Self Publishing in Deutschland: die ersten Ergebnisse der Umfrage

Noch ist die Auswertung der Studie nicht komplett abgeschlossen. Das kann zwar nur noch wenige Tage dauern – trotzdem wollen wir schon einmal die ersten Ergebnisse vorstellen. Alle Daten werden künftig komplett und kostenlos im Excel- und PDF-Format hier abrufbar sein, die Studienergebnisse sind unter CC-Lizenz freigegeben. Außerdem wird es die eBook-Version der Studie kostenlos bei allen eBook-Anbietern in Deutschland zum Download geben.

Über die Umfrage

Zuerst die nackten Daten. Die unabhängige Umfrage fand vom 22. Mai bis zum 16. Juni unter http://selfpublishing.limequery.com/index.php/756156/lang-de statt. Limequery ist ein unabhängig entwickeltes Umfragetool, das sich in der Forschungslandschaft großer Beliebtheit erfreut.

Die insgesamt 50, in deutscher Sprache formulierten Fragen befassten sich mit der Arbeit der Self Publisher, mit ihren Motiven und ihrer Person. Entwickelt wurden sie von Hilke-Gesa Bußmann (Goethe-Universität Frankfurt) und Matthias Matting (selfpublisherbibel.de). Es erfolgte keinerlei Finanzierung von außen.

Die Dienstleister BoD, Bookrix, epubli, Neobooks und Xinxii (bitte teilen Sie uns mit, wenn wir entsprechende Meldungen verpasst haben!) unterstützten die Umfrage, indem sie den Link dazu per Newsletter und über Social-Media-Kanäle an ihre Kunden weitergaben. Vielen Dank dafür! Die Initiatoren der Studie selbst teilten den Link über ihre eigenen Kanäle sowie in der Gruppe “Self Publishing” bei Facebook.

Der Hinweistext zur Umfrage auf selfpublisherbibel.de wurde 98 mal getwittert, erhielt 301 Likes bei Facebook und 24 Erwähnungen bei Google+. Die Seite weist insgesamt 1604 Abrufe auf, verbreitet wurde teilweise allerdings auch der direkte Link auf den Limequery-Server.

Das Ergebnis der knapp vierwöchigen Laufzeit sind 508 vollständig ausgefüllte Fragebögen. Dazu kommen 296 unvollständige Antworten. Allein daraus ist nur schwer abzuschätzen, wie repräsentativ die Studienergebnisse tatsächlich sind. Konkrete Kundenzahlen für die einzelnen Dienstleister liegen zumindest öffentlich nicht vor.

Vertraulich wurden uns von einzelnen Unternehmen Zahlen genannt, die über die (aus der Umfrage ablesbare) Schätzung der Marktanteile eine Gesamtzahl von 70.000 Menschen errechnen lässt, die sich in Deutschland mit dem Thema Self Publishing beschäftigen (diese Zahl ist wirklich nur als sehr grobe Schätzung zu betrachten). Mit über 500 Teilnehmern stellt die Studie insofern einen sehr guten Querschnitt dar (0,7 Prozent).

Durch die Selbstauswahl der Teilnehmer, verbunden mit der Ausführlichkeit der Umfrage, dürften Autoren mit mittlerem bis großem Interesse am Studienthema überproportional vertreten sein. Das wirkt sich vermutlich auf Datenpunkte wie den mittleren Verdienst, die Erfahrung als Self Publisher oder die Anzahl bereits veröffentlichter Titel (im Verlag oder als Self Publisher) aus – das sollte der aufmerksame Leser also im Hinterkopf behalten.

Bei Fragen, die nicht lediglich Daten aus bestimmten Intervallen erfassten, randomisierte die Umfragesoftware automatisch die Reihenfolge der Antwortoptionen. So blieb gesichert, dass die ersten Antwortmöglichkeiten nicht bevorzugt ausgewählt wurden.

Fragen 1 bis 5

Frage 1: Wieviele Titel haben Sie bereits veröffentlicht?

Während ein Viertel der Teilnehmer erst ein Buch veröffentlicht hat, bringen rund 30 Prozent es bereits auf drei bis fünf Bücher. Noch gar kein Werk veröffentlicht haben nur sechs Prozent. Hier könnte es sich auch um am Thema anderweitig interessierte Nutzer handeln.

Frage 2: Wie hoch sind Ihre monatlichen Einnahmen aus selbst veröffentlichten Büchern?

Fast die Hälfte der Teilnehmer gibt an, monatlich nicht mehr als 50 Euro einzunehmen. Berücksichtigt man, dass nur 31 Prozent keines oder nur ein Buch veröffentlicht haben, scheint Self Publishing für die Mehrheit noch nicht zu einer signifikanten Einnahmequelle geworden zu sein. Nimmt man an, dass für alle Antworten ein Monatsverdienst aus der Mitte des jeweils genannten Intervalls vorliegt (sowie bei Einnahmen über 2000 Euro ein mittlerer Verdienst von 3000 Euro), dann ergeben sich mittlere Monatseinnahmen deutscher Self Publisher in Höhe von 312 Euro. Immerhin 20 der Teilnehmer (knapp 4 Prozent) erzielten jedoch über 2000 Euro. Auf die schätzungsweise 70.000 deutschen Indie-Autoren hochgerechnet wären damit 2800 in der Lage, monatlich ein derartiges Einkommen zu erzielen.

Frage 3: In welcher Form veröffentlichen Sie?

Neun von zehn Umfrageteilnehmern veröffentlichen eBooks. Self Publishing ist jedoch kein reines eBook-Phänomen: 60 Prozent der Antwortenden hat auch oder nur gedruckte Bücher publiziert. 6 Prozent setzen rein auf gedruckte Bücher, 37 Prozent gibt nur eBooks heraus.

Frage 4: Welchen Veröffentlichungsweg nutzen Sie?

Zwei Drittel der Teilnehmer stellen ihre Titel direkt bei einem eBook-Anbieter ein, 60 Prozent nutzen einen Drittanbieter als Distributor. Da manche Distributoren ihren Service nicht-exklusiv anbieten, summieren sich die Antworten auf über 100 Prozent. Zu bedenken ist an dieser Stelle auch, das die Frage nach den Veröffentlichungswegen im Generellen gestellt wurde. So ist es durchaus denkbar, dass die Self Publisher in Bezug auf ihre verschiedenen Werke unterschiedliche Distributionsentscheidungen treffen. Die Aufteilung ist gerecht: ein Drittel der Antwortenden nutzt nur den Weg über Distributoren, ein zweites Drittel geht nur direkt in die Shops und das letzte Drittel nutzt beide Wege.

Frage 5: Warum veröffentlichen Sie?

Die Motivation der Self Publisher ist sehr vielfältig. Knapp die Hälfte veröffentlicht, um mit ihren Büchern Geld zu verdienen. Mehr als ein Drittel betrachtet das Publizieren aber auch als Hobby. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und nach Bekanntheit halten sich mit je 40 Prozent die Waage.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

13 Comments

  • Die Wirklichkeit ist noch viel KRASSER! Die Selfpublisher-Verlage tun doch NIX! Behaupten zwar ALLE, dass sie die BĂĽcher bewerben – tun sie aber NICHT! Die kassieren nur!

  • Hallo,

    super Umfrage, allerdings habe ich doch im Einzelnen mit dem Design einige Probleme bzw. RĂĽckfragen:

    Frage 3: Welche Teilergebnisse gibt es hierbei, also wieviele Selfpublisher veröffentlichen nur und ausschließlich als E-Book, P-Book oder beides? Lässt sich das noch angeben?

    Gleiches zu Frage 4: Zwar ist oben beschrieben, wie es ohne Mehrfachnennung zu einer Gesamtheit von mehr als 100% kommt, doch sind die Teilzahlen noch zu erhalten? Also nur Distributor, nur Anbieter und beides/bzw. titelabhängig?

    WĂĽrde mich ĂĽber die Details freuen.

    • Hallo, interessante Fragen, dazu muss ich mir die Einzelantworten noch einmal genauer ansehen.

    • Ok, hier noch Einzelergebnisse:

      Frage 3: 32 von 508 veröffentlichen NUR Print, 190 von 508 veröffentlichen NUR eBooks.
      Frage 4: 157 von 508 veröffentlichen NUR über einen Distributor, 173 von 508 veröffentlichen NUR direkt.

      (habs im Text eingefĂĽgt)

      • besten Dank – also doch alles hybrid 🙂

  • Mir erschlieĂźt sich die Zahl von 70.000 nicht.
    Zudem bedeutet ja eine "Gesamtzahl von 70.000 Menschen (…), die sich in Deutschland mit dem Thema Self Publishing beschäftigen" nicht, dass diese alle AutorInnen sind. Oder solche, die sich als Selfpublisher definieren. Meine Mutter (70+) veröffentlicht auch Gedichte und Geschichten auf Plattformen, ohne irgendeine kommerzielle Absicht zu verfolgen.

    Das ändert nichts an der Aussagekraft der Zahlen. Die Größenordnung, die SP in Deutschland hat, müsste aber in einer weiteren Umfrage untersucht werden.

  • Interessante Ergebnisse – schauen wir mal, wie sich die Zahlen dann mit der Realität der nächsten Wochen vergleichen lassen …

  • Wirklich interessant. Danke, Matthias 🙂

  • Sehr spannende Ergebnisse, vor allem die Nutzung der Distributoren. Wir sind auf die Gesamtauswertung gespannt und werden darĂĽber auf unserem Blog: http://blog.xinxii.de/ gern berichten.

    Eine kurze Nachfrage noch: Was beinhaltet die Einteilung von Distributoren in nicht-exklusiv und exklusiv? Wir selbst nutzen eine solche Einteilung nicht und sind daher neugierig.

    Vielen Dank und viele GrĂĽĂźe

    von Katja/XinXii-Marketing

    • Exklusiv meint Distributoren, die alle Plattformen selbst beliefern wollen. Nicht-exklusiv ist das Xinxii-Modell 🙂

      • Zusatz: Bei XinXii kann sich der Autor auch die einzelnen Shops, an die er geliefert werden möche, auswählen und einzelne ausschlieĂźen.

        Betonen wĂĽrde ich dazu gern, dass bei uns der Distributionsservice nicht nur von Anfang an immer kostenlos war und es auch bleibt – wir konvertieren auch kostenfrei ins ePub-Format. Dadurch nehmen wir dem Autor viel Arbeit ab und gestalten die Distribution so einfach wie möglich.

  • Die Ergebnisse bestätigen die EindrĂĽcke, die ich bei Gesprächen sowohl im deutsch- wie englischsprachigen Raum gewonnen habe. Vielen Dank fĂĽr die FleiĂźarbeit!

  • Interessante Ergebnisse, ich bin auf die Auswertung der gesamten Studie gespannt. Dann ist auch ein Vergleich mit den Ergebnissen der Taleist-Studie (2012, Self-Publishing im englischsprachigen Raum) möglich.

16 Pingbacks

Comments are closed.