbst fehlten noch viele Funktionen, um es wirklich konkurrenzfähig zu machen. Allerdings hatte es Tolino auch nicht leicht: Es musste ja nicht nur ein brauchbarer eReader auf den Markt, es waren auch Verhandlungen unter mehreren Konkurrenten zu führen, die ganz gewiss nicht einfach abliefen. Dass am Ende doch noch ein “okayes” Lesegerät für eBooks entstand, auch wenn es nicht einmal mit Links umgehen konnte, ist fast ein Wunder.

Das vergangene Jahr hat dann gezeigt, dass es den Partnern durchaus Ernst mit ihrem Vorstoß war. Der Tolino shine hat (für manche Nutzer zwar zu langsam) Schritt für Schritt hinzugelernt. Mit Software 1.3.0 und der Möglichkeit, in verschiedenen Shops gekaufte eBooks in der Cloud zusammenzubringen, hat man die ursprüngliche Vision tatsächlich umgesetzt. Mittlerweile sind sogar die auf dem Gerät integrierten eBook-Läden benutzbar.

Die neue Hardware des Tolino vision

Ein guter Moment also, um die Hardware voranzubringen. Der Kindle Paperwhite (hier im Vergleich mit Tolino shine und Tolino vision) darf schon seit einiger Zeit die teurere, aber weitaus bessere eInk-Carta-Display-Technik nutzen – und die bekommt nun endlich auch Tolino. Das neue Modell Tolino vision ist gleichzeitig kleiner (sogar als der Paperwhite) und ein bisschen leichter geworden. Optisch hat der Vision im Vergleich zum Shine enorm gewonnen. Die hässliche Klappe am unteren Ende fällt weg, selbst die kleinen Knöpfe fühlen sich besser an und das ganze Gerät erinnert eher an ein schickes Tablet.

Die Funktionalität hat darunter nicht gelitten. Der Home-Button bietet zwar kein Feedback mehr, weil er kein echter Knopf zum Drücken mehr ist. Aber das erwartet der Nutzer durch den weitgehenden Verzicht auf Tasten (auch zum Blättern) ja wohl kaum noch. Zusätzliche Blätter-Tasten wie beim PocketBook Touch Lux 2 hätten mir zwar besser gefallen, fehlen beim Haupt-Konkurrenten Paperwhite aber auch.

Leichte Verbesserungen bei der Software

Die Einrichtung ist simpel. WLAN-Kennwort eingeben, Accountdaten beim Buchhändler des Vertrauens eintippen – fertig. Die Daten gelten auch für die Telekom-Cloud, in der gekaufte (oder hochgeladene) eBooks auf Abruf warten, ohne Speicher im Gerät zu belegen. Zusätzlich braucht man allerdings meist noch eine Adobe-ID, sonst lassen sich Titel mit DRM nicht lesen. Neuer Lesestoff kommt aus den integrierten eBook-Shops (je nachdem, wo man das Gerät gekauft hat). Die sind inzwischen ebenfalls brauchbar. Alternativ kann man auch am PC kaufen (etwa beim DRM-freien Anbieter Beam) – Hauptsache, eBooks kommen im ePub-Format, dem Industriestandard.

Beim Lesen läuft das neue Display im Verein mit dem beschleunigten Prozessor zur Höchstform auf. Durch das schnellere Blättern verschwindet der Nerv-Faktor, den ein eBook im Vergleich zum gedruckten Buch immer noch besitzt. Im Vergleich zum Tolino shine wirkt die Beluchtung wärmer, aber auch etwas weniger hell. Die Möglichkeiten beim Lesen sind im Vergleich zum Tolino shine kaum gewachsen. Notizen werden nun in Textdateien abgelegt, die man auch separat öffnen kann (in der Datei sind auch Markierungen und Lesezeichen erfasst), das Gerät lässt sich mit Code sichern, man kann den Tolino auf Englisch umschalten und – tadaaa, es gibt nun endlich eine Screenshot-Funktion: einfach länger auf den Einschalt-Knopf drücken. Sehr praktisch für Tests wie diese… Farbe zeigen die Screenshots natürlich auf dem Tolino selbst nicht. Weitere Funktionen wurden nicht ausgebaut, auch die Tolino-Wörterbücher sind auf dem alten Stand.

Natürlich kann ein eReader nur so gut sein wie das dafür verfügbare eBook-Angebot.  Amazon hat hier mit den oft exklusiven Bestseller-Titeln von Self Publishern einen echten Vorsprung – insofern verwundert es, dass Tolino so gar keine Inititiative in dieser Richtung zeigt. Sparen kann man durch die Preisbindung aber bei keinem deutschen eBook-Anbieter.

Fazit: Der Tolino vision ist eine ernzunehmende Konkurrenz für Amazons Kindle Paperwhite geworden; das Gerät ist leicht, komfortabel und schnell. Es gibt jedenfalls kaum noch technische Gründe, beim US-Anbieter einzukaufen.

Hier gehts zum inoffiziellen Handbuch für den Tolino vision.

Technische Daten des Tolino Vision

Bildschirm6 Zoll, 758 x 1024 Punkte, eInk (Carta), 16 Graustufen, Touchscreen
Prozessor1 GHz
RAM512 MB
Speicher4 GB
BetriebssystemAndroid
KommunikationWiFi (b/g/n), Micro-USB
SpeicherkarteMicroSD (bis 32 GB)
Audionein
eBook-FormateePub, PDF (beide mit DRM), TXT
BildformateJpeg, BMP, PNG, TIF
Musikformatekeine
Akku7 Wochen (WLAN aus, 1/2 Std/Tag)
Maße163 x 114 x 8,1 Millimeter
Gewicht178 Gramm
Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂŒber 50 BĂŒcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂŒr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂŒnchner Verlagsgruppe tĂ€tig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist fĂŒr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂŒr SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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