Die große Selfpublishing-Umfrage 2016: Was Selfpublisher an Verlagen reizt und wie sie über Distributoren und PoD-Anbieter denken

(Bild: 6kor3dos / depositphotos.com)

Nachdem wir aus Teil 1 der Auswertung der Selfpublishing-Umfrage nun wissen, was Selfpublisher im Mittel verdienen, wie sie über Verlage denken und wie schnell und wieviel sie veröffentlichen, gehen wir in Teil 2 ins Detail. Und sofort wird es spannend: was können Verlage Selfpublishern heute noch bieten?

Buchhandel, Reichweite, Marketing und Lektorat, das sind offenbar die großen Pluspunkte der Verlage in den Augen unabhängiger Autoren – und das sind ja auch die traditionellen Stärken. Das lässt allerdings auch die dauerhaften Chancen von E-Book-only-Imprints in trübem Licht erscheinen, die genau diese Faktoren ja oft nicht bieten. Risiko, Rundumbetreuung oder gar Honorar sind keine Argumente mehr.

Die Verteilung der eBook-Verkäufe auf die Stores ist keine Überraschung. Neben Amazon konnte sich nur Tolino nennenswert etablieren, wo immerhin ein Drittel der antwortenden Autoren mehr als 20 Prozent seiner Umsätze verortet.

In Bezug auf Veröffentlichungen im Ausland ist eine leichte Ernüchterung eingetreten. Weniger Autoren denken daran – und wenn, dann soll doch jemand anders jeden damit verbundenen Aufwand abnehmen.

Aus der Bewertung der Distributoren haben wir in diesem Jahr die drei Firmen mit den niedrigsten Antwortquoten entfernt, hier waren die Ergebnisse sowieso nicht relevant. Spannend ist hier, welche Durchschnittsnoten sich ergeben. BoD ist erneut die Firma mit dem höchsten Bekanntheitsgrad, gefolgt von ePubli, Bookrix und Neobooks. Im Vergleich zu 2015 hat sich die Bewertung der Distributoren etwas verschoben.

In den Augen der Teilnehmer bester Selfpublishing-Distributor ist wieder Bookrix mit einer Note von 2,43 (2015: 2,29), gefolgt von einem leicht verbesserten BoD mit 2,78 (Vorjahr: 2,88). Auf den Plätzen folgen dann ePubli mit 3,1 (lag 2015 noch mit 3,52 auf dem fünften Platz), Xinxii mit einer Note von 3,21 (2015: 3,14) und Neobooks mit 3,3 (Vorjahr: 3,28). Neobooks hat offenbar die kleine Krise bei der Software-Umstellung nicht geschadet – die anderen haben sich nur verbessert, insbesondere ePubli, wo die verbesserten Druck-Konditionen wohl eine Rolle spielen.

Deutlich zugelegt hat neben Tolino auch KDP Select. Das klingt wie ein Widerspruch, deutet aber eher auf eine Aufspaltung hin: Während ein Teil der Autoren intensiv auf Amazon den Erfolg sucht, probiert es der andere Teil mit einer Präsenz auf möglichst vielen Plattformen. Beide Strategien können erfolgreich sein, nur sie zu mischen funktioniert offenbar nicht.

Das spiegelt sich auch in der Motivation, an Select teilzunehmen. Die verbesserte Sichtbarkeit ist den Autoren doppelt so viel wert wie die AllStar-Boni. Das Gegen-Argument “Ich will Amazon nicht unterstützen” schrumpft an Wichtigkeit.

2015 war Tolino Media gerade erst gestartet, als unsere Umfrage begann. Inzwischen hat eine deutliche Ernüchterung darüber eingesetzt, was die Firma für Selfpublisher erreichen kann. Hatten sich 2015 noch über ein Drittel der Teilnehmer mehr Käufer und ein Viertel mehr Sichtbarkeit in den Tolino-Shops versprochen, sanken beide Werte nun auf unter zehn Prozent. Darüber mit dem gedruckten Buch in den Handel zu kommen, hoffen nur noch zwei Prozent, und an eine Begrenzung von Amazons Marktmacht glauben statt 16 nur noch 5 Prozent. Hier wird Tolino Media noch viel Überzeugungsarbeit leisten – und hoffen müssen, dass die Shops ihnen nicht erneut einen Strich durch die Rechnung machen.

Das wirkt sich natürlich auch auf die Veröffentlichungspläne aus. Distributoren müssen Abwanderung kaum noch befürchten. Testen wollen Tolino Media nur noch 14 statt 24 Prozent der Teilnehmer (die anderen haben womöglich schon).

Auch das abgefragte Feld der Print-on-Demand-Dienstleister haben wir etwas aufgeräumt. Bekanntester Anbieter ist wie schon 2015 die Hamburger Firma BoD; über 90 Prozent haben schon von ihr gehört. Es folgen ePubli, CreateSpace und Tredition. Bei der mittleren Bewertung gibt es 2016 aber einen neuen Spitzenreiter: Am zufriedensten sind die Print-on-Demand-Nutzer mit Tredition, das sich von 2,31 auf 2,24 verbessert hat und damit CreateSpace (2,40, verschlechtert von 2,25) überholte. Auf Platz 3 liegt BoD (2,66, Vorjahr: 2,65), gefolgt von ePubli (3,1, 2015: 3,3).

Letzte Frage: warum sind die Nutzer mit ihren Anbietern zufrieden oder unzufrieden? Was ist ihnen wichtig?

Die kompletten Daten finden Sie in der Grafik oben. Hier die Reihenfolge, welche Kriterien den Nutzern wichtig oder sehr wichtig sind (Summe aus 1 + 2):

  1. Einfachheit 68%
  2. Schnelligkeit 65%
  3. Geringe Kosten 64%
  4. Reichweite 62%
  5. ISBN 58%
  6. Statistiken 56%
  7. Kurze Vertragslaufzeit 52%
  8. Marketing-Hilfe 50%
  9. Hohes Honorar 49%
  10. Qualitäts-Kontrolle 43%
  11. Betreuung 41%
  12. Nicht-Exklusivität 40%

Einfach und schnell soll es sein – ein hohes Honorar steht nicht im Vordergrund.

Teil 1 der Umfrage

Teil 2 der Umfrage

Teil 3 der Umfrage

Teil 4 der Umfrage

Teil 5 der Umfrage

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.