E-Reader-Test: PocketBook Touch Lux 2 – Funktionswunder und Geheimtipp

Nachdem Sony das E-Reader-Geschäft eher konservativ-zögerlich betreibt und Kobo im deutschen Markt nicht so richtig durchstartet, ist inzwischen PocketBook zum Geheimtipp der auf Unabhängigkeit bedachten Leser und Buchhändler geworden. Der Hersteller hält nicht nur im Produktzyklus locker mit den Großen mit (Tolino könnte sich davon eine Scheibe abschneiden), er hat etwa mit dem Cover Reader oder dem Color Lux innovative Modelle im Angebot, die die Konkurrenz nicht zu bieten hat.

Der neue PocketBook Touch Lux 2 zielt allerdings eher auf die ganze Breite des Markts. Dafür spricht schon der Preis von 111 Euro, der unter dem des Kindle Paperwhite liegt. Dafür bekommt der Leser, wie von PocketBook gewohnt, nicht nur einen vernünftigen E-Reader, sondern auch jede Menge Funktionalität. Verzichten muss der Nutzer allerdings auf die Audiofunktionen, die noch der Vorgänger Touch Lux besaß. Das ist schade, weil damit die von kaum einem anderen Anbieter integrierte Vorlese-Funktion verloren geht.

Unterhalb der Tasten befindet sich der MicroSD-Einschub

Insgesamt ist das neue Modell jedoch ein Upgrade. Der Bildschirm leuchtet enorm hell und nicht mehr so bläulich wie in der ersten Generation. Auch im Vergleich zu Tolino shine und Paperwhite macht sich das Display gut. Der beschleunigte Prozessor erlaubt eine flotte Bedienung, wobei der Touch Lux 2 noch immer nicht zu den schnellsten E-Readern gehört.

PocketBook Touch Lux 2 im Vergleich zu Tolino shine 2 (links) und Kindle Paperwhite 2

Dafür ist er vorn, was den Komfort beim Lesen und der Nutzung insgesamt betrifft. Anmerkungen und Wörterbücher sind ja eh klar, aber man kann zum Beispiel den Bildschirm auch quer drehen. Die Auswahl der unterstützten E-Book-Formate ist größer als bei allen anderen Modellen. Natürlich wird der ePub-Standard unterstützt, auch mit Adobe-DRM (wenn sich der Nutzer das denn antun will oder muss).

Neues Lesematerial kommt bequem über den eingebauten E-Book-Store (im Testgerät von Osiander) auf den Reader. Alternativ kann man auch die eigene Dropbox einbinden, sich per E-Mail Material zuschicken oder auch den MicroSD-Einschub nutzen. Mit 4 Gigabyte Speicher kommt man allerdings auch so eine ganze Weile hin. Wenn der Nutzer mal keine Lust zum Lesen hat, kann er auch Schach, Sudoku oder andere Spiele zocken.

Komfort beim Lesen
Das Anwendungs-Menü

In der wichtigsten Disziplin, dem Lesen, schneidet das Gerät ebenfalls gut ab. Vor allem die Kombination aus Tasten und Touch überzeugt – von der Haptik her sind Tasten eben einem Touchscreen überlegen. Das Gerät liegt durch den kleinen Knick auf der Rückseite gut in der Hand. Mit 208 Gramm ist es nur minimal schwerer als ein Paperwhite. Der Tolino shine ist gut zehn Prozent leichter. Die Akkulaufzeit liegt im Rahmen des zu Erwartenden – wer auf Beleuchtung und WLAN verzichtet, kann einen Monat lang lesen. Licht und Internet zehren viel stärker am Akku.

Die Rückseite des Touch Lux 2

Fazit: Der PocketBook Touch Lux 2 gefällt als E-Reader sehr gut – auf jeden Fall kann er mit Tolino shine und Kindle Paperwhite mithalten. Wer allerdings regelmäßig bei Amazon bzw. der Tolino-Allianz einkauft, muss beim Touch Lux 2 dann auf Komfort verzichten.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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