Der neue Amazon-eBook-Preis: Was Sie über den Kindle Storyteller Award wissen müssen (Update)

Kindle-Storyteller-Award

Amazon hat einen Preis für verlagsfrei publizierte Bücher angekündigt – den Kindle Storyteller Award. Dieser “Self Publishing Award” (sic) lobt einen Preis im Gesamtwert von 30.000 Euro aus: das verschafft Aufmerksamkeit. Was steckt dahinter, was sollten Sie über den Preis unbedingt wissen?

Wie reiche ich mein Buch ein?

Die Einreichungsfrist beginnt am 1. Juli, 0:00 Uhr und endet am 15. September, 23:59 Uhr. In dieser Zeit können Sie am Wettbewerb teilnehmen, indem Sie:

  1. ein bisher komplett unveröffentlichtes, deutschsprachiges und mindestens 45.000 Wörter langes eBook bei KDP hochladen,
  2. im Feld “Suchstichwörter” das Wort kindlestoryteller2015 eingeben
  3. und ihr eBook für KDP Select anmelden. Ihr Buch muss bis mindestens 15. Oktober in KDP Select bleiben.

Das eBook muss außerdem sämtliche Regeln einhalten, etwa die zu Metadaten (siehe hier) und die Inhalts-Richtlinien (hier und hier). Außerdem dürfen Sie keine Verschenkaktionen mit Ihrem Buch durchführen: der Preis muss bis 15. Oktober bei wenigstens 99 Cent liegen.

Sie müssen selbst der Autor des Buches sein. Es werden aber auch Titel mit mehreren Autoren akzeptiert. Sie können auch mehrere Bücher einreichen.

Über die Genres macht Amazon keine Angaben. Theoretisch sollte deshalb selbst ein Sachbuch am Wettbewerb teilnehmen können, wenn es den Kriterien (Originalität, Kreativität, Schreibstil) genügt.

Die gleichzeitige Veröffentlichung des Buches auf anderen Plattformen ist definitiv ausgeschlossen. Allerdings dürfen und sollen Sie Ihr Buch gern auch bei CreateSpace drucken lassen (nicht aber bei BoD o.ä.).

Für Ihr derart eingereichtes Buch erhalten Sie die bei KDP üblichen Honorare (70 Prozent vom Nettopreis ab 2,99 bis 9,99 Euro), sonst 35 Prozent.

Was kann ich gewinnen?

Der Gewinner erhält 10.000 Euro (ausgezahlt per Überweisung) sowie Marketing-Dienstleistungen von Amazon im Wert von 20.000 Euro (etwa Werbung auf der Amazon-Homepage). Welche das sind, entscheidet Amazon. Der Geldgewinn ist zu versteuern (Einkommenssteuer).

Dem Gewinner wird der Bastei-Lübbe-Verlag einen Vertrag zum Vertrieb des Buches im deutschsprachigen Raum anbieten. Die genauen Konditionen erfährt nur der Gewinner. Sie müssen den Vertrag aber nicht annehmen.

Den ersten 1000 Teilnehmern wird ein FOCUS-Jahres-Abo angeboten. Sie müssen es aber nicht abschließen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, beachten Sie, dass es sich nach Ablauf automatisch in ein zu bezahlendes Abo umwandelt. Sie müssen also rechtzeitig kündigen, wenn Sie das nicht wollen.Update:: Amazon hat die Bedingungen geändert. Das Gratis-Jahresabo endet nun automatisch nach Ablauf des Jahres.

Wie entscheidet Amazon über den Gewinner?

Aus den eingereichten Werken wählt Amazon fünf Finalisten. Der genaue Modus ist schwammig formuliert; “auf der Grundlage seiner Beliebtheit bei Kunden, die Amazon nach eigenem Ermessen festlegt” heißt es offiziell. Das lässt sich so übersetzen, dass Amazon offenbar einen Bewertungsmaßstab konstruiert hat, der auf Kunden-Verhalten basiert (Verkäufe? Leihen? Bewertungen? Gelesene Seiten?), aber letztlich Amazon die Möglichkeit offen hält, selbst das letzte Wort zu haben.

Die Schwierigkeit besteht hier darin, dass einzelne Titel zwischen 45 Tagen und 1 Tag im Wettbewerb sein können. Würde man etwa nach irgendwelchen Rankings entscheiden, dann sind diese erstens manipulierbar, zweitens wären früher eingereichte eBooks eindeutig im Vorteil. Beides ist nicht in Amazons Interesse. Womöglich gibt es zwischen 15. und 25. September auch noch eine Art Online-Abstimmung.

Die fünf Finalisten werden dann ab 26. September von der (etwas krimilastigen) Jury beurteilt. Den Gewinner gibt Amazon am 15. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse bekannt.

Was steht sonst noch im Kleingedruckten?

Alle Teilnehmer erklären sich bereit, ihre persönlichen Daten außer Amazon auch den anderen Veranstaltern (auch zur Kontaktaufnahme) übermitteln zu lassen.

Der Gewinner überlässt Amazon das “exklusive, inhaltlich unbeschränkte und weltweite Verlagsrecht zur Erstveröffentlichung in allen Formaten (einschließlich eBooks) ohne Stückzahlbegrenzung und allen Sprachen für sämtliche Nutzungsarten“. Hier fehlt eine Zeitangabe. Welche rechtlichen Auswirkungen das hat, kann nur ein Anwalt beurteilen. Update: Amazon beansprucht das Verlagsrecht bis zum 31. Dezember 2015. Danach kann der Gewinner das eBook auch anderswo veröffentlichen. Die Rechte für das gedruckte Buch sind für 5 Jahre gebunden.

Mitarbeiter und Angehörige der Veranstalter dürfen am Wettbewerb nicht teilnehmen.

Soll ich teilnehmen?

Wenn Sie ein die Kriterien erfüllendes Buch im fraglichen Zeitraum fertigstellen können, ihre Fans auf anderen Plattformen nicht sehnlich darauf warten und Sie nichts gegen Post der Veranstalter haben, kann die Teilnahme nicht schaden. Selbst wenn Sie nicht zu den Top 5 gehören, wird Amazon den im Rennen befindlichen Titeln vermutlich etwas Sichtbarkeit im Shop verschaffen, z.B. durch eine eigene Kategorie.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

5 Kommentare

  1. Etwas tricky ist das begriffliche pendeln zwischen Selfpublishing und Verlagsveröffentlichung bei diesem Wettbewerb. Mit der im Artikel genannten Klausel, nach der nur “verlagsfrei publizierte Bücher” teilnehmen dürfen, wird suggeriert, dass es ein echter Indie-Wettbewerb ist. Das stimmt aber nicht ganz, denn alle Teilnehmer müssen a) ausschließlich bei Amazon veröffentlichen und b) übertragen sie Amazon “sämtliche exklusiven Verlagsrechte”.
    Das hat mit Indie-Publishing genausowenig zu tun, wie es der Bezeichnung “Deutscher Self Publishing Award” gerecht wird. Schließlich dürfen nur die eigenen Kunden mitmachen und die sind nach Gewinn keine Selfpublisher mehr.
    Klar, das mag kleinkariert klingen – und so einen hochdotierten Preis muss man auch erst einmal auf die Beine stellen. Was ein Unternehmen wie Amazon natürlich mit links und zwei Fingern kann. Mich stört etwas, das angesichts der hochdotierten Preise diese Punkte kaum Beachtung finden. KDP’ler mögen entnervt die Augen rollen, aber manchmal darf es doch auch ein klein wenig ums Prinzip gehen, oder? Nichtsdestotrotz wünsche ich allen Teilnehmern jetzt erst einmal viel Erfolg!

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