Brauchen wir Amazon? Elke Bergsma

Kaufen Sie Ihre Bücher bei Amazon?

Ja, ich kaufe meine Bücher auch bei Amazon.

Finden Sie es richtig, Bücher bei Amazon zu kaufen oder die eigenen dort verkaufen zu lassen?

Zunächst einmal möchte ich hier anmerken, dass ich von einer Schwarzweißmalerei grundsätzlich nichts halte. Jede Sachlage sowie auch jedes Problem hat immer mehrere Facetten, die es zu prüfen und zu bewerten gilt. Das ist bei der Unternehmenspolitik Amazons nicht anders als in allen anderen Fällen. Betrachtet man die Entwicklung dieses Unternehmens, dann ist festzustellen, dass Amazon in den letzten Jahren eine herausragende Position im Bereich des Buchhandels eingenommen hat – und das sicherlich nicht nur deshalb, weil es seine Konkurrenz einfach mal so weggebissen hat. Vielmehr war es doch auch die deutsche Verlags- und Buchbranche, die sich über lange Jahre hinweg geweigert hat (und zum großen Teil noch heute weigert) die neuen Entwicklungen am Buchmarkt zu erkennen, alte Gewohnheiten aufzugeben und die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen. Von Online Bücher verkaufen? Wie niedlich, das klappt doch nie! über Ach guck mal, da ist ja einer auf der Überholspur! bis hin zu Haltet den Dieb! konnte man in den letzten Jahren die typischen Reaktionen einer Branche beobachten, die nicht gewillt war, ihre Konzepte zu überdenken und Veränderungen zuzulassen. Um zu erkennen, dass solch eine Vogel-Strauß-Politik in die Sackgasse führt, braucht es kein Studium der Betriebswissenschaften. Natürlich kann man – ist das Kind erstmal in den Brunnen gefallen – verbal auf denjenigen einprügeln, der es (rein ökonomisch gesehen) besser gemacht hat. Vielleicht aber wäre es schlauer, mal zu schauen, wie man dieser Entwicklung in der Praxis etwas entgegensetzen kann.

Insofern: Ja, ich finde es genauso richtig, Bücher bei Amazon zu kaufen und zu verkaufen, wie ich es bei jedem anderen Buchhändler auch richtig finde.

Würden Sie als Autorin Ihre Bücher gern nicht mehr über Amazon vertreiben (lassen)?

Nein. Warum denn? Genauso wie Amazon bin ich als hauptberufliche Autorin in gewisser Weise auch ein gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen. Soll ich verhungern, nur weil der Gesetzgeber es nicht schafft, dem ausufernden Wirtschaftsliberalismus etwas entgegenzusetzen? Und weil die angestammten Verlage es nicht schaffen, den Autoren einen angemessenen Anteil am Gewinn zu zahlen? Amazon nutzt die Vorteile, die dieses Wirtschaftssystem ihm bietet genauso, wie es auch jedes andere Wirtschaftsunternehmen tut oder tun könnte. Ich persönlich wäre auch dafür, dass so mancher Großkonzern mal in seine Schranken gewiesen wird. Das gilt für Amazon genauso wie für Banken, die Textilbranche oder auch die Mineralölwirtschaft, um hier nur einige Beispiele zu nennen. Aber es bildet sich doch wohl nicht wirklich jemand ein, dass sich nur durch einen Boykott von Amazon irgendetwas zum Besseren wenden würde?

Was halten Sie von der Nachricht, dass Amazon die Bücher mancher Verlage nur verzögert liefert, wenn diese Verlage sich den Rabattforderungen von Amazon widersetzen?

Grundsätzlich kann ich einem solchen Vorgehen nichts Positives abgewinnen. Andererseits stellt Amazon keine anderen Forderungen an die Verlage, als es der traditionelle Buchhandel bereits seit Jahrzehnten tut. So what?

Was halten Sie von den Nachrichten über die Arbeitsbedingungen bei Amazon?

Seufz! Haben Sie schon mal Ihren Frisör um die Ecke gefragt, was er seinen Angestellten zahlt? Auch hier liegt der Ball doch beim Gesetzgeber. Nur hat der seine Chance, einen flächendeckenden Mindestlohn gesetzlich festzuschreiben, erst jüngst grandios vergeigt, indem er gerade die prekären Beschäftigungsverhältnisse der Leih- und Saisonarbeiter sowie der Praktikanten aus der Regelung ausgeklammert hat. Man könnte also sagen, dieses System der sozialen Ausbeutung ist politisch legitimiert. Und da wundert sich jemand, dass diese Gesetzeslücke von zahlreichen Wirtschaftsunternehmen ausgenutzt wird und diese sich nicht gerieren wie die Caritas? Nicht wirklich, oder?

Alles zusammen genommen, mit wie vielen Sternen (von fünf möglichen) würden Sie Amazon bewerten?

Ich würde Amazon gar nicht bewerten, weil ich von Rankings, die zur Manipulation geradezu auffordern, grundsätzlich nichts halte.

Die ehemalige PR-Beraterin Elke Bergsma schreibt erfolgreich Krimis, die in ihrer Heimat Ostfriesland spielen.

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  1. Poppy J. Anderson
  2. Elke Bergsma
  3. Béla Bolten
  4. Katelyn Faith
  5. David Gray
  6. Thomas Knip
  7. Albert Knorr
  8. Michael Meisheit
  9. Nika Lubitsch
  10. Helmut Pöll
  11. Sarah Saxx
  12. Catherine Shepherd
  13. Annelie Wendeberg
  14. Dany R. Wood
  15. Marah Woolf
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Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.