KindleUnlimited November: Wieviel Verkäufe Sie brauchen, um einen AllStar-Bonus zu erhalten

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Mit “AllStar”-Boni versucht Amazon, die eher unbefriedigenden Auszahlungen für die KindleUnlimited-Flatrate auszugleichen. Die E-Mails mit der Benachrichtigung sind inzwischen durch, die Sternchen verteilt. Anders als im Oktober hat Amazon diesmal keine konkreten Ränge mitgeteilt, nur die Rangstufe. Deshalb sehen Grafik und Listen diesmal etwas anders aus.

Um 500 Euro Autoren-Bonus zu erhalten, mussten Sie im November knapp 1000 eBooks verkaufen und verleihen (die Summe zählt). Mit ca. 1400 hätten Sie den 1500-Euro-Bonus bekommen. Die Grenze zum 2500-Euro-Bonus liegt bei etwa 3000 Exemplaren. 3500 Euro gab es dann ab rund 5000 Stück, 5000 Euro bei Absatzzahlen um 7000 und 7500 Euro bei über 10000.

Bei den einzelnen Titeln ist es übersichtlicher. Etwa 1300 Exemplare ergeben 250 Euro, rund 2600 brauchte man für 500 Euro. 750 Euro gab es dann bei ungefähr 10.000 Verkäufeb und Ausleihen.

Im Vergleich zum Oktober haben sich die Zahlen kaum geändert. Das heißt, dass auch der KindleUnlimited-Kundenstamm ähnlich groß sein muss – obwohl die im Oktober geworbenen Abonnenten nun nicht mehr kostenlos testen können. Damit ist entweder die Bleibe-Rate erstaunlich hoch, oder Amazon konnte im November noch einmal zahlreiche Neukunden gewinnen. Vermutlich gilt eine Kombination beider Faktoren. Aber selbst wenn die Hälfte der Tester nach dem Probemonat abspringt, stellt es einen enormen Erfolg für Amazon dar, die andere Hälfte zum Zahlen gebracht zu haben. Aus Lesersicht ist die Flatrate demnach wohl durchaus interessant.

Bemerkenswert ist bei den Autoren-Boni vor allem der mittlere Bereich. Bei rund 2000 Verkäufen und Leihen liegt das Einkommen eines Amazon-Autors bei grob gerechnet 3500 Euro (1500 Verkäufe mal 2 Euro pro Verkauf plus 500 Leihvorgänge à 1 Euro). Der Bonus von 1500 Euro macht dann 40 Prozent der normalen Auszahlung aus oder 30 Prozent des Gesamtverdienstes in diesem Monat.

Da es ein KindleUnlimited-Bonus ist, den Amazon sonst nicht zahlen müsste, könnte man ihn auch auf die Ausleihen umrechnen: Die 500 Ausleihen dieses fiktiven Autors hätten Amazon demnach rund 2000 Euro gekostet. Oder anders formuliert: Pro Ausleihe erhält der AllStar-Autor 4 Euro statt 1,13 Euro. Ich bin gespannt, wie Amazon diese nicht ganz billige Strategie durchhält – immerhin zahlen die KindleUnlimited-Abonnenten ja nur 9,99 Euro im Monat.

Verzichten kann der Anbieter auf den Bonus auch nicht so leicht – erfolgte die Ausschüttung nur aus dem Fonds, würden sich gerade die Autoren im mittleren Segment ihre künftige Beteiligung an dem Programm sehr gut überlegen. Und ohne Bücher lassen sich schlecht Kunden für die Flatrate gewinnen. Wie wichtig diese Autoren für Amazon sind, lässt sich anhand der Verkaufszahlenkurve schön abschätzen: Die 50 Autoren zwischen Platz 51 und 100 haben demnach im November gemeinsam mehr verkauft als die 10 Autoren in den Top 10 zusammen. Insgesamt kommen die 150 “AllStar”-Autoren bei Amazon.de im November auf knapp 500.000 verkaufte und ausgeliehene Exemplare, was einen Umsatz von etwa 750.000 Euro ausmacht (Schätzung mit 1/3 Leihquote und mittlerem eBookpreis von ca. 2,50).

Da allerdings die AllStar-Boni offenbar von Monat zu Monat neu entschieden werden, lässt sich darauf für Autoren leider keine valide Strategie aufbauen. Wer sich fundiert für weitere drei Monate KDP Select entscheiden will, bräuchte eigentlich verlässlichere Aussagen seines Partners. Das ist umso wichtiger, weil es sich bei den Autoren im 1500-Euro-Bonus-Bereich um Profis handelt. Von solchen Buchverkäufen lässt sich eben schon ganz gut leben, zumal der November eindeutig der umsatzschwächste Monat des Jahres war. Wer sowieso zu den Top-Sellern gehört, steht nicht so dringend vor der Frage: Soll ich meine Leserbasis verbreitern und andere eBook-Stores beliefern, oder verlasse ich mich darauf, dass Amazon auch in den kommenden Monaten in ähnlichem Umfang drauflegt? Da sich ein Autor für jeweils drei Monate bindet, wäre ein (konkrete Zusagen enthaltendes) Commitment seitens Amazon für denselben Zeitraum nur fair.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Comments

  • Sehr gut recherchierter Eintrag; die angegeben Zahlen (Erlöse, Verkaufsexemplare) treffen zu, ich habe mich darin wiedererkannt. Klar, Matthias hat in seiner Analyse recht: Die Bonuszahlungen dienen auch dazu, die Autoren bei der Stange zu halten, damit sie sich nicht bei KDP abmelden und am Ende nicht noch über einen Distributor die Tolino-Fraktion zusätzlich mit ihren E-Books versorgen. Dadurch würde KU, weil es ja eine gewisse Exklusivität bietet, etwas weniger interessant für die Leser.

    Einerseits freut der Bonus, andererseits nervt es auch mit seinen E-Books Teil einer Marketingstrategie von E-Book-Anbietern zu sein: Wer bekommt auf dem umkämpften E-Book-Markt das größte Kuchenteil. Irgendwie fühlt man sich da trotz schöner Erfolge als Rädchen im (wirtschaftlichen) Getriebe. Hat Amazon nicht zukünftig den größte Tortenheber, geht man als Autor am Ende noch mit unter.

  • Bin ja gespannt, wie das noch weitergeht. Das mit den Bonuszahlungen deprimiert mich eher, denn von solchen Zahlen bin ich momentan weit entfernt.

    Ob ich Select verlängere, muss ich schwer überlegen, denn die 1,13 pro Ausleihe sind ein Witz. Im Dezember ist es übrigens schon wieder zurückgegangen mit den Ausleihen (bei mir, wie es bei anderen ist, kann ich natürlich nicht sagen).

    Ich vermute, dass es vielen Leuten so ging wie mir: Die Kündigung des Probemonates übersehen. 😉

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