Wie man ein “Kindle All Star” wird – und was der Fonds über den Erfolg von Kindle Unlimited verrät

Eine teilweise Liste der eBook-All-Stars
Eine teilweise Liste der eBook-All-Stars

Zusätzlich zur normalen Auszahlung pro Leihvorgang in KindleUnlimited und Kindle-Leihbibliothek hat Amazon nun auch in Deutschland Boni für “Kindle All Stars” eingeführt. Diese Zahlungen sollen bei den Lesern besonders beliebte Autoren und eBooks zusätzlich belohnen.

Doch wie werden sie berechnet? Amazon geht dabei erklärtermaßen so vor:

  • Für alle in KDP Select eingestellten eBooks addiert man zunächst die Verkaufs- und Leihzahlen für den Abrechnungsmonat. Die Autoren der dabei erstplatzierten 100 Titel erhalten zusätzlich zwischen 250 und 750 Euro. Die Liste der so ermittelten eBooks ist online leider nicht direkt abrufbar (unter einem speziellen Link sind zumindest 57 Titel aus belletristischen Genres abrufbar). In die Verkaufscharts gehen Leihvorgänge zwar auch ein, aber diese Charts ändern sich im 24-Stunden-Rhythmus. Die “All Stars”-Liste sollte aber dem Beliebtheitsranking ähneln (natürlich ohne die Verlagstitel), das man beim Durchstöbern des Shops über die Kategorien erhält. Dieses Ranking gilt jeweils für die letzten 30 Tage. Natürlich muss es auch hier Unterschiede geben, denn die “All Stars” werden ja für einen konkreten Monat ermittelt (zuletzt für Oktober) – und jetzt haben wir schon Mitte November.
  • Im zweiten Schritt addiert Amazon die oben ermittelten Zahlen für alle in KDP Select eingestellten Titel jedes KDP-Autors. Auch daraus ergibt sich eine Rangliste, die nicht online abrufbar ist. In den USA hat Amazon allerdings allen Autoren ihren Platz in der Rangliste mitgeteilt, mitsamt der sich dadurch ergebenden Auszahlung.

Was veraten die Leihquoten und der KU-Fonds nun über den Erfolg von KindleUnlimited? Im September lag der Fonds noch bei 5 Millionen US-Dollar bei einer Auszahlung von 1,52 Dollar – das ergibt knapp 3,3 Millionen Ausleihen. Im Vergleich zum August war diese Zahl kaum gestiegen. Im Oktober hingegen haben Amazon-Kunden weltweit 4,2 Millionen eBooks ausgeliehen (5,5 Millionen Dollar im Fonds geteilt durch 1,33 Dollar Auszahlung).

Diese rund 900.000 zusätzlichen Ausleihen (etwa 27 Prozent Zuwachs, also immerhin mehr als ein Viertel ) gehen aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto der Kunden in Großbritannien und Deutschland, wobei die Briten ein paar Tage Vorsprung hatten (24. 9. versus 7. 10.). Nicht mitgezählt sind dabei jedoch Ausleihen von Verlagstiteln. Schaut man sich das Kundenverhalten in Deutschland anhand der Leihzahlen erfolgreicher KDP-Autoren an, werden höherpreisige Titel anscheinend bevorzugt.

Nimmt man nun pessimistisch an, dass noch einmal 450.000 Leihvorgänge von Verlagstiteln hinzukommen, für die Amazon deutlich mehr als 1,07 Euro zahlt, liegt Amazons Investitionssumme für Deutschland und Großbritannien sicher nicht unter 2 Millionen Euro pro Monat. Um damit schwarze Zahlen zu schreiben, wird Amazon in beiden Ländern zusammen wenigstens 250.000 zahlende Kunden acquirieren müssen. Zum Vergleich: Europaweit dürfte Amazon für das “Prime”-Programm (49 Euro pro Jahr, inkl. “Instant Video”) ca. 250.000 Kunden gewonnen haben, darauf deuten jedenfalls die Leihzahlen der Kindle-Leihbücherei hin.

Wieviele eBooks muss man verkauft und verliehen haben, um “All Stars”-Autor zu werden? In den KBoards hat das jemand für die USA zusammengestellt. Wenn man nun überschlägt, dass ein Viertel der Ausleihen in Europa stattfanden und davon die Hälfte in Deutschland, müssten die hierzulande erforderlichen Zahlen etwa bei einem Achtel der US-Zahlen liegen, also etwas unter 1000 (Ausleihe plus Verkäufe aller Titel in KDP Select).

Mehr zu Kindle Unlimited erfahren Sie im (für KU-Nutzer kostenlosen) eBook KindleUnlimited – das inoffizielle Handbuch. Anleitung – plus: die besten Leih-eBooks“.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

  1. Auf 1000 verkaufte Bücher komme ich locker – All Star werde ich nicht, weil ich nicht, weil ich nicht exklusiv bin – das ist doch irgendwie unlogisch. Nicht, dass ich jetzt unbedingt ein Star werden möchte ;-), aber da wird den Kunden doch Hohlsinn erzählt. Odr sehen die Leser das gar nicht?

  2. Alles Kaffeesatzleserei. Wer weiß schon, ob die veröffentlichten Zahlen stimmen. Davon hinge die gesamte beschriebene Kalkulation ab. Es gibt kein Gesetz, dass Amazon dazu zwingt, die Wahrheit zu schreiben.
    Für mich sind diese Flatratetarife für die Autoren/Verleger eine einzige Blackbox. Ich (Verleger) weiß nicht, wieviel ich warum wofür bekomme.
    Wieviel (Euro) wird wann (Tage nach Erstausleihe) wofür (wieviel Prozent vom Buch gelesen) ausgezahlt und warum (Aufschlagen, schnelles Blättern oder Lesen)?
    Und was ist mit Büchern, die niemals angefasst werden sondern ungelesen im Bücherregal verbleiben bis sie durch ein anderes Buch ersetzt werden? Meine private Papierbibliothek ist voller Bücher, die ich niemals gelesen habe. Und kann man diesen Zugriffszahlen überhaupt vertrauen? Wie sicher sind die Algorithmen und die Software, die die gelesenen Seitenzahlen addiert? Bei einem regulären Kaufvorgang fließt Geld, zur Not lässt sich das auch Jahre später noch aufschlüsseln, denn ein Kaufvorgang ist ja auch ein justiziabler Begriff. Was lässt sich schon bei einer Ausleihe verbindlich feststellen? Nichts. Wir müssen den Angaben des Shops vertrauen.

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