Brauchen wir Amazon? Marah Woolf

Kaufen Sie Ihre Bücher bei Amazon?

Ja. Ich mag es, dass ich jederzeit und egal wo ich bin, meinen Kindle mit neuen Büchern bestücken kann. Außerdem finde ich bei Amazon eine riesige Auswahl auch an günstigen englischsprachigen Büchern. Und natürlich ist es für mich als freie Autorin wichtig, dass ich auch Bücher anderer Selfpublisher lesen kann.

Finden Sie es richtig, Bücher bei Amazon zu kaufen oder die eigenen dort verkaufen zu lassen?

Ich kann jedenfalls nichts Falsches daran finden. Die großen Buchhandelsketten haben in den vergangenen Jahren vielen kleinen Buchhändlern das Leben schwer gemacht. Jammern, dass sie jetzt Kunden an Amazon verlieren, ist da unangebracht.

Finde ich es gut, dass ich meine Bücher bei Amazon verkaufen kann? Selbstverständlich.

Ich habe mein erstes Buch mehreren Verlagen angeboten. Leider bestand kein Interesse, dieses zu verlegen. Amazon dagegen hat mir eine Veröffentlichung ermöglicht. Dreihunderttausend verkaufte Exemplare später bin ich für diese Chance dankbar.

Natürlich weiß ich, dass Amazon seine Strategie auch Selfpublishern gegenüber jederzeit ändern kann. Aber diese Situation ist nicht vergleichbar damit, dass meine Bücher niemals erschienen wären oder dass ich von einem Verlag lediglich ein Honorar von maximal 10 Prozent bekomme hätte.

Amazon hat es mir und vielen anderen Autoren ermöglicht, einen Traum zu verwirklichen. Wie dieser sich in Zukunft entwickelt, wird sich zeigen. Natürlich würde ich mir wünschen, dass auch andere E-Book-Plattformen sich direkt und ohne Umwege für Selfpublisher öffnen und freien Autoren eine faire Chance geben.

Würden Sie als Autor Ihre Bücher gern nicht mehr über Amazon vertreiben (lassen)?

Selbst wenn ich morgen im Lotto gewinnen würde, würde ich meine Bücher weiter über Amazon verkaufen. Einfach, weil ich es meinen Lesern schuldig bin. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich nicht exklusiv bei Amazon bin, sondern über den Distributor Ciando meine Bücher auch auf allen anderen deutschen Plattformen anbiete. Amazon möchte das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt sein? Ich möchte gern eine sehr leserfreundliche Autorin sein. Denn nicht Amazon oder irgendein anderes Unternehmen ist meine Zielgruppe, sondern meine Leser, und ihnen möchte ich es so leicht wie möglich machen, meine Bücher zu erwerben. Es wäre toll, wenn der stationäre Buchhandel uns Selfpublishern nur halb soviel entgegenkäme, wie Amazon das getan hat.

Was halten Sie von der Nachricht, dass Amazon die Bücher mancher Verlage nur verzögert liefert, wenn diese Verlage sich den Rabattforderungen von Amazon widersetzen?

Seit Wochen beschäftigt sich die deutsche Presse mit dem Problem Amazon. Aber worin besteht es eigentlich? Amazon möchte ein neues Konditionsmodell verhandeln. Statt einer Aufteilung 70 : 30, soll zukünftig eine Verteilung von 50 : 50 gelten. Eine Aufteilung, die für Papierbücher seit Jahren Usus ist.

Das E-Book ist mittlerweile fester Bestandteil des Buchgeschäftes geworden. Die Verlage profitieren im Übermaß davon, denn E-Books renommierter deutscher Verlage kosten nur geringfügig weniger als das Holzbuch. Allerdings sind Druck- und Lagerhaltungskosten drastisch zurückgegangen. Autoren profitieren nach meinen Erkenntnissen nicht von diesem Modell. Bei 20 Prozent höherem Ertrag würde es sicherlich Spielraum geben, auch das Honorar der Autoren zu erhöhen.

Es ist kein Geheimnis, dass Amazon mit seinen Geräten kaum Geld verdient. Trotzdem gibt es heute diverse hochentwickelte Kindle-Modelle und ein weltweites System, das es Lesern jederzeit ermöglicht damit Bücher zu erwerben. Selbstverständlich müssen diese Investitionen sich über den Content amortisieren. Mir ist kein Unternehmen bekannt, dass nicht ähnliche Bestrebungen an den Tag legen würde.

Amazon erpresst Hachette/Bonnier, weil diese der neuen/alten Aufteilung nicht zustimmen? Es geht hier lediglich um einige Backlisttitel, die nicht mehr innerhalb von wenigen Tagen lieferbar sind. Amazon hat nicht die Geschäftsbeziehung mit den angeschlossenen Verlagen gekündigt (dieses Szenario stelle man sich einmal vor). Das Geschäftsgebaren von Amazon mag nicht besonders ehrenvoll sein, rechtfertigt aber nicht eine solche Hexenjagd.

Im Lebensmittelhandel sind solche “Erpressungen” im Übrigen gang und gäbe. Kleine Lieferanten werden gezwungen, ihre Produkte zu immer niedrigeren Preisen abzugeben. Offenbar hat der Landwirt um die Ecke aber nicht so eine große Lobby hinter sich wie die deutschen Verlage.

Es wäre schön, wenn man bei der ganzen Diskussion die “Kuh” im Dorf lassen würde. Das Problem sollte am Verhandlungstisch und nicht in der Öffentlichkeit aus der Welt geschafft werden. Für Außenstehende ist es nämlich beinahe unmöglich, sich im Wust der Beschimpfungen und Beschuldigungen eine objektive Meinung zu bilden. Amazon ist mittlerweile der Sündenbock für fast alles. Damit will ich nicht sagen, dass ich die Strategie von Amazon vorbehaltlos gutheiße und nicht hinterfrage. Aber wenn jeder der Beteiligten einen Schritt zurücktreten würde, um einmal die Position der Gegenseite zu betrachten, wäre das für alle Parteien hilfreicher, als diese Schlammschlacht.

Was halten Sie von den Nachrichten über die Arbeitsbedingungen bei Amazon?

Ich kann nicht einschätzen, wie es dort wirklich zugeht. Grundsätzlich bringe ich der Berichterstattung in Presse und Fernsehen viel Skepsis entgegen. Ich durfte im März an einer Werksbesichtigung von Amazon in Leipzig teilnehmen. Ich traf dort weder auf unterdrückte Duckmäuser, die ihr Gesicht nicht aus den brauen Pappkartons nahmen, noch auf Menschen, die im Affenzahn durch die Gänge rasten, um Bestellungen abzuwickeln. Im Gegenteil! Ich war erstaunt, wie wenig der Prozess automatisiert ist, und wie viele Arbeitsplätze dort für die Leipziger Bevölkerung geschaffen wurden. Und man mag es kaum glauben, die Leute unterhielten sich bei der Arbeit und lachten dabei sogar ;-).

Alles zusammen genommen, mit wie vielen Sternen (von fünf möglichen) würden Sie Amazon bewerten?

Für mich als Konsumentin und Autorin ganz klar fünf von fünf Sternen.

Die Fantasy-Autorin Marah Woolf ist mit der MondLicht-Saga bekannt geworden.

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  1. Poppy J. Anderson
  2. Elke Bergsma
  3. Béla Bolten
  4. Katelyn Faith
  5. David Gray
  6. Thomas Knip
  7. Albert Knorr
  8. Michael Meisheit
  9. Nika Lubitsch
  10. Helmut Pöll
  11. Sarah Saxx
  12. Catherine Shepherd
  13. Annelie Wendeberg
  14. Dany R. Wood
  15. Marah Woolf
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Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

5 Kommentare

  1. Das ist ja an Blauäugigkeit kaum zu überbieten: Natürlich – Amazon nimm doch bitte gerne 50% von meinen Erlösen! Ist der Dame denn klar, dass sie selbst nach dieser Logik dann auch 20% ihres Honorars abtreten müsste, wenn Amazon doch 50% “zustehen” – wie bei gedruckten Büchern auch?
    Überlegen wir doch mal kurz, was sich für Amazon mit dem Erfolg der eBooks geändert hat: Amazon spart jetzt Lagerkosten bei jedem verkauften Ebook statt Printbuch (achja!) und Lieferkosten (stimmt!). Für viele Selfpublishingtitel behält sich Amazon aber trotzdem 10 Cent und mehr “Handlinggebühr” je Verkauf ein. Genau genommen stellt Amazon noch eine automatisch bzw. vom Autor generierte Produktbeschreibung online und einen Link dazu. Die Geräte verkauft Amazon vielleicht zum Selbstkostenpreis, das mag sein, aber nicht aus humanitären Gründen, sondern um sich möglichst viel Marktanteil zu sichern. Also ICH kann jeden Verlag verstehen, der da nicht mitmachen will. ICH geb sicher niemandem einfach 50% von meinem Erlös.

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