Die Ergebnisse der großen Selfpublishing-Studie 2014: Fragen 1 bis 10

Unsere im vergangenen Jahr zum ersten Mal erfolgreich durchgeführte Umfrage zum Stand des Self Publishing in Deutschland ist seit 18. Juni abgeschlossen. Wir wollen die Teilnehmer (und alle Neugierigen) nicht zu sehr auf die Folter spannen – deshalb hier nun Schritt für Schritt die Ergebnisse. Wir beginnen mit den Fragen 1 bis 10.

Insgesamt haben diesmal 851 (2013: 508) Autorinnen und Autoren den kompletten Fragebogen ausgefüllt, was mit 50 Fragen wirklich keine leichte Aufgabe war. Das zeigt auch ein bisschen, wie die Szene insgesamt gewachsen ist. Entwickelt wurden die Fragen von Hilke-Gesa Bußmann und Matthias Matting. Es erfolgte keinerlei Finanzierung von außen. Alle wichtigen Distributoren und Dienstleister haben uns mit Hinweisen auf die Umfrage unterstützt. Vielen Dank auch dafür noch!

Die Umfrage fand vom 22. Mai bis zum 18. Juni statt. Limequery ist ein auch schon im vergangenen Jahr bewährtes, unabhängig entwickeltes Umfragetool.

Der Hinweistext zur Umfrage auf selfpublisherbibel.de wurde 71 mal getwittert und erhielt 187 Likes bei Facebook. Die Seite weist insgesamt 2435 Abrufe auf, verbreitet wurde teilweise allerdings auch der direkte Link auf den Limequery-Server.

Die Startfrage lässt eine gewisse Reifung der Szene erkennen. Im Vergleich zu 2013 haben nicht knapp 9, sondern knapp 13 Prozent der Antwortenden schon über 10 Titel veröffentlicht. 

Self Publisher sind schnell: Jeder Fünfte braucht weniger als vier Monate pro Veröffentlichung. Nur ein Viertel lässt sich länger als ein Jahr Zeit.

Das verlagsunabhängige Publizieren scheint ein wenig lukrativer geworden zu sein. Der Anteil der Autoren, die weniger als 50 Euro im Monat einnehmen, ist im Vergleich zu 2013 um fünf Prozentpunkte gesunken. Jeder Zehnte verdient aber auch schon über 1000 Euro im Monat (2013: jeder Zwölfte), und einige Top-Autoren (rund 3 Prozent) können mit mehr als 5000 Euro monatlich definitiv vom Schreiben leben. Der mittlere Verdienst aller Antwortenden lag 2014 bei 494 Euro, 2013 waren es noch 312 Euro.

Misst man Erfolg nicht in Euro, sondern in Chart-Platzierungen, scheint er besser greifbar. Immerhin 49 der 851 Teilnehmer gaben an, bereits eine Nummer-1-Platzierung erreicht zu haben. 226 – und damit jeder Dritte – sind zumindest schon einmal in den Top 100 untergekommen.

Bei den Veröffentlichungswegen liegt nach wie vor das eBook deutlich vorn. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist hier schwieriger, weil wir in diesem Jahr detaillierte gefragt haben. Überrascht hat, wie vergleichsweise häufig auch enhanced eBooks produziert werden. Hörbuch und App scheinen hingegen noch nicht wirklich angekommen – vermutlich, weil es hier an einfachen und preisgünstigen Veröffentlichungs-Wegen fehlt.

Freiheit und Kontrolle – das sind die wesentlichen Gründe, die für die Entscheidung für das Self Publishing angeführt werden. Keinen Verlag gefunden zu haben. motiviert nur jeden Vierten zum Indie-Dasein, ebenso wie das womöglich leichtere Geldverdienen. Die Antworten zeigen damit auch eine durchaus realistische Sicht des Marktes. Wer Self Publisher ansprechen will, muss ihnen darum wohl alle Freiheiten geben und sie ihr Produkt selbst bestimmen lassen.

Seit 2011 gibt es Kindle Direct Publishing in Deutschland – der Markteintritt von Amazon hierzulande hat dem Self Publishing definitiv den entscheidenden Impuls gegeben. Das ist auch am “Reifegrad” der Indie-Autorinnen und Autoren erkennbar. Inzwischen ist die absolute Mehrheit länger als ein Jahr im Geschäft. Der Anteil der Neulinge mit unter sechs Monaten Erfahrung sinkt von 29 auf 21 Prozent.

Der Anteil der ehemaligen oder fortgesetzten Verlagsautoren unter den Antwortenden ist in diesem Jahr leicht gesunken. Fast 55 Prozent der Self Publisher haben nie bei einem Verlag veröffentlicht.

Die Distributoren haben im abgelaufenen Jahr offenbar Boden gut gemacht. Autoren erkennen wohl zunehmend, dass auch Tolino-Allianz, Apple oder Google gute Absatzchancen bieten. Der Anteil derer, die nur auf Direktbelieferung von Amazon & Co. setzen, ist jedenfalls auf unter 50 Prozent gesunken. Über einen eigenen Shop verkauft hingegen nur jeder Zwanzigste.

Frage 10 lässt erkennen, warum der Anteil der reinen Indie-Autoren gestiegen ist. Bereits ein Drittel der Self Publisher hat es gar nicht erst mit der Verlagsbewerbung probiert, 2013 war es noch ein Viertel. Entsprechend sank der Anteil derer, die mehr als sieben Mal ihr Exposé abgeschickt haben.

Teil 2 der Self-Publishing-Studie: Fragen 11 bis 20.
Teil 3 der Self-Publishing-Studie: Fragen 21 bis 30.
Teil 4 der Ergebnisse der Umfrage: Fragen 31 bis 40
Teil 5 der Ergebnisse der Umfrage: Fragen 41 bis 50

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

21 Kommentare

  1. Schöne Fleißarbeit; das Ganze zu analysieren, wird wohl erst nach einer oder zwei weiteren Umfragen möglich sein/ein Bild ergeben. Die grafischen Ausflüge der Darstellung finde ich nicht gut, verwirren mehr. Bitte mehr Sachlichkeit; soll ja hier kein Grafikwettbewerb für Statistiken sein.

  2. Dem kann ich mich nur anschließen. Die Gruppe von Autoren unter 50 € wundert mich nicht. Die besser verdienende Gruppe finde ich allerdings erstaunlich. Matthias Matting weißt du, ob das vor allem Romane, Serien (unwahrscheinlich) oder Sachbücher sind?

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