Selfpublishing-Umfrage 2019: Die Auswertung (Teil 2) – Veröffentlichungsstrategien

Wenige verdienen mehr, das könnte das Fazit des ersten Teils der Auswertung sein. Im zweiten Teil sehen wir uns konkrete Veröffentlichungswege an. Wie wirken sie sich auf die Einnahmen aus? Was schätzen die Teilnehmer der Umfrage an den Dienstleistern?

Frage 10: Wie bewerten Sie diese Veröffentlichungs-Plattformen?

Bei der Bewertung der Veröffentlichungs-Plattformen für E-Books schneidet Amazons KDP-Service am besten ab. “Gut” sind KDP, Bookrix und BoD, knapp am “gut” vorbei rutscht Tolino Media. In Klammern sehen Sie die Bewertung durch die “Profis” mit mindestens 2000 Euro Monatseinkommen. Hier setzt sich Bookrix knapp an die Spitze und Tolino Media und BoD tauschen die Plätze.

  1. KDP: 2,23 (2,13)
  2. Bookrix 2,36 (2,08)
  3. BoD 2,45 (3,0)
  4. Tolino Media 2,54 (2,38)
  5. ePubli 3,09 (3,2)
  6. Neobooks 3,23 (3,38)
  7. Feiyr 3,35 (3,23)
  8. XinXii 3,63 (4,5)

Abgefragt hatten wir auch Smashwords und D2D, allerdings werden diese Plattformen von so wenigen Teilnehmern genutzt, dass die Bewertung nicht repräsentativ ist.

Am bekanntesten sind BoD und KDP, aber Tolino Media hat mit 12 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018 ordentlich aufgeholt.

Frage 11: Wie verteilen sich Ihre E-Book-Umsätze im Mittel auf die einzelnen E-Book-Shops?

Selfpublishing ist bei E-Books ein Amazon-Geschäft. 58 Prozent der Umfrage-TeilnehmerInnen erwirtschaften mindestens 80 Prozent ihrer Umsätze bei Amazon. Nur 18 Prozent verdienen in den Tolino-Shops wenigstens 30 Prozent ihrer Umsätze. Alle anderen E-Book-Shops spielen so gut wie keine Rolle.

Beschränkt man die Abfrage auf die NutzerInnen mit wenigstens 2000 Euro Monatsumsatz, verstärkt sich die Tendenz. Nur 12 Prozent nehmen mehr als 30 Prozent bei Tolino ein, während dann 83 Prozent der Antwortenden über 80 Prozent ihrer Umsätze bei Amazon machen. Wie sieht es bei den NutzerInnen von Tolino Media bzw. KDP aus (man kann beides sein)? Immerhin 28 Prozent der Tolino-Media-Kunden verdienen wenigstens 30 Prozent bei den hier vertretenen Shops. Und entsprechend weniger bei Amazon – KDP Select lässt grüßen (dazu gleich mehr).

Frage 12: Nutzen Sie KDP Select?

Gut ein Drittel der Umfrageteilnehmer nutzt KDP Select, das Amazon-Programm, bei dem man Exklusivität gegen mehr Sichtbarkeit tauscht. Das ist deutlich weniger als 2018, aber auf dem Niveau von 2016. Unter den AutorInnen, die bei Select dabei sind, machen die Einnahmen aus der Leihbibliothek im Mittel 47 Prozent aus.

Unter den “Profis” (ab 2000 Euro Monatseinkommen) nutzen nur 8,4 Prozent Select nicht. Bei ihnen tragen gelesene Seiten im Mittel zu 53 Prozent zum Einkommen bei.

Frage 13: Veröffentlichen Sie bei Tolino Media?

Es gibt unterschiedliche Strategien, Tolino-Leser zu beliefern. Im Vergleich zu 2018 ist der Anteil derjenigen, die komplett oder zum Test Tolino Media nutzen, etwas gesunken. Gleichzeitig bezeichnen sich jedoch weniger Teilnehmer als bei Amazon exklusiv gebunden, sodass sich hier wenig konkrete Schlüsse ziehen lassen.

Frage 14: In welchen Genres veröffentlichen Sie?

Ratgeber und Sachbuch sind bei AutorInnen im Selfpublishing 2019 das beliebteste Genre, knapp vor Liebesroman und Fantasy. Fragt man nach dem Haupt-Genre, wird das noch deutlicher.

Auch hier wieder die Frage an die Profis: Wer mehr als 2000 Euro im Monat einnimmt, schreibt vor allem Liebesromane, gefolgt von Krimi / Thriller. Deutlich danach folgen Fantasy, Erotik und Science Fiction sowie der Historische Roman.

Spannend ist auch, die Frage anders herum zu stellen: Welche Genres sind unter den AutorInnen beliebt, die maximal 100 Euro monatlich einnehmen? Hier dominiert mit 70 Prozent das Sachbuch, gefolgt von Gegenwartsliteratur, Fantasy und Krimi / Thriller. Man sieht hier sehr schön, dass auch populäre Genres keine hohen Verkaufszahlen garantieren.

Unterschiede sind auch zu erkennen, wenn man die Statistik auf Geschlechter aufteilt. Frauen schreiben – ganz klischeehaft – vor allem Liebesromane und Fantasy, während bei Männern Sachbuch, Krimi / Thriller und Fachbuch ganz oben stehen.

Frage 15: Dienstleister für Print on Demand

Bei gedruckten Büchern ist der von den Nutzern am besten bewertete Anbieter Tredition. Die Firma hat es geschafft, sich innerhalb eines Jahres um eine ganze Schulnote zu verbessern. KDP Print hingegen hat Lücken bei Bekanntheit und Bewertung – 2018 war der Service noch mit 2,4 beurteilt worden. BoD führt eindeutig im Bekanntheitsranking, hat sich aber auch in der Schulnotenbewertung nach oben gearbeitet.

  1. Tredition: 2,04 (3,25)
  2. BoD: 2,38 (2,84)
  3. KDP: 2,59 (2,51)
  4. ePubli: 3,08 (2,8)

In Klammern wieder die Bewertung durch Nutzer mit mindestens 2000 Euro Monatseinkommen. Die Schulnoten wurden von Umfrageteionehmern vergeben, die den Service nach eigener Angabe getestet haben.

Frage 16: Welche Kriterien sind Ihnen bei der Auswahl eines Dienstleisters wichtig?

Was zeichnet den perfekten Dienstleister aus? Einfachheit, Schnelligkeit, Reichweite und geringe Kosten stehen hier an der Spitze. Eine persönliche Betreuung, eine Hotline oder auch das Honorar sind nicht so wichtig.

Für die Profis steht allerdings – wenig überraschend – ein hohes Honorar ganz oben.

Frage 17: Welchen Anteil haben diese Buchformate im Mittel an Ihren Umsätzen?

Dass E-Book und Taschenbuch bei der Veröffentlichung für die meisten Selfpublisher zusammengehören, haben wir in Teil 1 festgestellt. Aber wie sieht es mit den Umsätzen aus? Mit welchem Format verdient man schließlich sein Geld? Das Selfpublishing steht ja noch vor der Herausforderung, den Buchhandel zu erreichen, also dürfte das E-Book noch im Vordergrund sein. Das bestätigen auch die Zahlen.

Im Mittel haben demnach das E-Book 52 Prozent Anteil, das gedruckte Buch 48 Prozent und das Audiobook 14 Prozent. Dass dabei mehr als 100 Prozent herauskommen, liegt an den Eingaben der Umfrageteilnehmer … Greift man allerdings speziell die Großverdiener (ab 2000 Euro) heraus, steigt das E-Book auf 85 Prozent, gedruckte Bücher fallen auf zehn Prozent und das Hörbuch liegt bei acht Prozent. Wer als Hauptgenre Sach- und Fachbuch angegeben hat, verdient nur ein Drittel seines Einkommens mit E-Books und zwei Drittel mit gedruckten Werken.

Frage 18: Wie viel Zeit verwenden Sie pro Woche für …

Wie sieht der Alltag eines Selfpublishers aus? Im  Mittel verbringt er pro Woche zehn Stunden mit Schreiben, sieben mit Bearbeiten und dreizehn mit Tätigkeiten, die ihm sonst vielleicht ein Verlag abnehmen würde.

  1. Schreiben 11 Stunden
  2. Bearbeiten 7 Stunden
  3. Social Media 6 Stunden
  4. Formatieren 4 Stunden
  5. Vermarkten 4 Stunden

Diesen “mittleren” Autor gibr es aber vermutlich gar nicht. Wer noch einen weiteren Beruf ausübt, dürfte kaum 30 Stunden zusätzlich verfügbar haben. Beschränkt auf die 2000-Euro-Grenze, wächst die Schreibzeit auf 20 Stunden, es fallen nur noch drei Stunden für das Formatieren an (Outsourcing) und die in den sozialen Medien verbrachte Zeit steigt auf acht Stunden. Macht dann eine mittlere Wochenarbeitszeit von 43 Stunden.

Frauen wenden im Mittel wöchentlich eine Stunde mehr für Social Media auf und etwas weniger Zeit für das Schreiben.

Zu sehr reduzieren lässt sich der Aufwand anscheinend nicht. Wer weniger als 50 Euro einnimmt, kommt im Mittel trotzdem noch auf 27 Stunden Wochenarbeitszeit – ein zeitraubendes Hobby.

Der erste Teil der Umfrage befasst sich mit Umsätzen, Erfahrung und Ausgaben. Im dritten Teil geht es um Marketing, Outsourcing, den Buchhandel und Buchpreise.

Frühere Umfragen: 20132014, 20152016 und 2018.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Comments

  • Hallo Herr Matting,
    also jetzt empfinde ich mich als absoluten Loser! Mit dem Selbstverlag kann man derartig hohe Erträge erwirtschaften? Und ich, ich frage mich bei jedem verkauften Buch, wer das wohl war. Ich glaube schon, dass es im Einzelfall Autoren gibt, die kräftig viel verdienen Im Einzelfall! Aber im Vertrauen gesagt – bitte niemand sagen, dass ich das denke 🙂 – ich glaube nicht, dass die Zahlen stimmen. Ich habe schon so oft erlebt, dass Autoren Erfolge vortäuschen, um sich größer zu machen, und ich weiß nach Jahren als Selbstverleger, wie schwierig es ist, eine Veröffentlichung bekannt zu machen, vor allem. Das Marketing würde eine Unsumme Geld verschlingen . Machen die überzogenen Zahlen nicht Leuten Hoffnung, als Autor in Vollzeit arbeiten zu können? Eine Hoffnung, die sie ent-täuschen wird? Ich denke schon. Also liebe Mit-Autoren: Ich habe diverse Bücher als Selbstverleger auf dem Markt und ich schreibe, weil ich schreiben will. Verkauf? Boah ey! Selbst mit meinen 2 Verlags-Büchern käme ich nicht einmal halbwegs an den deutschen Mindestlohn heran. Schreibt, weil ihr schreiben wollt und versucht euer Bestes, wenn es um das Vermarkten geht. Und wenn trotzdem nicht viel in eurem Geldbeutel landet: Ihr seid nicht allein, wir sind die Mehreren 😉

  • Gab es auch eine Bewertung von Tredition?

  • Schade, dass BoD sogar aufsteigen konnte, obwohl sie doch die Daten, die sie uns Autoren bereitstellen, zunehmend beschneiden. Früher gab es auf den Rechnungen immer noch die Info, in welchem Shop verkauft wurde. Das haben sie abgeschafft. Die Rechnungen sind inzwischen in meinen Augen nichtssagend. Bis vor einiger Zeit konnte man wie bei allen anderen Anbietern die All-Time-Verkäufe abrufen, um die Gesamteinnahmen der Bücher zu vergleichen. Meiner Meinung nach ein wichtiges Tool, das Tolino in Absprache mit den Autoren wirklich hervorragend umgesetzt hat. BoD hat sich dazu entschlossen, nur bis zwei Jahre zurück Daten abrufbar zu machen. Genau die andere Richtung. Während Tolino und auch andere Anbieter sich Mühe geben, für uns Selfpublisher transparent zu sein, fällt mir BoD genau gegenteilig auf. Bookrix hat auf Kritik reagiert und die mit der Zeit völlig überzogene Schätzung der zu erwartenden Einnahmen angepasst. Jetzt schlüsseln sie die möglichen Erlöse sehr transparent nach einzelnen Shops auf. BoD setzt weiterhin darauf, dass sie ja nur ein Beispiel angeben, bindend sind lediglich die Prozentzahlen. Und da erhält man nicht mal auf Anfrage eine Antwort, ob das denn überhaupt noch ein realistisches Beispiel ist. Überhaupt habe ich auf all meine faktenbasierten Fragen bezüglich der Transparenz lediglich Ausflüchte erhalten und den unverschämten Hinweis, dass man mein “Empfinden bedauert”. BoD bietet einen guten Print-Service. Mit den Ergebnissen kann man qualitativ sehr zufrieden sein. Ich für meinen Teil sehe solche Entscheidungen wie oben aber sehr kritisch und bin dann auch bereit, den Anbieter zu wechseln oder zu meiden.

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